Examensarbeit, 2017
67 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
2 Sozialwissenschaftliche Betrachtung von Bildung und Bildungserfolg
2.1 Bildung und Bildungserfolg im Kontext der Herkunftsfamilie
2.2 Bildung und Bildungserfolg im Elementarbereich
2.3 Chancengleichheit in der Bildung und im Bildungserfolg im Schulbereich
2.4 Zusammenfassung
3 Lebensrealitäten von Kindern in verschiedenen sozialen Kontexten im Hinblick auf Bildungserfolg und das schulische System
3.1 Standortbestimmung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien
3.2 Standortbestimmung von Kindern aus Arbeiterfamilien und Familien mit Migrationshintergrund
3.3 Standortbestimmung von Kindern aus bildungsorientierten Familien
3.4 Zwischenfazit
4 Einfluss von Lehrerverhalten und Lehrerkompetenzen auf die Steigerung der Chancengleichheit von Kindern im Bildungssystem
4.1 Pädagogische Herausforderungen bei Kindern mit sozialer Benachteiligung
4.2 Anforderungen an die Lehrerausbildung zur Förderung von Chancengleichheit
4.3 Bildungspolitische Konsequenzen für die Lehrerförderung
4.4 Schulsituation in Finnland
4.4.1 Grundlagen der Bildungsgleichheit von Schülern in Finnland
4.4.2 Ausbildung und Arbeitseinsatz von Lehrkräften und anderen Fachkräften in Schulen in Finnland
4.4.3 Betreuungssituation von Kindern und Schülern im finnischen Vorschulbereich und an finnischen Schulen
4.4.4 Ausführungen von Marco Maurer zur Situation der Chancengleichheit, in Bezug auf Bildung und Bildungserfolg, in Finnland
4.5 Zusammenfassung
5 Zukunftsorientierung zur Förderung benachteiligter Kinder als gesellschaftliche und politische Herausforderung
5.1 Mögliche Herausforderungen der Politik
5.1.1 Förderung der Bildungsgerechtigkeit
5.1.2 Probleme der Heterogenität
5.1.3 Durchlässigkeit der Bildungssysteme
5.1.4 Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
5.2 Zusammenfassung
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltende Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft in Deutschland und analysiert, warum das deutsche Bildungssystem trotz wiederholter bildungspolitischer Debatten nur eingeschränkt chancengerecht agiert. Zentrales Ziel ist es, die strukturellen und pädagogischen Ursachen für diese Bildungsungleichheit zu identifizieren und unter Einbeziehung des finnischen Bildungsmodells als Vergleichsperspektive Lösungsansätze für eine zukunftsorientierte Bildungsförderung aufzuzeigen.
3.1 Standortbestimmung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien
Förderung und elterliche Liebe sorgen unter anderem dafür, dass es Kindern in Deutschland gut geht. Jedoch kann von Chancengleichheit nicht die Rede sein, denn wie bereits im vorherigen Kapitel geschildert, entscheidet in der Regel der soziale Status der Herkunftsfamilie, unter welchen Bedingungen Kinder aufwachsen und leben. Hierzu belegt die UNICEF-Vergleichsstudie 2012, dass fast jedes elfte Kind in relativer Armut lebt (vgl. UNICEF 2012, S. 2). Hierbei hat UNICEF beobachtet, dass sozial benachteiligte Kinder vermehrt „in isolierten Wohnvierteln unter sich bleiben“ (Bayerischer Rundfunk 2013). Somit ist eine Chancenungleichheit vorprogrammiert, da „gute Schulen und ausreichende soziale Unterstützung fehlen (ebd.). Eine neuere Studie, im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, hat ergeben, dass in Deutschland jedes fünfte Kind unter 15 Jahren armutsgefährdet ist. Dies bedeutet, dass Kinder unterhalb der Armutsgrenze aufwachsen.
Dies sind 2,1 Millionen Kinder in Haushalten, die Hartz IV erhalten, 1,15 Millionen arme Kinder, die keine Unterstützung erhalten, obwohl Anspruch bestehen würde, und weitere 480.000 Kinder, die knapp über der Armutsgrenze leben (vgl. ZEIT ONLINE/dpa/fin 2015).
Der Soziologe Dr. Stephan Ellinger schreibt, dass Kinder, die aus sozial benachteiligten Familien stammen, „sich häufig in einem Teufelskreis der Armut – der sowohl äußerliche als auch innere Armut einbezieht –“ (Ellinger 2013, S. 3) befinden. Weiterhin führt er auf, dass verschiedene soziologische und pädagogische Faktoren wie Einkommen, Reduzierung der Grundbedürfnisse, familiäre Belastungen, Einschränkungen der Elternfunktion, die soziale Benachteiligung bestimmen (vgl. ebd.). So finden wir in sozial benachteiligten Familien Kinder, die von Beginn an unter Armut leiden, Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt werden, Kinder, die von ihren Eltern nicht ausreichend gesundheitlich versorgt werden, Kinder, die, auf Grund dieser Umstände, von ihren Klassenkameraden ausgegrenzt und gemobbt werden, Kinder, die nicht gelernt haben, sich zu konzentrieren und im Unterricht stillzusitzen. Somit ist häufig ein Scheitern vom ersten Schultag an vorprogrammiert (vgl. Siggelkow/Büscher 2012, Klappentext).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Arbeit und die zentrale Fragestellung zur anhaltenden Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft in Deutschland.
2 Sozialwissenschaftliche Betrachtung von Bildung und Bildungserfolg: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen der Verbindung zwischen Herkunftsfamilie, frühkindlicher Förderung und Bildungschancen im Schulwesen.
3 Lebensrealitäten von Kindern in verschiedenen sozialen Kontexten im Hinblick auf Bildungserfolg und das schulische System: Hier werden die unterschiedlichen Startbedingungen von Kindern aus prekären, bildungsfernen und bildungsorientierten Verhältnissen detailliert analysiert.
4 Einfluss von Lehrerverhalten und Lehrerkompetenzen auf die Steigerung der Chancengleichheit von Kindern im Bildungssystem: Das Kapitel untersucht die entscheidende Rolle der Lehrkräfte und vergleicht das deutsche System mit dem finnischen Ansatz der inklusiven Förderung.
5 Zukunftsorientierung zur Förderung benachteiligter Kinder als gesellschaftliche und politische Herausforderung: Dieses Kapitel diskutiert bildungspolitische Strategien, den Umgang mit Heterogenität und die Notwendigkeit, Bildungsgerechtigkeit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines proaktiven, vorsorgenden Sozialstaats zur Überwindung bildungsbedingter Ungerechtigkeiten.
Bildungsgerechtigkeit, Soziale Herkunft, Chancengleichheit, Bildungserfolg, Heterogenität, Lehrerkompetenz, Schulsituation Finnland, Bildungsbenachteiligung, Migration, Armut, Schulerfolg, Inklusion, Schulsystem, Bildungsförderung, Frühkindliche Bildung.
Die Arbeit analysiert, warum die soziale Herkunft in Deutschland nach wie vor ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen ist und welche systemischen Barrieren hierfür verantwortlich sind.
Zu den Schwerpunkten zählen der Einfluss des familiären Hintergrunds, die Rolle des Lehrerverhaltens, die Auswirkungen des selektiven deutschen Schulsystems sowie Best-Practice-Beispiele aus Finnland.
Die Arbeit verfolgt das Ziel, theoretische Hintergründe der Bildungsungleichheit aufzuzeigen und Strategien zu benennen, wie Bildungsgerechtigkeit in Deutschland durch pädagogische und politische Reformen nachhaltig verbessert werden kann.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturstudie, der Auswertung empirischer Bildungsberichte sowie der Analyse von Rechercheberichten (wie dem von Marco Maurer) basiert.
Im Hauptteil werden die Lebensrealitäten verschiedener Kindergruppen beleuchtet, der Einfluss von Lehrerkompetenzen auf die Chancengleichheit hinterfragt und ein intensiver Vergleich mit der finnischen Bildungspolitik gezogen.
Zentrale Begriffe sind Bildungsgerechtigkeit, soziale Herkunft, Chancengleichheit, Lehrerkompetenz, Heterogenität sowie die systemische Förderung benachteiligter Kinder.
Finnland dient als Referenz, da es durch seine Prämisse „Fördern statt auslesen“ und eine flache Schulhierarchie bei hoher Qualität der Lehrerausbildung erfolgreich zeigt, wie Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppelt werden kann.
Die Arbeit unterstreicht, dass Lehrkräfte die entscheidenden Akteure für Chancengleichheit sind; daher wird eine Qualifizierung gefordert, die stärker auf diagnostische Kompetenzen, soziale Sensibilität und den professionellen Umgang mit Heterogenität ausgerichtet ist.
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