Bachelorarbeit, 2015
36 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Nouveau roman
3. Nouveau cinéma
4. „L'année dernière à Marienbad“
4.1 Die Zeit in Marienbad
4.1.1 Wiederholung, Variation, Fragmentierung („construire en détruisant“)
4.1.2 Die innere Zeit „maintenant“
4.2. Bild und Ton
4.2.1 L'imaginaire
4.2.2 Verschiebung von Bild und Ton
5. Konklusion
6. Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht die intermedialen Bezüge zwischen der literarischen Strömung des „nouveau roman“ und dem „nouveau cinéma“, fokussiert auf den Film „L'année dernière à Marienbad“. Dabei wird analysiert, inwiefern das Medium Film besser geeignet ist, die Prinzipien der subjektiven Wahrnehmung und Bewusstseinsprozesse abzubilden als das Medium Literatur.
4.1.1 Wiederholung, Variation, Fragmentierung („construire en détruisant“)
Im Film Marienbad werden viele Szenen wiederholt, bzw. verändert wiederaufgegriffen. Robbe-Grillet selbst spricht, bezogen auf den nouveau roman, von einem „mouvement paradoxal (construire en détruisant)“. Hier kommt sehr stark der Einfluss des nouveau roman durch. Das Erschaffen, das Entwerfen eines Ortes, eines zeitlichen Bezuges, durch minutiöse Beschreibungen, um diese anschließend wieder zu verwerfen, und durch neue, andere Beschreibungen zu ersetzen, ist typisch für Robbe-Grillet und den nouveau roman im Allgemeinen. Im nouveau roman kann das wiederholte Auftreten einzelner Objekte in variierenden Situationen zu Verknüpfungen einzelner Abschnitte des Textes führen. Es können dadurch aber auch falsche Fährten gelegt und scheinbare Zusammenhänge vorgegaukelt werden, um diese später wieder zu verwerfen, zu widerlegen, oder ins Leere führen zu lassen.
Auch Robbe-Grillet bezeichnet die Werke des nouveau roman beim ersten Lesen als „déroutantes“. Sie entgleisen sozusagen der geraden Zeitschiene ohne Vorwarnung und ohne Markierung, weshalb das Kino von Robbe-Grillet auch, unter anderem von ihm selbst, als „cinéma dysnarratif“ bezeichnet wird. In Marienbad wird der Zuschauer gleich zu Anfang zu einer falschen Annahme bewegt, und zwar was A betrifft. Zu Beginn erweckt der Film den Eindruck, als handele es sich bei der blonden Frau, die zu Anfang mehrfach auftaucht, noch bevor man Delphine Seyrig sieht, um A. Denn sie ist mehrmals auffällig lang im Bild, länger, als andere Hotelgäste, zuerst in min. 10:08 in der Großaufnahme, kurz darauf, in min. 10:12, ist dann zwar A zu sehen, aber nur im Hintergrund und der Zuschauer weiß noch nicht, dass sie es ist. In min. 10:30 ist wieder die blonde Frau im Bild. Kurz darauf, ganz nach dem Schema „construire en détruisant“, wird der Zuschauer weiter verwirrt und die Vermutung, die blonde Frau könnte die Hauptdarstellerin sein, wird verworfen, indem mehrere Großaufnahmen von verschiedenen Frauen direkt hintereinander gezeigt werden und der Zuschauer sich bei jeder fragt, ob diese A sein könnte. Und in min. 10:40 wird schließlich wieder die blonde Frau länger allein gezeigt.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte des Films „L'année dernière à Marienbad“ ein und erläutert das Ziel der Arbeit, die literarischen Aspekte und den Einfluss des „nouveau roman“ auf das Kino zu untersuchen.
2. Nouveau roman: Dieses Kapitel definiert die literarische Strömung, ihre Vertreter und die Abkehr von klassischen Erzählformen sowie die Betonung der subjektiven Wahrnehmung.
3. Nouveau cinéma: Hier wird die Parallele zum „nouveau roman“ im Filmkontext beleuchtet und die spezifische Ästhetik sowie die Nähe zwischen den beiden Bewegungen herausgearbeitet.
4. „L'année dernière à Marienbad“: Dieses Hauptkapitel analysiert den Film selbst, seine Struktur und die Inszenierung von Zeit, Bild und Ton.
4.1 Die Zeit in Marienbad: Analyse der zeitlosen, fragmentierten Struktur des Films und der Abwesenheit einer linearen Chronologie.
4.1.1 Wiederholung, Variation, Fragmentierung („construire en détruisant“): Untersuchung der repetitiven Muster und der bewussten Verwirrung des Zuschauers durch filmische Mittel.
4.1.2 Die innere Zeit „maintenant“: Betrachtung der Bedeutung des „maintenant“ (Präsens) und der subjektiven Zeitwahrnehmung als „innerer Film“.
4.2. Bild und Ton: Diskussion des Zusammenspiels von visuellen und auditiven Elementen und der Konstruktion einer subjektiven Realität.
4.2.1 L'imaginaire: Untersuchung der Rolle von Vorstellungskraft, Spiegelungen und Symbolik im Film.
4.2.2 Verschiebung von Bild und Ton: Analyse der bewussten Diskrepanz zwischen Tonspur und Bild als Mittel der Fragmentierung und Manipulation.
5. Konklusion: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit zur Eignung des Films als Medium zur Vermittlung subjektiver Wahrnehmungsprozesse im Vergleich zur Literatur.
6. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Nouveau Roman, Nouveau Cinéma, L'année dernière à Marienbad, Alain Robbe-Grillet, Alain Resnais, Zeitstruktur, Subjektive Wahrnehmung, Fragmentierung, Intermedialität, Bewusstseinsstrom, Präsens, Filmtheorie, Erzählstruktur, Bild-Ton-Verschiebung.
Die Arbeit untersucht die intermedialen Zusammenhänge zwischen der Literatur des „nouveau roman“ und dem Film, insbesondere am Beispiel von Alain Resnais' „L'année dernière à Marienbad“.
Zentral sind die Themen der Zeitwahrnehmung, der subjektiven Realität, des Einflusses literarischer Techniken auf filmische Narrative sowie der intermediale Austausch zwischen Autor und Regisseur.
Das Ziel ist zu analysieren, ob der Film aufgrund seiner medialen Eigenheiten – insbesondere durch die Zeitgestaltung und die Möglichkeiten von Bild und Ton – besser geeignet ist, die Konzepte des „nouveau roman“ auszudrücken als das literarische Medium selbst.
Es wird eine vergleichende Medienanalyse durchgeführt, die theoretische Grundlagen des „nouveau roman“ mit filmwissenschaftlichen Analysen spezifischer Sequenzen (z.B. Zeit, Bild-Ton-Diskrepanz) verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den „nouveau roman“ und „nouveau cinéma“ sowie eine detaillierte filmanalytische Untersuchung von Zeitstrukturen, Wiederholungsmustern, der Rolle des Imaginären sowie der Verschiebung von Bild und Ton in „Marienbad“.
Wichtige Begriffe sind „nouveau roman“, „nouveau cinéma“, „subjektive Wahrnehmung“, „Fragmentierung“, „Zeitstruktur“ (insbes. das „Präsens/maintenant“) und „Intermedialität“.
Das „maintenant“ (das Präsens) ist zentral, da das filmische Bild immer im Präsens existiert. Es ermöglicht, subjektive Erinnerungen und Gedanken als „Gegenwart“ zu zeigen, was dem literarischen „stream of consciousness“ entspricht.
Es bezeichnet ein paradoxes Verfahren des Aufbaus und der gleichzeitigen Zerstörung von Erzählstrukturen, durch das der Zuschauer durch Wiederholungen und Variationen verwirrt und zur aktiven Auseinandersetzung gezwungen wird.
Die Diskrepanz zwischen Bild und Ton wird genutzt, um die Anonymität der Charaktere zu betonen, die Zuverlässigkeit der Erzählung in Frage zu stellen und die subjektive Fragmentierung der Wahrnehmung zu verdeutlichen.
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