Bachelorarbeit, 2015
61 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Begriffsklärung Neomerkantilismus
2 Der deutsche Neomerkantilismus ab 1950
2.1 Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems
2.2 Problematik des Europäischen Währungssystems
3 Konstruktion der Wirtschafts- und Währungsunion
3.1 Transnationaler historischer Block
3.2 Stabilitäts- und Wachstumspakt
4 Der deutsche Neomerkantilismus im Kontext der Währungsunion
4.1 Lohnstückkostenwettbewerb in der Währungsunion
4.2 Grundlagen der deutschen Wettbewerbsfähigkeit
4.3 ProfiteurInnen des deutschen Neomerkantilismus
5 Leistungsbilanzungleichgewichte in der Eurozone
5.1 Wirtschaftspolitische Entwicklung der Mitgliedsstaaten
5.2 Wachstumsstrategien der Defizitländer
5.3 Transnationale Gläubiger-Schuldner-Beziehungen
5.4 Kritische Reflexion neoklassischer Ansätze
6 Von der globalen Finanzkrise zur europäischen Staatsschuldenkrise
6.1 Der deutsche Neomerkantilismus und die europäische Staatsschuldenkrise
7 Schlussbemerkung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Beitrag des deutschen Neomerkantilismus zur Entstehung der europäischen Staatsschuldenkrise. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche Bedeutung der deutsche Neomerkantilismus anhand seiner Auswirkungen auf die Leistungsbilanzungleichgewichte und die transnationalen Gläubiger-Schuldner-Beziehungen in der Eurozone für die Krise hat.
1.1 Begriffsklärung Neomerkantilismus
Grundsätzlich ist eine neomerkantilistische Wirtschaftspolitik auf das Erzielen eines Exportüberschusses ausgerichtet. Ein Exportüberschuss besteht, sobald in einem Staat der Wert der exportierten Waren und Dienstleistungen den Wert der importierten Waren und Dienstleistungen übersteigt. In diesem Fall liegt eine aktive Handels- und Dienstleistungsbilanz vor. Da die Handels- und Dienstleistungsbilanz Teilbilanzen der Leistungsbilanz sind, stellt ein Exportüberschuss von Waren und Dienstleistungen die Grundlage für eine aktive Leistungsbilanz eines Staates dar. Verbunden mit einem Leistungsbilanzüberschuss sind der Aufbau von Geldvermögen und eine Zunahme entsprechender Kapitalexporte (Becker/Raza 2007: 3). Von einer aktiven Leistungsbilanz profitieren daher nicht nur exportorientierte Unternehmen, sondern ebenfalls Finanzinstitutionen und AktionärInnen infolge steigender Zinseinnahmen und Dividenden.
Um einen Exportüberschuss langfristig zu erhalten, ist nicht nur die Förderung der Exporte, sondern ebenso eine Begrenzung der Importnachfrage notwendig. Steigt die Binnennachfrage stärker als das Binnenangebot, das aufgrund der Exportorientierung relativ schwach ausgeprägt ist, dann steigen Preise und Inflationsrate an (Richter 2006: 997). Preissteigerungen führen wiederum zu einer Erhöhung der Löhne und damit zu einem Anstieg des Konsums und einer wachsenden Nachfrage nach Importen. Ein schwaches Binnenwachstum ist daher aus zweierlei Hinsicht im Interesse einer neomerkantilistischen Wirtschaftspolitik: Zum einen verhindert es einen Anstieg der Löhne und somit eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit der exportierenden Unternehmen. Zum anderen wirkt es einer Inflation sowie einem Konsumanstieg und einer wachsenden Importnachfrage entgegen.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Rolle Deutschlands als neomerkantilistischer Akteur dar und führt in die Fragestellung ein, wie diese Wirtschaftspolitik die europäische Staatsschuldenkrise beeinflusst hat.
2 Der deutsche Neomerkantilismus ab 1950: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der deutschen Exportorientierung nach dem Zweiten Weltkrieg und die Bedeutung fester Wechselkurse für den industriellen Aufschwung nach.
3 Konstruktion der Wirtschafts- und Währungsunion: Hier wird analysiert, wie die WWU unter dem Einfluss eines neoliberalen historischen Blocks gestaltet wurde, um deutsche Wirtschaftsinteressen zu institutionalisieren.
4 Der deutsche Neomerkantilismus im Kontext der Währungsunion: Dieses Kapitel untersucht die Auswirkungen stagnierender Lohnstückkosten in Deutschland auf die Wettbewerbsfähigkeit und das Binnenwachstum innerhalb der Eurozone.
5 Leistungsbilanzungleichgewichte in der Eurozone: Es wird analysiert, wie die neomerkantilistische Politik Deutschlands zu Handelsbilanzungleichgewichten führte und welche Rolle transnationale Kapitalströme bei der Finanzierung der Defizitländer spielten.
6 Von der globalen Finanzkrise zur europäischen Staatsschuldenkrise: Dieses Kapitel verbindet die Analyse der vorangegangenen Kapitel mit dem Krisenverlauf ab 2008 und zeigt die Destabilisierungsfolgen für die Eurozone auf.
7 Schlussbemerkung und Ausblick: Zusammenfassend wird festgehalten, dass der deutsche Neomerkantilismus ein zentrales strukturelles Problem der Eurozone darstellt, und es werden alternative wirtschaftspolitische Ansätze diskutiert.
Neomerkantilismus, deutsche Exportwirtschaft, Wirtschafts- und Währungsunion, Leistungsbilanzungleichgewichte, Staatsschuldenkrise, Lohnstückkosten, Finanzialisierung, transnationale Gläubiger-Schuldner-Beziehungen, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Europäische Zentralbank, Wettbewerbsfähigkeit, Neoliberalismus, Binnennachfrage, Kapitalexporte.
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die neomerkantilistische Wirtschaftspolitik Deutschlands auf die Entstehung und Verschärfung der europäischen Staatsschuldenkrise hatte.
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung des deutschen Exports, die Konstruktion der WWU, Lohnstückkostenentwicklungen, Leistungsbilanzungleichgewichte und die transnationale Finanzialisierung.
Das primäre Ziel ist es, die einseitige Schuldzuweisung gegenüber den südeuropäischen Staaten zu hinterfragen und die Rolle der Gläubigerstaaten sowie die strukturellen Defizite der Währungsunion aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt eine politökonomische Analyse, insbesondere unter Einbezug neo-gramscianischer Ansätze nach Stephen Gill, um die Interessen von Akteuren und staatliche Umstrukturierungsprozesse zu verstehen.
Im Hauptteil werden die Entwicklung des deutschen Neomerkantilismus, die Konstruktion der WWU und des Stabilitätspaktes sowie die daraus resultierenden Leistungsbilanz- und Schuldendynamiken detailliert analysiert.
Die wichtigsten Begriffe sind Neomerkantilismus, Leistungsbilanzungleichgewichte, Lohnstückkosten, transnationale Gläubiger-Schuldner-Beziehungen und Stabilitäts- und Wachstumspakt.
Die EZB wird als Institution betrachtet, die mit ihrem Fokus auf Preisstabilität und ihrer Unabhängigkeit von nationalen Regierungen die neomerkantilistische Ausrichtung der WWU gestützt und den fiskalpolitischen Handlungsspielraum der Mitgliedsstaaten begrenzt hat.
Die Lohnzurückhaltung wird als ein Kernfaktor für das niedrige Binnenwachstum in Deutschland identifiziert, das wiederum zu einer schwachen Importnachfrage führte und den Wettbewerbsdruck innerhalb der Eurozone massiv verschärfte.
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