Bachelorarbeit, 2015
47 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Mädchen im allgemeinen Bildungssystem – kurzer historischer Rückblick und Bestandsaufnahme
2.1 Empirische Befunde PISA,IGLU, TIMSS
2.2 Konsequenzen für Studienfach- und Berufswahl
3. Geschlechtertheorien
3.1 Sozialisation im kulturellen System der Zweigeschlechtlichkeit
3.2 Doing Gender
4. Doing Gender im allgemeinbildenden Schulsystem
4.1 Doing Gender seitens der Eltern
4.2 Doing Gender seitens der Lehrkräfte
5. MINT-Förderung für Mädchen – Chancen und Grenzen
5.1 Das Beispiel Ada-Lovelace-Projekt Rheinland-Pfalz
5.2 Empirische Befunde
5.2.1 Entwicklung des Anteils der Studentinnen in den MINT-Fächern
5.2.2 Evaluative Ergebnisse der Projektaktivitäten
5.3 Chancen und Grenzen der MINT-Förderung aus geschlechtertheoretischer Sicht
6. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit von MINT-Förderprogrammen für Mädchen der Sekundarstufe I. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem schullaufbahnbezogenen Erfolg von Mädchen und ihrem Wahlverhalten bei der Berufs- und Studienwahl vor dem Hintergrund geschlechtertheoretischer Ansätze zu analysieren und Chancen sowie Grenzen derartigen Fördermaßnahmen aufzuzeigen.
3.2 Doing gender
Auf den Usus, die Differenzierung des männlichen und weiblichen Geschlechts auf biologische Unterschiede einzuschränken, haben angloamerikanische Feministinnen in den 1960er Jahren mit der Abgrenzung der Begrifflichkeiten von „sex“ und „gender“ reagiert. Der Begriff „sex“ wird üblicherweise mit "biologisches Geschlecht" übersetzt und anatomisch definiert. Der Begriff „gender“ wird in der Regel in der Bedeutung von "sozialem Geschlecht" verwendet und stellt auf die soziale Konstruktion von geschlechtsspezifischen Rollen, Normen, Verhaltenserwartungen und Attributen ab. Die begriffliche Unterscheidung von sex und gender hat enorme Vorteile gebracht, um gegen die Definitionsmacht der Geschlechterunterscheidung als biologisch determiniert argumentieren zu können. (vgl. Küppers, 2011, S. 24) „Sie enttarnte gender als soziales Konstrukt und deckte auf, dass dichotome Geschlechterzuschreibungen, Geschlechterrollen und Hierarchisierungen historisch entstanden sind und durch gesellschaftliche Strukturierungen, Aushandlungen und Bedeutungszuschreibungen zustande kommen.“ (ebd., S.24)
1987 brachten Candace West und Don Zimmerman ihren „doing gender“-Ansatz in die wissenschaftliche Diskussion ein. Für sie wird Geschlecht in täglicher Interaktion kontinuierlich hervorgebracht; um einerseits den Anspruch der Omnirelevanz der Klassifikationskategorie Gender klarzumachen, andererseits die analytische Abkopplung von sex und gender darzulegen, führen sie drei neue, voneinander unabhängige Kategorien in die Diskussion ein. „sex“ bezeichnet das biologische bzw. körperliche Geschlecht; „sex category“ meint die soziale Zuordnung zu einem Geschlecht; und „gender“ bezeichnet das soziale Geschlecht im Sinne von Handlungen und Verhaltensweisen, die im Lichte spezifischer Erwartungen und normativer Konzepte über das jeweilige Geschlecht gesetzt werden. (vgl. West & Zimmerman, 1991, S. 14f.)
Diese Perspektive kann als eine mikrosoziologische betrachtet werden und richtet den Blick auf alltägliche Praktiken und Interaktionen. Hier ist es wichtig zu betonen, dass die Zweigeschlechtlichkeit nicht nur dargestellt, sondern überhaupt erst hervorgebracht wird. Dieser Ansatz hat unter dem Ausdruck „doing gender“ Eingang in den wissenschaftlichen Diskurs gefunden und betrachtet, wie sich die Individuen innerhalb eines gesellschaftlichen Systems aktiv und interaktiv die mit den jeweiligen Geschlechterrollen einhergehenden Regeln, Normen und Verhaltensweisen aneignen, produzieren und somit reproduzieren.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bildungsreformen seit den 60er Jahren, die den Mädchen zum Erfolg im Schulsystem verhalfen, während geschlechtsspezifische Präferenzen bei der MINT-Fächerwahl bestehen blieben.
2. Mädchen im allgemeinen Bildungssystem – kurzer historischer Rückblick und Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel analysiert anhand empirischer Studien die Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen und diskutiert die negativen Konsequenzen des geschlechterkonformen Wahlverhaltens für die berufliche Karriere.
3. Geschlechtertheorien: Das Kapitel führt zentrale theoretische Zugänge ein, insbesondere die Sozialisation in einem zweigeschlechtlichen System und das Konzept des „Doing Gender“ zur Erklärung von Geschlechterkonstruktionen.
4. Doing Gender im allgemeinbildenden Schulsystem: Hier wird detailliert untersucht, wie Eltern und Lehrkräfte durch Erwartungen, Leistungsattributionen und Feedback-Kulturen die geschlechtsspezifische Fächerwahl beeinflussen und Stereotype reproduzieren.
5. MINT-Förderung für Mädchen – Chancen und Grenzen: Anhand des Ada-Lovelace-Projekts werden Maßnahmen zur MINT-Förderung vorgestellt und kritisch auf ihre empirische Wirksamkeit sowie ihre theoretische Problematik hin geprüft.
6. Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass Fördermaßnahmen zwar individuell erfolgreich sein können, aber aus geschlechtertheoretischer Perspektive Gefahr laufen, bestehende Stereotype durch die Dramatisierung von Geschlecht eher zu verfestigen als aufzubrechen.
MINT-Förderung, Mädchenbildung, Doing Gender, Geschlechtertheorie, Sozialisation, Berufswahl, Studienwahl, Ada-Lovelace-Projekt, Chancengleichheit, Leistungsattribution, Stereotype, Zweigeschlechtlichkeit, Bildungsreformen, Geschlechterrolle, MINT-Bereich.
Die Arbeit analysiert die Chancen und Grenzen von MINT-Fördermaßnahmen für Mädchen unter Einbeziehung geschlechtertheoretischer Erkenntnisse und dem Kontext der schulischen Sozialisation.
Die Untersuchung umfasst die historische Bildungsentwicklung von Mädchen, Sozialisationstheorien, das Konzept des „Doing Gender“ in Familie und Schule sowie die Evaluation von Praxisprojekten im MINT-Bereich.
Das Ziel ist es, aus einer geschlechtertheoretischen Sicht auszuloten, ob und wie MINT-Förderprojekte tatsächlich dazu beitragen, Geschlechterstereotype abzubauen, ohne dabei ungewollt Ungleichheiten zu reproduzieren.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie einer Evaluation empirischer Studien und statistischer Daten zur Projektwirkung im MINT-Bereich.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Geschlechtertheorien), eine Analyse der Sozialisationsbedingungen durch Eltern und Lehrkräfte sowie eine empirische Bestandsaufnahme und kritische Reflexion des Ada-Lovelace-Projekts.
Typische Schlüsselbegriffe sind MINT-Förderung, Doing Gender, soziale Konstruktion von Geschlecht, Bildungsbiografie und Geschlechterrollenkonformität.
Eltern beeinflussen die Wahl maßgeblich durch geschlechtsrollen-klischeehafte Erwartungen, wobei sie MINT-Fächer oft als männlich konnotiert betrachten und Erfolge bei Mädchen eher auf Fleiß statt auf Begabung zurückführen.
Die Autorin stellt ein Dilemma fest: Die Förderung „dramatisiert“ Geschlecht als Vergleichskategorie, um Gleichheit herzustellen, was jedoch paradoxerweise die Wahrnehmung von Unterschieden und Defiziten bei Mädchen erst recht festigt.
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