Fachbuch, 2017
44 Seiten
1 Einleitung
2 Das Ideal der Frau im Nationalsozialismus
2.1 Biologischer Essentialismus des 19. Jahrhunderts
2.2 Ethnie, Ehe und Mutterschaft: Grundvoraussetzungen für gesellschaftliche Anteilnahme im Regime
3 Frauen in der Parteiprogrammatik und Ideologie der NSDAP
3.1 Zur Frauenpolitik der NSDAP vor 1933
3.2 Zur Frauenpolitik der NSDAP nach 1933
4 Maßnahmen zur Festigung des nationalsozialistischen Frauenideals in der Gesellschaft
4.1 Attraktivierung der Mutterschaft
4.1.1 Juristische Maßnahmen zur Steigerung der Geburtenzahlen
4.1.2 Das Mutterkreuz
4.1.3 Ehestandsdarlehen:
4.2 Die Ehe im Nationalsozialismus: Pflichttreue und Fortbestand der Rasse
4.2.1 Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses
4.2.2 Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre
4.2.3 Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes
5 Politischer Pragmatismus und die Entstehung undogmatischer Weiblichkeitskonzeptionen
5.1 Aufwertung des Berufes der Hausfrau
5.2 Die Frau in der Arbeitswelt des Mannes
5.3 Die Frau als gläubige Stütze der Nation
5.4 Die Frau bei der Wehrmacht
6 Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht das nationalsozialistische Frauenideal, seine ideologischen Grundlagen sowie die Maßnahmen des Regimes zu dessen Etablierung. Dabei wird analysiert, wie das Frauenbild im Spannungsfeld zwischen Mutterschaft und der kriegsbedingten Notwendigkeit weiblicher Arbeitskraft instrumentalisiert wurde und inwiefern sich diese Konzepte im Verlauf des Regimes wandelten.
4.1.2 Das Mutterkreuz
Mütter wurden im Nationalsozialismus auf verschiedene Art und Weise geehrt. Sie erhielten beispielsweise die „Ehrenkarte für die deutsche Mutter“, durch welche eine Mutter mit mindestens einem Kinder unter zwei Jahren zahlreiche Vergünstigungen beim Einkaufen erhielt und ihr auch gute Plätze bei öffentlichen Veranstaltungen zustanden. (Ahlheim, 2008: o.S) (siehe Abbildung 2) Ab dem Jahr 1938 wurde als Belohnung für eine überdurchschnittlich hohe Kinderanzahl am Muttertag, welcher ein Nationalfeiertag war, das „Ehrenkreuz der deutschen Mutter“ verliehen, das im Volksmund auch als „Kaninchenorden“ bekannt war. (Tidl, 1984: 73) Es gab, je nach Anzahl der Kinder, die „für das Reich“ geboren wurden, verschiedene Arten des Mutterkreuzes:
Das Ehrenzeichen, ein längliches Kreuz, blau emailliert, mit weißem Rande, ist inzwischen zum festen Begriff in unserer Volksgemeinschaft geworden. Auf rundem weißem Schild trägt es das schwarze Hakenkreuz und darum einen Metallrand mit der Aufschrift „Der deutschen Mutter“. Die Rückseite zeigt das Datum der Stiftung, den 16. Dezember 1938, und den Namenszug des Führers. Für Mütter von vier und fünf Kindern wird bekanntlich die dritte Stufe, in Bronze, für Mütter von sechs bis sieben
Kindern die zweite, in Silber, und für Mütter von acht und mehr Kindern die erste, in Gold, verliehen. Voraussetzung ist, daß die Eltern der Kinder deutschblütig und erbtüchtig, die Mütter der Auszeichnung würdig und die Kinder lebend geboren sind. (Tidl, 1984: 73f. zit. nach: VB, 15.12.43 „Unsere Mütter – Wegbereiterinnen des Sieges“)
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Frau im Nationalsozialismus abseits gängiger Klischees und definiert die Forschungsfragen der Arbeit.
2 Das Ideal der Frau im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel erörtert die ideologischen Ursprünge des Frauenbildes im 19. Jahrhundert und die Bedeutung von Ethnie, Ehe und Mutterschaft.
3 Frauen in der Parteiprogrammatik und Ideologie der NSDAP: Es wird die Entwicklung der nationalsozialistischen Frauenpolitik vor und nach 1933 analysiert.
4 Maßnahmen zur Festigung des nationalsozialistischen Frauenideals in der Gesellschaft: Dieses Hauptkapitel detailliert die verschiedenen Versuche des Regimes, die Mutterschaft und Ehe durch Gesetze, Ehrungen und finanzielle Anreize zu steuern.
5 Politischer Pragmatismus und die Entstehung undogmatischer Weiblichkeitskonzeptionen: Das Kapitel untersucht, wie kriegsbedingte Notwendigkeiten zu einer Flexibilisierung des propagierten Frauenbildes führten.
6 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Ergebnisse und betont die Anpassungsfähigkeit der Rollenbilder an politische Ziele.
Nationalsozialismus, Frauenideal, Mutterschaft, NS-Frauenpolitik, Ehestandsdarlehen, Mutterkreuz, Rassenideologie, Bevölkerungspolitik, NS-Arbeitsmarkt, Kriegseinsatz, Wehrmachtshelferinnen, Essentialismus, Geschlechterordnung, Hausfrauenarbeit, Propaganda.
Die Arbeit untersucht das Frauenbild im Nationalsozialismus und dessen ideologische sowie praktische Einbindung in die Politik des NS-Regimes.
Zentrale Felder sind die Bedeutung von Ehe und Mutterschaft, die rassenideologische Verankerung des Frauenbildes und der Wandel dieser Konzepte unter dem Druck des Zweiten Weltkriegs.
Das Ziel ist es, zu erklären, wie der NS-Staat das Frauenideal definierte, für seine politische Agenda nutzte und warum sich dieses Ideal im Verlauf des Regimes veränderte.
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die historische Quellen und ideologische Schriften der NS-Zeit kritisch auswertet.
Der Hauptteil behandelt die staatlichen Maßnahmen zur Festigung des Frauenideals (wie das Ehestandsdarlehen oder das Mutterkreuz) sowie die Auswirkungen des Krieges auf die Rollenerwartungen an Frauen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Frauenideal, Mutterschaft, Rassenideologie und politischen Pragmatismus charakterisieren.
Das Mutterkreuz diente als propagandistisches Instrument, um Frauen zur Mutterschaft zu motivieren und ihre Rolle als „Dienst am Volk“ symbolisch aufzuwerten.
Durch den kriegsbedingten Arbeitskräftemangel lockerte das Regime das traditionelle Bild der „nur“ häuslichen Frau und förderte den Einsatz von Frauen in der Industrie und später sogar in der Wehrmacht.
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