Bachelorarbeit, 2016
21 Seiten, Note: 1,0
1. Angst und Stereotype
2. Der Stereotype Threat
2.1. Einblick in die bestehende Theorien und Forschung
2.2. Die Aktivierung eines Stereotyps
3. Leistungsveränderung in einem ökonomischen Modell
3.1. Confidence-Enhanced Performance
3.2. Die Erwartungsnutzenfunktion des Vorstellungsgesprächs
3.3. Die Anstrengungsfunktion
3.4. Das Optimierungsproblem
3.5. Erhöhung der Erfolgswahrscheinlichkeit
4. Fazit
Die Arbeit untersucht, wie das Phänomen des Stereotype Threat – die Angst, negative Stereotype über eine soziale Gruppe zu bestätigen – die Leistung von Individuen in stressbehafteten Situationen wie Vorstellungsgesprächen beeinflusst. Durch die Verknüpfung psychologischer Erkenntnisse mit einem ökonomischen Modell der Erwartungsnutzentheorie soll aufgezeigt werden, wie aktivierte Stereotype zu Wahrnehmungsverzerrungen und damit zu einer messbaren Leistungsminderung führen.
2.2. Die Aktivierung eines Stereotyps
Um durch einen Stereotype Threat beeinflusst zu werden, muss bei dem Individuum das zutreffende Stereotyp zuvor aktiviert werden. In diesem Kapitel wird die Frage beantwortet, wie eine solche Aktivierung stattfindet.
Devine (1989) nimmt an, dass die Aktivierung eines Stereotyps ein automatischer Prozess ist, der ohne Absicht, ohne Aufwand und ohne Bewusstsein abläuft. Allein das Wissen über die Existenz des Stereotyps reiche aus, um dieses zu aktivieren, auch wenn das Individuum allgemein nicht an eine Stereotypisierung glaubt. Auch Bargh, Chen und Burrows (1996) verweisen auf einen automatischen Ablauf. Dabei beziehen sie sich auf die Methode des Primings, eine Informationsverarbeitung, welche durch einen Reiz ausgelöst wird und damit eine unbewusste Wahrnehmung zustande kommt (Moskowitz, 2005). Reize können dabei Wörter, Bilder oder auch eine bestimmte Umgebung (Pendry, 2007) sein, die das Stereotyp unbewusst wahrnehmen lässt und es somit aktiviert.
Hier ein Beispiel, welches zur Veranschaulichung des Aktivierungsprozesses dient und später für den Aufbau des Modells wieder verwendet wird: Eine Bewerberin hat die Kenntnis über das Stereotyp „Frauen besitzen kein Verständnis für Technik“, dennoch bewirbt sie sich um einen Ausbildungsplatz als KFZ-Mechatronikerin, ein traditionell typisch männlicher Beruf. Die Grundvoraussetzung, die Kenntnis über das Stereotyp, ist somit gegeben. Beim Eintreten in das Zimmer, in dem das Vorstellungsgespräch stattfindet, äußert ein Mitarbeit aus der Personalabteilung den Kommentar „Ah, eine Frau!“. Dies reicht als Reiz aus, das geschlechtsspezifische Stereotyp zu aktivieren, ohne es direkt zu formulieren. Die Bewerberin befindet sich nun in einer Stereotype Threat Situation, obwohl sie dies nicht beabsichtigt hatte. Sie musste nichts weiter machen als diesen Kommentar zu hören. Außerdem ist ihr nicht bewusst, dass sie sich nun in einer Stereotype Threat Situation befindet.
1. Angst und Stereotype: Einführung in die Problematik, wie gesellschaftliche Kategorisierungen und damit verbundene Stereotype in Prüfungssituationen Ängste auslösen und die eigene Karriere negativ beeinflussen können.
2. Der Stereotype Threat: Definition und theoretische Herleitung des Begriffs sowie detaillierte Untersuchung der psychologischen Prozesse hinter der Aktivierung von Stereotypen.
3. Leistungsveränderung in einem ökonomischen Modell: Übertragung der empirischen Befunde in ein mathematisches Modell auf Basis der Erwartungsnutzentheorie zur Erklärung von Leistungsminderungen.
4. Fazit: Synthese der Ergebnisse, die verdeutlicht, dass die bewusste Reduktion von Stereotypen notwendig ist, um Leistungseinbußen zu vermeiden und das volle Potenzial von Bewerbern freizusetzen.
Stereotype Threat, Vorstellungsgespräch, Confidence-Enhanced Performance, Erwartungsnutzentheorie, Anstrengungsfunktion, Wahrnehmungsverzerrung, Selbstvertrauen, Leistungsdifferenz, Priming, Psychologie, Ökonomisches Modell, Geschlechterstereotyp, Bewertungsangst, Leistungssteigerung, Stressreaktion.
Die Bachelorarbeit analysiert die negativen Auswirkungen von sogenannten Stereotype Threats auf die Leistung von Individuen, speziell im Kontext von Vorstellungsgesprächen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittmenge von Sozialpsychologie und Ökonomie, insbesondere der Auswirkungen von unbewussten Vorurteilen auf die individuelle Entscheidungsfindung und Anstrengungsbereitschaft.
Die Arbeit untersucht, wie sich die Leistung eines Individuums in einem Vorstellungsgespräch verändert, wenn es durch einen Stereotype Threat – etwa durch ein geschlechtsbezogenes Vorurteil – in seinem Selbstvertrauen beeinträchtigt wird.
Es wird eine theoretische Modellierung verwendet, die auf der Confidence-Enhanced Performance Theorie von Compte und Postlewaite sowie der klassischen Erwartungsnutzentheorie aufbaut.
Der Hauptteil widmet sich der Entwicklung eines ökonomischen Modells, das den Prozess von der Aktivierung eines Stereotyps durch einen externen Reiz über die Senkung des Selbstvertrauens bis hin zur resultierenden Leistungsminderung mathematisch beschreibt.
Die wesentlichen Konzepte sind Stereotype Threat, Erwartungsnutzen, Anstrengungsfunktion und Wahrnehmungsverzerrung.
Der Kommentar dient als Reiz, der beim Individuum das Wissen um ein negatives Stereotyp aktiviert. Dies senkt das subjektive Selbstvertrauen, was wiederum die Motivation und die Anstrengung im Gespräch reduziert, da die Erfolgswahrscheinlichkeit pessimistischer eingeschätzt wird.
Nein, die Aktivierung ist ein automatischer Prozess, aber die Umgehung kann kontrolliert ablaufen, sofern das Individuum bewusst über den Einfluss ist, ausreichend motiviert ist und genügend Zeit zur Reflexion hat.
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