Magisterarbeit, 2002
63 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Elemente der Gothic novel
2.1 Der Gothic villain
2.1.1 Dyer und sein reales Pendant Nicholas Hawksmoor
2.1.2 Der Erzähler Dyer
2.1.3 Der Satanist Dyer
2.1.4 Dyer als mittelalterlicher Schurke
2.1.5 Dyer als „ewiger Wanderer“
2.2 Die Verfolgungsstruktur
2.3 Der Handlungs- und Erlebnisraum: die Kirchen
2.3.1 Die Kirchen als Metapher des Todes
2.3.2 Die Kirchen als Sinnbild des Schurken
2.3.3 Die Kirchen als Mittel der postmodernen Selbstreflexion
2.3.4 Die Kirchen als zeitliche Konstanten
3. Das Geschichtskonzept
3.1 Geschichte als Kreislauf
3.2 Das zirkuläre Zeitkonzept als Element des magischen Weltbilds
3.3 Subjektive vs. objektive Geschichte
4. Angst und Schrecken
4.1 Angst und Schrecken im konventionellen Schauerroman
4.2 Angst und Schrecken in Hawksmoor
4.2.1 Angst und Schrecken durch Verunsicherung
4.2.2 Innerer Schrecken vs. äußerer Schrecken
4.2.3 Die Verunsicherung des Lesers
5. Schluß
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert Peter Ackroyds Roman Hawksmoor (1985) als eine moderne, postmoderne „Echokammer“ der klassischen Gothic novel. Ziel der Untersuchung ist es, die Verwendung genretypischer Elemente – wie den Schurken, die Verfolgungsstruktur, den Handlungsraum der Kirchen sowie die Erzeugung von Angst – aufzuzeigen, die von Ackroyd durch intertextuelle Bezüge und postmoderne Modifikationen transformiert werden, um das Verhältnis von Fiktionalität, Realität und Geschichte neu zu hinterfragen.
2.1.3 Der Satanist Dyer
Auf den ersten Blick ist Dyer der Bösewicht. Er ist Anhänger des Satanskultes und ein mehrfacher Mörder. Jede Kirche, die er baut, weiht er mit einem Menschenopfer, indem er entweder Menschen in den Tod treibt, wie den Jungen Thomas Hill oder sie tötet wie den Landstreicher Ned, den Jungen Dan, Yorick Hayes und Thomas Robinson. Das Blut der Opfer wird an den Plätzen der neu errichteten Kirchen verteilt und die Leichen in den Fundamenten vergraben. Laut den Regeln des Satanskultes müssen alles Opfer im wörtlichen oder übertragenen Sinne jungfräulich bzw. unschuldig sein: „[...] in our Eucharist the Bread must be mingled with the Blood of an Infant.“24 Dyers Mordopfer sind daher entweder Kinder oder Männer mit kindlichen Charaktereigenschaften.
Ein weiteres Merkmal des Schurken ist, daß sich seine Biographie von der der anderen Figuren unterscheidet. Weber formuliert das so:
Häufig [...] ist eine geheimnisumwitterte Geburt Teil der Autor-Strategie den Schurken herauszulösen aus allen familiären und sozialen Banden, um so das Fremdartig-Unheimliche und Archetypische seines Wesens noch zu überhöhen.“25
Im Fall von Dyer wird dieses Motiv umgesetzt, indem seine Geburt mit Verfall, Schmerz und Tod assoziiert wird. So findet seine Geburt in einem heruntergekommen Haus statt und seine Mutter überlebt die äußerst schmerzvolle Entbindung nur knapp.26 Dyer selbst vergleicht seine Geburt mit dem Auftritt auf einer (Welt-) Bühne begleitet mit „all the Symptoms of Death“.27 Die Tatsache, daß bereits sein Lebensanfang unter dem Vorzeichen des Todes steht, antizipiert, daß das Motiv „Tod“ ein in Dyers Biographie ständig wiederkehrendes Element ist, das schließlich seinen Klimax in den Satansmorden findet.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert das Ziel, Hawksmoor als postmoderne Transformation des klassischen Schauerromans zu untersuchen, und führt in die theoretischen Konzepte von Intertextualität und Metafiktion ein.
2. Elemente der Gothic novel: Dieses Kapitel analysiert die genretypischen Motive des Schurken, der Verfolgungsstruktur und der architektonischen Schauplätze, die in Ackroyds Roman durch postmoderne Perspektivwechsel und zeitliche Überlagerungen neu kontextualisiert werden.
3. Das Geschichtskonzept: Hier wird untersucht, wie Ackroyd durch eine nicht-lineare, zirkuläre Darstellung von Ereignissen und Objekten eine eigene, subjektive Version von Geschichte konstruiert, die den klassischen Fortschrittsglauben ablehnt.
4. Angst und Schrecken: Das Kapitel beleuchtet, wie der Roman durch die Verunsicherung des Lesers, das Aufheben zeitlicher Distanz und die Verknüpfung von rationalem Denken mit irrationalen, okkulten Mustern eine spezifisch postmoderne Wirkung von Unbehagen erzeugt.
5. Schluß: Die Zusammenfassung resümiert, dass Hawksmoor keine bloße Kopie ist, sondern eine intertextuelle „Echokammer“, in der traditionelle Gothic-Elemente verzerrt und durch moderne narrative Verfahren in Frage gestellt werden.
Peter Ackroyd, Hawksmoor, Gothic novel, Schauerroman, Postmoderne, Intertextualität, Metafiktion, Nicholas Dyer, Architektur, Geschichte, Zeitkonzept, Angst, Satanismus, Schauer, Fiktionalität.
Die Arbeit untersucht Peter Ackroyds Roman Hawksmoor hinsichtlich seiner intertextuellen Bezüge zur klassischen Gothic novel und analysiert, wie diese traditionellen Motive durch postmoderne Erzähltechniken transformiert werden.
Die zentralen Themen sind die Rolle des Schurken, die symbolische Bedeutung der Architektur (Kirchen), die Konzepte von Zeit und Geschichte sowie die Erzeugung von Angst beim Leser.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Hawksmoor eine „Echokammer“ darstellt, in der der Autor Genrekonventionen aufgreift, verzerrt und spielerisch variiert, anstatt einen konventionellen Schauerroman zu schreiben.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman auf der Basis postmoderner Literaturtheorien (u.a. Nünning, Weber) in Bezug auf genretypische Elemente der Gothic novel untersucht.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Figurenkonzeption von Nicholas Dyer, die Funktion der Kirchen als räumliche und zeitliche Konstanten, das zirkuläre Geschichtskonzept und die Wirkungsästhetik von Angst und Schrecken.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Postmoderne, Gothic novel, Intertextualität, Metafiktion, zirkuläres Zeitkonzept und Dekonstruktion des Rationalismus charakterisieren.
Architektur dient Dyer als Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und als „steinerne Manifestation“ seiner okkulten Weltanschauung, durch die er versucht, seinen Einfluss über den Tod hinaus dauerhaft zu festigen.
Im Gegensatz zum klassischen Schauerroman, der durch zeitliche Distanz den Leser schützt, erzeugt Ackroyd Angst durch die Einbettung der unheimlichen Ereignisse in die Gegenwart des Lesers, was eine Identifikation und direkte Verunsicherung ermöglicht.
Die Fusion symbolisiert das Scheitern des rationalen Weltbildes des Inspektors am Ende des Romans; er wird vom Repräsentanten der Irrationalität absorbiert, womit der Autor die Überlegenheit des magischen Weltbildes im Text unterstreicht.
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