Magisterarbeit, 2009
116 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Aufbau der Arbeit
I. Fragestellung
II. Methode
3. Das Phänomen – Marktversagen und eine Antwort
I. Marktversagen als Ausgangspunkt
II. Der politische Konsument
III. Das „gute“ Unternehmen
IV. Moderierende Faktoren
V. Akteure
VI. Zwischenfazit
4. Bürgerbegriff – Was ist ein Staatsbürger?
I. Antike – der Mensch als zoon politikon
II. Mittelalter – von Ständen und Städten
III. Neuzeit – die Aufspaltung in Staats- und Wirtschaftsbürger
IV. Die Moderne – die Genealogie des Staatsbürgers
V. Das 19. und 20. Jahrhundert – der moderne Staatsbürger
VI. Die Citizenship-Debatte
VII. Zwischenfazit
5. Consumer Citizen
I. Definition
II. Analyse
a) Der Verbraucherbürger ist global, der Staatsbürger ist es nicht
b) Die große Chance: Partizipation durch Konsum?
c) Gleichheit
d) Privates (Gemein-)wohl?
e) Der Konsument als politischer Akteur
III. Zwischenfazit
6. Corporate Citizen
I. Definition
II. Analyse
a) Können Unternehmen Verantwortung übernehmen?
b) Der Bürger als Handlungsarena?
c) Unternehmen sind den Menschen (nicht) gleich
d) Globales Handeln?
e) Gemeinwohl als Grundlage bürgerlicher Praxis
III. Zwischenfazit
7. Alternative Ansätze
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwieweit der moderne Staatsbürgerbegriff auf Konsumenten (als Consumer Citizen) und Unternehmen (als Corporate Citizen) übertragen werden kann. Dabei wird analysiert, ob diese begriffliche Ausweitung eine sinnvolle moralische Verpflichtung schafft oder zu einer problematischen Überdehnung und Verwässerung des Konzepts der Staatsbürgerschaft führt, insbesondere hinsichtlich der Abgrenzung von privatem und öffentlichem Raum sowie der geforderten nationalen Bindung.
II. Der politische Konsument
Konsum, im Sinne des Kaufs nicht lebensnotwendiger Güter, ist ein sehr modernes Phänomen und auch ein räumlich begrenztes. Diese Form des Konsums hat eine Prämisse: Überfluss. Wenn alle grundlegenden Bedürfnisse gestillt sind und noch Geld oder andere Tauschmittel übrig sind, kann darüber nachgedacht werden, hochwertigere Lebensmittel oder zusätzliche Produkte zu kaufen. Gleichzeitig wurden große politische Ereignisse der Geschichte von politischem Konsum begleitet oder gar initiiert. Die berühmte Boston Tea Party, die später die Unabhängigkeit einleitete, wurde begleitet von Boykotten gegen britische Produkte.
Die Konsumforscherin Sheryl Kroen zeigt in ihrer Darstellung der wechselvollen Geschichte des Konsums, dass der Konsument, gleich einer Pendelbewegung wahlweise als Symbol der Trennung von öffentlichem und privatem Raum, aber im „New Deal“ auch als Hüter der Demokratie gesehen wurde. Die aktuelle Phase, die Kroen ganz im Sinne von Lizbeth Cohen als das „Zeitalter des Bürger-Konsumenten in einer Verbraucher-Republik“ bezeichnet, ist geprägt von einem Ideal des Konsumenten, in dem er gleichzeitig seine privaten Konsumleidenschaften erfüllt und seinen Pflichten als Bürger nachkommt. Wachstum ist daher das zentrale Kriterium, an dem die Finanzierung des Wohlfahrtsstaates und damit auch die Stabilität der modernen Demokratie gemessen wird.
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen des ethischen Konsums am Beispiel von Leo Hickmann und der Debatte um die politische Rolle von Konsumenten und Unternehmen.
2. Aufbau der Arbeit: Darstellung der Fragestellung nach der Übertragbarkeit des Staatsbürgerbegriffs auf Wirtschaftsakteure und Erläuterung der politikwissenschaftlichen Methodik.
3. Das Phänomen – Marktversagen und eine Antwort: Analyse von Marktversagen als Ausgangspunkt für politisches Handeln und Vorstellung der Strategie der „Moralisierung der Märkte“.
4. Bürgerbegriff – Was ist ein Staatsbürger?: Ideengeschichtliche Untersuchung der Entwicklung des Staatsbürgerbegriffs von der Antike bis zur Moderne zur Klärung zentraler Spannungsfelder.
5. Consumer Citizen: Kritische Analyse des Konzepts, ob Konsumenten tatsächlich kohärent als Staatsbürger agieren können oder ob dies eine begriffliche Überforderung darstellt.
6. Corporate Citizen: Untersuchung, ob Unternehmen als politische Akteure oder „Bürger“ verstanden werden können, und welche Probleme diese Zuschreibung für den modernen Staatsbürgerbegriff aufwirft.
7. Alternative Ansätze: Diskussion von Modellen (Young, Pogge), die Verantwortung außerhalb des Staatsbürgerbegriffs begründen können.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Konzepte Consumer und Corporate Citizen den Begriff der Staatsbürgerschaft eher verwässern als stärken.
Staatsbürgerschaft, Consumer Citizen, Corporate Citizen, politischer Konsum, ethischer Konsum, Moral, Marktversagen, Politische Philosophie, Gesellschaftsvertrag, Gemeinwohl, Verantwortung, Politische Teilhabe, Globalisierung, Bürgerbegriff, Institutionen.
Die Arbeit untersucht, ob die Begriffe Consumer Citizen und Corporate Citizen den modernen Staatsbürgerbegriff sinnvoll erweitern können, oder ob diese Konzepte das Verständnis von Staatsbürgerschaft verwässern.
Die Arbeit verknüpft Ansätze aus der Politikwissenschaft und politischen Philosophie, um die Rolle von Konsumenten und Unternehmen als Akteure im öffentlichen Raum und deren ethische Verantwortung zu analysieren.
Ziel ist es, die Berechtigung der neuen Begriffe (Consumer Citizen, Corporate Citizen) zu prüfen und dem oft inflationären Gebrauch des Bürgerbegriffs in diesem Kontext kritische Nachdenklichkeit entgegenzusetzen.
Die Arbeit folgt einem politikwissenschaftlichen Ansatz, insbesondere aus der Perspektive der politischen Philosophie, wobei ideengeschichtliche und analytische Methoden genutzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung des Phänomens ethischer Konsum, eine detaillierte ideengeschichtliche Herleitung des Staatsbürgerbegriffs und die anschließende kritische Analyse der Anwendbarkeit dieses Begriffs auf Verbraucher und Unternehmen.
Die zentralen Schlüsselwörter umfassen Staatsbürgerschaft, Consumer Citizen, Corporate Citizen, politischer Konsum, Verantwortung, Gemeinwohl und politische Philosophie.
Diese Unterscheidung ist für die Arbeit entscheidend, da sie die historische Trennung zwischen dem politisch handelnden Staatsbürger (citoyen) und dem ökonomisch motivierten Wirtschaftsbürger (bourgeois) verdeutlicht, deren Vermischung durch die neuen Begriffe diskutiert wird.
Young und Pogge dienen als alternative theoretische Ansätze, um Verantwortung zu begründen, ohne zwangsläufig auf den überdehnten Staatsbürgerbegriff zurückgreifen zu müssen.
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