Diplomarbeit, 2004
255 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
1.1 Gegenstand der Arbeit
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus
2.1 Der Forschungsstand: Ausgewählte Ansätze und Ergebnisse
2.1.1 Die Untersuchungen von Barbara Baerns und die Determinationshypothese
2.1.2 Weitere auf der Determinationshypothese basierende Studien
2.1.2.1 René Grossenbacher über die Transformationsleistungen der Journalisten
2.1.2.2 Romy Fröhlich und ihre Studie zum „qualitativen Einfluß von Pressearbeit auf die Berichterstattung“
2.1.2.3 Torsten Rossmanns Untersuchung zur „Öffentlichkeitsarbeit und ihrem Einfluß auf die Medien am Beispiel von Greenpeace“
2.1.2.4 „Aktivität und Passivität von Journalisten gegenüber Public Relations am Beispiel von Pressekonferenzen zu Umweltthemen“ – eine Analyse von Henrike Barth und Wolfgang Donsbach
2.1.2.5 Claudia Schweda und Rainer Opherden und ihre Untersuchung zu „Journalismus und Public Relations“
2.1.3 Die Weiterentwicklung der theoretischen Ansätze
2.1.3.1 Das Intereffikationsmodell von Bentele/Liebert/Seeling
2.2 Entwickelte Fragestellungen zur Beantwortung der Forschungsfrage
3. Die Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Leipzig
3.1 Die Öffentlichkeitsarbeit
3.1.1 Die Öffentlichkeitsarbeit nach innen
3.1.2 Die Öffentlichkeitsarbeit nach außen
3.2 Die Pressestelle und ihre Aufgaben
3.2.1 Die Polizei-Pressemitteilung
3.2.2 Besondere Anforderungen beim Schreiben einer Presseinformation
3.3 Aktive und reaktive Pressearbeit
3.4 Pressearbeit in besonderen Situationen
3.5 Das Verhältnis zwischen Medien und Pressestelle
4. Methode und Auswahl des Untersuchungsmaterials
4.1 Die Inhaltsanalyse
4.2 Das Leitfadeninterview
4.3 Auswahl der Zeitungen
4.3.1 Die Leipziger Volkszeitung
4.3.1.1 Ein kurzer historischer Abriss
4.3.1.2 Auflage, Reichweite und Leserkreis
4.3.1.3 Inhalt, Layout und Aufbau der LVZ
4.3.2 Die BILD-Zeitung
4.3.2.1 Die Geschichte der Boulevardzeitung
4.3.2.2 Auflage, Reichweite und Leserkreis
4.3.2.3 Themen, Methoden und Layout
4.4 Methodische Planung und Durchführung der Studie
4.4.1 Grundgesamtheit und Stichprobe
4.4.2 Das Kategoriensystem
4.4.3 Schwierigkeiten beim Erstellen des Kategoriensystems
4.4.4 Der Pretest
4.4.5 Gütekriterien der Messung
4.4.6 Codierung und Auswertung
5. Ergebnisse der Inhaltsanalyse
5.1 Organisationsdaten
5.1.1 Anzahl der von der Pressestelle ausgesendeten Meldungen pro Tag
5.1.2 Anzahl der von LVZ und BILD veröffentlichten Mitteilungen pro Tag
5.1.3 Veröffentlichung der Pressemitteilungen in LVZ und BILD
5.1.4 Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pressemeldungen in LVZ und BILD
5.2 Formale Ebene
5.2.1 Umfang der Überschriften der Pressemitteilungen und der Artikel in LVZ und BILD
5.2.2 Anzahl bzw. Art der Überschriften der Artikel in LVZ und BILD
5.2.3 Umfang der Texte der Pressemeldungen und der Artikel in LVZ und BILD
5.2.4 Form der Presseinformationen und der Artikel in LVZ und BILD
5.2.5 Redaktionelle Gewichtung der Artikel in LVZ und BILD
5.2.6 Darstellungsformen der Hauptbeiträge in LVZ und BILD
5.2.7 Typografische Hervorhebungen der Artikel in LVZ und BILD
5.2.8 Verhältnis von Text und Bild der Artikel in LVZ und BILD
5.2.9 Größe der Überschriften der Artikel in LVZ und BILD
5.3 Inhaltliche Ebene
5.3.1 Themen der Pressemeldungen und der Artikel in LVZ und BILD
5.3.2 Häufigkeit der Beantwortung der „W-Fragen“ in den Polizeipressemeldungen und in den Artikeln von LVZ und BILD
5.3.2.1 Beantwortung der „W-Fragen“ in den Artikeln im Vergleich zu den Pressemeldungen
5.3.2.2 Reihenfolge der „W-Fragen“ in den Artikeln im Vergleich zu den Pressemeldungen
5.3.3 Handelnde, die in den Pressemeldungen und in den Artikeln von LVZ und BILD genannt werden
5.3.3.1 Nennung der Handelnden in den Artikeln der LVZ und BILD im Vergleich zu den Pressemeldungen
5.3.3.2 Reihenfolge der Handelnden in den LVZ- und BILD Artikeln im Vergleich zu den Polizeipressemeldungen
5.3.4 Nähere Angaben zum Täter/Tatverdächtigen in den Pressemeldungen und in den Beiträgen von LVZ und BILD
5.3.5 Nähere Angaben zum Opfer in der Pressemeldung und in der LVZ sowie in der BILD
5.3.6 Zitate in den Pressemitteilungen, in den Artikeln der LVZ und denen der BILD
5.3.6.1 Veränderungen der Zitate in den Artikeln der LVZ und der BILD im Vergleich zur Pressemitteilung
5.3.6.2 Anzahl der Zitate in den Artikeln der LVZ und der BILD im Vergleich zur Pressemeldung
5.3.6.3 Reihenfolge der Zitate in der LVZ und BILD im Vergleich zur Pressemeldung
5.3.7 Zusatzinformationen der Journalisten in den Artikeln von LVZ und BILD
5.3.8 Schwere des Deliktes in der Pressemitteilung und im Zeitungsbeitrag von LVZ und BILD
5.3.9 Quellennennung in den Artikeln von LVZ und BILD
5.3.10 Emotionalisierung in der Pressemitteilung und in der LVZ und BILD
5.3.10.1 Details der Emotionalisierung der Artikel in LVZ und BILD
5.3.11 Quantität der Übernahme durch die Journalisten
5.3.12 Qualität der Übernahme durch die Journalisten
5.3.13 Journalistische Standardisierung der Pressemitteilungen und der Zeitungsartikel
6. Zusammenfassung und Überprüfung der Fragestellungen
Diese Arbeit untersucht die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Pressearbeit der Polizeidirektion Leipzig und der journalistischen Berichterstattung der Leipziger Volkszeitung sowie der BILD-Zeitung. Das zentrale Forschungsziel ist die Analyse, inwieweit Polizeipressemitteilungen die journalistische Berichterstattung in quantitativer und qualitativer Hinsicht determinieren oder beeinflussen.
2.1.1 Die Untersuchungen von Barbara Baerns und die Determinationshypothese
Das Verhältnis zwischen den beiden publizistischen Teilsystemen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus stand für die Berliner Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Baerns in den 70er und 80er Jahren im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen. Im Jahre 1974 analysierte sie zunächst alle mündlichen und schriftlichen Pressemitteilungen eines Essener Industrieunternehmens und verglich sie mit der Berichterstattung von fünf Zeitungen mit unterschiedlicher Reichweite. Sie nahm an, „[…] dass Öffentlichkeitsarbeit publizistische Aussagen tagesaktueller Medien determiniert“ und für die Konsonanz der PR- und der Medieninhalte mitverantwortlich ist. Es stellte sich heraus, dass fast jeder zweite Beitrag über das Unternehmen auf schriftlichen PR-Mitteilungen basierte, die entweder wörtlich, inhaltlich vollständig oder gekürzt wiedergegeben wurden. Nur für jeden fünften Artikel wurde seitens der Journalisten selbstständig recherchiert. Damit wurde die Annahme der Autorin bestätigt. Allerdings gelang es ihr nicht, über den Nachweis des PR-Einflusses auf die Medieninhalte die Strukturen und die Beziehungen zwischen den beiden journalistischen Teilsystemen offen zu legen.
Weil die Seite der Öffentlichkeitsarbeit demzufolge nicht nur den Journalismus determinierte, sondern ihn in zentralen Leistungen ihrer Meinung nach sogar wesentlich bestimmte, wurde damals (allerdings nicht von ihr selbst) der Begriff „Determinationshypothese“ geprägt. Dieser ist trotz aller kontroversen Diskussionen in die Publizistik und Kommunikationswissenschaft eingegangen. Baerns’ Untersuchungen waren der Auslöser für zahlreiche weitere empirische Studien, die ebenfalls die Öffentlichkeitsarbeit in den Blickpunkt der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft rückten. Einige dieser Folgeuntersuchungen, deren Ergebnisse im Sinne der Determinationshypothese ausgefallen sind, sollen anschließend vorgestellt werden. Gleichzeitig veränderten Baerns’ Erkenntnisse zur PR-Journalismus-Beziehung auch das jeweilige Selbst- und Berufsbild der Öffentlichkeitsarbeiter und Journalisten.
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Gegenstand der Arbeit, die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Diplomarbeit.
2. Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus: Hier wird der theoretische Rahmen abgesteckt, indem zentrale Studien (wie die von Baerns, Grossenbacher oder Fröhlich) diskutiert und das Intereffikationsmodell eingeführt werden.
3. Die Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Leipzig: Dieses Kapitel beschreibt die organisatorische Struktur der Polizeipressearbeit sowie die täglichen Aufgaben der Pressestelle.
4. Methode und Auswahl des Untersuchungsmaterials: Die angewandten Methoden (Inhaltsanalyse und Leitfadeninterview) werden dargelegt und die Auswahl der untersuchten Tageszeitungen begründet.
5. Ergebnisse der Inhaltsanalyse: Der Hauptteil präsentiert die empirischen Befunde hinsichtlich Organisationsdaten, formaler Gestaltung und inhaltlicher Bearbeitung der Polizeimeldungen.
6. Zusammenfassung und Überprüfung der Fragestellungen: Das abschließende Kapitel führt die theoretischen Ansätze mit den empirischen Ergebnissen zusammen und beantwortet die zu Beginn aufgestellten Fragestellungen.
Öffentlichkeitsarbeit, Journalismus, Polizeidirektion Leipzig, Determinationshypothese, Intereffikationsmodell, Inhaltsanalyse, Pressemitteilungen, Leipziger Volkszeitung, BILD-Zeitung, Berichterstattung, Nachrichtenwert, Medienlogik, Quellenanalyse, PR-Einfluss, Transformation.
Die Arbeit untersucht das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei (am Beispiel der Polizeidirektion Leipzig) und der Berichterstattung lokaler Tageszeitungen.
Im Zentrum steht das Verhältnis von Public Relations und Journalismus, die strukturellen Anpassungsprozesse zwischen beiden Systemen sowie die Qualität der inhaltlichen Transformation polizeilicher Informationen.
Die Hauptfrage ist, wie Pressemitteilungen der Polizei durch die Redaktionen von LVZ und BILD behandelt werden, inwieweit diese Informationen die Berichterstattung bestimmen und welche Rolle journalistische Eigenrecherche spielt.
Die Autorin kombiniert eine quantitative Inhaltsanalyse der Pressemeldungen (Input) und der resultierenden Zeitungsartikel (Output) mit qualitativen Leitfadeninterviews von Pressestellen-Mitarbeitern und Zeitungsredakteuren.
Der Hauptteil analysiert Daten zu Organisationsaspekten, formalen Kriterien (Länge, Aufmachung) und inhaltlichen Merkmalen (Themenauswahl, W-Fragen, Zitate, Emotionalisierung) der Polizeipressemeldungen im Vergleich zu den tatsächlichen Zeitungsartikeln.
Wichtige Begriffe sind Öffentlichkeitsarbeit, Journalismus, Determinationshypothese, Intereffikationsmodell, Inhaltsanalyse und Medienlogik.
Die Untersuchung zeigt, dass die LVZ als Abonnementzeitung tendenziell ausführlicher berichtet und seriöser agiert, während die BILD als Boulevardmedium stärker emotionalisiert, kürzt und die Informationen stärker personalisiert.
Die Ergebnisse widerlegen eine einseitige Dominanz der Öffentlichkeitsarbeit; stattdessen stützen sie das Intereffikationsmodell, welches von einem wechselseitigen Beeinflussungsverhältnis zwischen beiden Systemen ausgeht.
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