Magisterarbeit, 2004
111 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Erstspracherwerb
3. Die Kindersprachforschung
3.1.1. Schwierigkeiten und Probleme der Forschung
3.2. Phasen des Erstspracherwerbs
3.3. Theorien
3.3.1. Der Behaviorismus
3.3.2. Der Nativismus
3.3.3. Der Interaktionismus
3.3.4. Der Instruktionalismus
3.3.5. Der Kognitivismus
4. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Erstspracherwerb
4.1. Der „normale“ Erstspracherwerb
4.1.1. Geschlechtsunterschiede bei standardisierten Sprachtests?
4.1.1.1. Stichproben
4.1.1.2. Unterschiede bei den Mittelwerten
4.1.1.3. Effektgrößen bei den Mittelwerten
4.1.1.4. Variabilität
4.1.1.5. Gekoppelte Effekte von Unterschieden bei Mittelwerten und Varianz
4.1.2. Geschlechtsunterschiede bei der Sprachkompetenz
4.1.2.1. Die Definition von „Sprachkompetenz“
4.1.2.2. Beschränkungen und Beiträge der Literatur zur Sprachkompetenz
4.1.2.3. Lesen und Schreiben
4.1.3. Einzelaspekte des normalen Spracherwerbs
4.1.3.1. Beginn und Tempo
4.1.3.2. Der Worterwerb
4.1.3.3. Lexikon und Semantik
4.1.3.4. Morphologie und Syntax
4.1.3.5. Sprachverwendung
4.1.3.6. Phonologie, Phonetik und Intonation
4.1.4. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
4.1.4.1. Zusammenfassung der Empirie und ihre Bedeutung für die Sprachstörungen
4.1.4.2. Diskussion der Ergebnisse
4.2. Geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Sprachstörungen
4.2.1. Darlegung und Bewertung von Geschlechtsunterschieden in Bezug auf Sprachstörungen
4.2.1.1. Studien zu primären und spezifischen Sprachstörungen
4.2.1.2. Geschlechtsspezifische Prävalenz in der publizierten Forschung zu SES und SLD
4.2.1.3. Geschlechtsspezifische Prävalenz in Familien-Studien
4.2.1.4. Zusammenfassung
5. Erklärungsansätze
5.1. Biologische Ansätze
5.1.1. Die Geschlechtsentwicklung
5.1.2. Normaler Spracherwerb/ Normale Entwicklung
5.1.3. Soziobiologische Erklärungen
5.1.4. Fazit
5.1.5. Sprachstörungen
5.1.5.1. Anfälligkeit/ Verletzlichkeit
5.1.5.2. Lateralisation
5.1.5.3. Maturation
5.1.5.4. Kortikale Anomalien
5.1.5.5. Genetische Einflussfaktoren
5.1.5.6. Zusammenfassung
5.2. Andere Theorieansätze
5.2.1. Lerntheorien: Bekräftigung und Imitation
5.2.2. Kognitionspsychologische Ansätze
5.2.3. Sozialisationstheorien
5.3. Gender
5.3.1. Begriffsklärungen
5.3.2. Gender-Theorien
5.3.2.1. Biologismus/ Naturalismus
5.3.2.2. Marxismus und materialistischer Feminismus
5.3.2.3. Postmoderne Dekonstruktionen: Ethnomethodologie und Diskurstheorie
5.3.3. Gender Bias
5.3.3.1. Referral Bias
5.3.3.2. Hinweise auf Bias aus den Kommunikationswissenschaften und Sprachstörungen
5.3.3.3. Hinweise aus anderen Disziplinen: Die Rolle von Verhalten und Aufmerksamkeit
5.3.3.4. Die Rolle der Erwartungen/ Annahmen über Geschlechtsunterschiede bei den sprachlichen Fähigkeiten
5.3.3.5. Zusammenfassung
6. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Vorhandensein und Auftreten geschlechtsspezifischer Unterschiede im normalen sowie gestörten Erstspracherwerb. Dabei verfolgt die Autorin das Ziel, eine theoretische Grundlage zum Erstspracherwerb zu legen und zu prüfen, ob empirische Hinweise für geschlechtsspezifische Divergenzen existieren sowie welche theoretischen Erklärungsansätze hierfür in der Literatur existieren.
2.3.1 Der Behaviorismus
Der Behaviorismus hat seine theoretischen Wurzeln im Empirismus (Aristoteles), sein wohl bekanntester Vertreter ist B.F. Skinner, der 1957 mit seinem Buch „Verbal Behavior“ die behavioristische Theorie des Sprachverhaltens begründete.
Die Theorie des Behaviorismus geht davon aus, dass menschliches Wissen primär auf Erfahrung und Lernen beruhe. Wissenschaftliche Theorien wie die zum Spracherwerb nehmen ausschließlich Bezug auf unmittelbar beobachtbare Phänomene, Annahmen über mentale Prozesse werden nicht zugelassen sondern in der „black box“ eingeordnet. Sprache wird als spezifische Form von Verhalten gesehen, wobei Verhalten wiederum entsteht aus der Verbindung von Stimulus (Reiz) und Response (Reaktion). Die Entstehung sowohl menschlichen als auch tierischen Verhaltens basiert auf einem grundlegenden Lernmechanismus, dem klassischen und operanten Konditionieren.
„Die Beschreibung jeglichen Verhaltens soll mit drei Grundkategorien auskommen. Im Hinblick auf einen betroffenen Organismus können Ereignisse entweder als Stimuli, als Responses oder als Reinforcements klassifiziert werden. Bestimmte Stimulus-Response-Verbindungen sind von vornherein angelegt; andere erwirbt der Organismus, wenn eine Response auf einen Stimulus durch ein zeitlich benachbartes Ereignis bekräftigt wird. Je häufiger auf eine Stimulus-Response-Verbindung ein Reinforcement folgt, desto wahrscheinlicher wird, daß der Organismus mit der bekräftigten Response auf den entsprechenden Stimulus reagiert. [...] Selbst eine so spezifisch menschliche Eigenschaft wie Sprache – ,verbal behavior’ in Skinners Terminologie – soll nach den gleichen Lernprinzipien erworben werden.“
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Annahme geschlechtsspezifischer Unterschiede beim Spracherwerb ein und formuliert die Forschungsfrage der Arbeit.
2. Der Erstspracherwerb: Dieses Kapitel liefert einen theoretischen Überblick über den Prozess des Erstspracherwerbs, dessen Phasen und die zentralen wissenschaftlichen Theorien.
3. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Erstspracherwerb: Hier werden empirische Studien analysiert, um geschlechtsspezifische Unterschiede sowohl bei normalen Spracherwerbsprozessen als auch bei diagnostizierten Sprachstörungen zu bewerten.
4. Erklärungsansätze: Dieses Kapitel stellt verschiedene theoretische Modelle vor, darunter biologische Ansätze, kognitionspsychologische Theorien, Sozialisationstheorien sowie Konzepte um Gender und Gender Bias, die das Auftreten geschlechtsspezifischer Unterschiede erklären sollen.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und zieht ein Fazit hinsichtlich der wissenschaftlichen Datenlage und der Interpretation von Geschlechtsunterschieden.
Erstspracherwerb, Geschlechtsunterschiede, Sprachstörungen, Sprachtests, Sprachkompetenz, Behaviorismus, Nativismus, Kognitivismus, Gender, Gender Bias, Sozialisation, biologische Ansätze, Sprachforschung, Empirie, Prävalenz.
Die Arbeit untersucht, ob und in welchem Ausmaß geschlechtsspezifische Unterschiede im Erstspracherwerb bei Kindern bestehen, sowohl in der normalen Sprachentwicklung als auch bei auftretenden Sprachstörungen.
Die Arbeit gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Erstspracherwerbs, die empirische Analyse von Sprachleistungen und -störungen nach Geschlecht sowie die Diskussion verschiedener Erklärungsansätze (biologisch, kognitiv, sozial).
Das Ziel ist es zu ergründen, ob geschlechtsspezifische Unterschiede beim Spracherwerb existieren, wie diese empirisch belegt sind und welche theoretischen Modelle (biologisch oder sozial geprägt) zur Erklärung herangezogen werden können.
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Forschungsberichte zu Sprachtests, Prävalenzstudien und Theorien aus der Psycholinguistik und Soziologie.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit empirischen Befunden aus standardisierten Sprachtests, der Literatur zur Sprachkompetenz, der Prävalenz von Sprachstörungen bei Jungen und Mädchen sowie der kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Erklärungsmodellen für diese Unterschiede.
Die zentralen Begriffe sind Erstspracherwerb, Geschlechtsunterschiede, Sprachstörungen, Gender-Theorien, Gender Bias und empirische Sprachtests.
Die Arbeit zeigt auf, dass in der publizierten Forschung und in klinischen Diagnosen deutlich häufiger Jungen als Mädchen mit Sprachstörungen diagnostiziert werden, diskutiert jedoch kritisch, ob dies reale Unterschiede widerspiegelt oder durch Diagnosepraktiken (Referral Bias) beeinflusst ist.
Gender Bias beschreibt die Tendenz, dass Erwartungen und Annahmen über geschlechtsspezifische Fähigkeiten die Identifikation und Diagnose von Sprachproblemen durch Lehrkräfte oder Experten beeinflussen könnten, was zu einer verzerrten Wahrnehmung von Sprachleistungen führen kann.
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