Examensarbeit, 2011
100 Seiten, Note: 1,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1 Einführung
2 Sprachwissenschaftliche Hintergründe
2.1 Sprachhistorie des s-Lautes
2.2 Entstehung von untergeordneten Nebensätzen
2.3 Entstehung der das/dass-Heterographie
2.4 Vergleich mit anderen Sprachen
3 Funktion und Semantik von das und dass
3.1 Der Artikel das
3.2 Das Pronomen das
3.3 Zur Semantik der Nebensätze mit dass
3.4 Die Subjunktion dass
4 Problemanalyse und Fehlerbstimmung
4.1 Kognitiver Lernprozess von Schülern
4.1.1 Schüler im Grundschulalter
4.1.2 Schüler der Sekundarstufe I und II
4.2 Regeln: Kommasetzung und Ersatzprobe
4.3 Kontrollhypothese versus Verwechslungshypothese
4.4 Textverstehen/Leseverstehen
4.5 Zusammenfassung und weiterführende Fragestellungen
5 Untersuchung der Sprachbücher
5.1 Vorgehensweise
5.2 Tabellen und Ergebnisse
5.3 Diskussion der Sprachbuchuntersuchung
6 Didaktische Problemlöseansätze in der Literatur
6.1 Strategien in der Grundschule nach Kluge/Kluge
6.2 Strategien in der Sekundarstufe I und II
6.2.1 Grammatikwerkstatt von Menzel
6.2.2 Didaktischer Ansatz von Sewig
7 Wege zu einer erfolgreichen „Didaktik der Heterographie“
7.1 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
7.1.1 Bedeutsamkeit der Subjunktion
7.1.2 Stand und Diskussion der Didaktik
7.1.3 Zusammenfassung
7.2 Idee einer „alternativen Didaktik“
8 Schlussbemerkung
Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, die didaktische Vermittlung der das/dass-Schreibung in den für Baden-Württemberg zugelassenen Schulbüchern kritisch zu analysieren und zu bewerten. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern die unterschiedlichen Lehrmaterialien und Vermittlungsstrategien den dauerhaften orthographischen Schwierigkeiten der Schüler entgegenwirken oder diese eventuell durch eine mangelhafte didaktische Aufbereitung fördern.
1 Einführung
Das Deutsche kennt verschiedene graphematische Realisierungen des s-Phonems, nämlich s, ss und ß, was seit jeher zu Problemen beim Schreiben führt. Zur Vereinfachung der schriftsprachlichen Realisierung gibt es zwei einschlägige Lösungsansätze, nämlich die Ersetzung von ß durch ss oder sogar die vollständige Aufhebung der Heterographie. Als Argument gegen die generelle Ersetzung von ß durch ss führt Peter Eisenberg (1990) an, dass dies zu einer weiteren Uneinheitlichkeit gerade bei Stammsilben in der Verbkonjugation führen würde (vgl. Eisenberg 1990, 5). Gegen die komplette Aufhebung der Unterscheidungsschreibung spricht das Argument des schnelleren und besseren Leseverständnisses. Nach einer Vereinheitlichung der Schreibung besteht zwar nicht mehr die orthographische Differenz zwischen den beiden Wörtern das und dass, es ist aber dennoch eine logische Unterscheidung durch ihre Funktion im Text vorhanden. Helmuth Feilke (1998) führt aus, dass Kritiker der Meinung sind, dass „die von der Orientierung an den Leserbedürfnissen angetriebene schriftgrammatische Strukturierung […] für die Schreiber stets mehr Schwierigkeiten aufwirft, als sie für das Lesen lösen kann“ (Feilke 1998, 7f.).
Die Rechtschreibreformen von 1996 und 2006 haben die Problematik nicht substantiell gelöst, indem sie das ß der Subjunktion daß durch ss ersetzt haben, um die Regel „ss-Schreibung nach kurzem Selbstlaut“ zur Vereinfachung durchgängig einheitlich zu gestalten.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Vereinheitlichung im Zuge der Orthographiereform die Fehleranzahl bei der Unterscheidungsschreibung von das/dass keineswegs verringert hat; nach wie vor gilt, dass „das Wörtchen dass bis heute das mit Abstand am häufigsten falsch geschriebene Einzelwort der deutschen Sprache geblieben“ (Menzel 2008, 93) ist. Wolfgang Menzel meint damit wohl nicht, dass die Subjunktion an sich falsch geschrieben wird, sondern dass durch den falschen syntaktischen Gebrauch und aufgrund der Polysemie mit dem Pronomen das eine irreführende Schreibweise zustande kommt.
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die problematische s-Laut-Schreibung im Deutschen und stellt die forschungsrelevante Frage nach der didaktischen Wirksamkeit der Vermittlung von das und dass.
2 Sprachwissenschaftliche Hintergründe: In diesem Kapitel werden die historischen Entwicklungen der s-Laute und die Entstehung der Subjunktion sowie der das/dass-Unterscheidung im Alt- und Mittelhochdeutschen dargelegt.
3 Funktion und Semantik von das und dass: Hier wird der grammatikalische Status von das (Artikel/Pronomen) und dass (Subjunktion) sowie deren syntaktische Rolle in Nebensätzen präzise definiert.
4 Problemanalyse und Fehlerbstimmung: Das Kapitel befasst sich mit der kognitiven Ontogenese des Schriftspracherwerbs und analysiert, warum Schüler trotz Grammatikunterricht weiterhin Fehler in der Unterscheidungsschreibung produzieren.
5 Untersuchung der Sprachbücher: Die empirische Auswertung des Korpus von 252 Sprachbüchern gibt Aufschluss über Zeitpunkt und methodische Umsetzung der Vermittlung im Unterricht verschiedener Schularten.
6 Didaktische Problemlöseansätze in der Literatur: Hier werden fachdidaktische Strategien, wie die Grammatikwerkstatt nach Menzel, kritisch diskutiert und deren Anwendungsmöglichkeiten in der Grund- und Sekundarstufe beleuchtet.
7 Wege zu einer erfolgreichen „Didaktik der Heterographie“: Basierend auf der Auswertung wird eine alternative Didaktik vorgeschlagen, die den Spracherwerb und die bewusste Reflexion über grammatikalische Strukturen in den Mittelpunkt stellt.
8 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass eine isolierte Betrachtung der Rechtschreibung nicht ausreicht und eine durchdachte didaktische Kombination im Rahmen eines Spiralcurriculums notwendig ist.
das, dass, Heterographie, Rechtschreibung, Grammatikunterricht, Sprachbücher, Didaktik, Unterscheidungsschreibung, Schriftspracherwerb, Kommasetzung, Subjunktion, Relativpronomen, kognitive Entwicklung, Fehleranalyse, Sprachbewusstsein
Die Arbeit untersucht das orthographische Dauerproblem der das/dass-Unterscheidung im Deutschunterricht und analysiert, wie Sprachbücher dieses Thema didaktisch aufbereiten.
Zentrale Themen sind die sprachgeschichtliche Entwicklung, kognitive Lernprozesse von Schülern, die Analyse von Lehrmaterialien und der Vergleich didaktischer Ansätze.
Das Ziel ist es, herauszufinden, warum die Fehlerquote bei das/dass trotz vieler Lehrmaterialien dauerhaft hoch bleibt, und didaktisch sinnvollere Wege zur Vermittlung aufzuzeigen.
Die Arbeit verwendet eine korpusbasierte Analyse von 252 Sprachbüchern sowie eine qualitative Auswertung fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Literatur.
Der Hauptteil analysiert die Vermittlungsstrategien in Sprachbüchern, kategorisiert diese und vergleicht sie mit Erkenntnissen zur kognitiven Entwicklung von Schülern.
Wichtige Begriffe sind Heterographie, das/dass-Unterscheidung, didaktische Vermittlung, Sprachbuchkorpus, Rechtschreibung und grammatische Strukturen.
Sie beschreibt die Hemmung, die entstehen kann, wenn zwei lautgleiche Worte (das und dass) in Konkurrenz zueinander treten, was die didaktische Opposition beider Wörter erschwert.
Die Autorin argumentiert, dass Schüler diese Regel oft mechanisch anwenden, ohne den tieferen syntaktischen oder semantischen Gehalt zu verstehen, was in der Praxis oft zu inkorrekten Anwendungen führt.
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