Masterarbeit, 2017
59 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Bildungsroman
2.2 Antibildungsroman
2.3 (auto)biographisches Schreiben
2.4 Vernunft
3 Isolierte Darstellung der Romane
3.1 Der Gehülfe
3.1.1 Die Vernunft im Roman
3.1.2 sprachliche Vorführung des Protagonisten
3.2 Der Trafikant
3.2.1 Die Vernunft im Roman
3.2.2 sprachliche Vorführung des Protagonisten
5 Das Verhältnis der Romane
5.1 Das Gattungsverhältnis
5.2 Das Verhältnis der Vernunft, Selbst- und Fremdliebe
6 Schluss
Die Arbeit untersucht vergleichend die Darstellung und Bedeutung der Vernunft in Robert Walsers Der Gehülfe (1908) und Robert Seethalers Der Trafikant (2012). Ziel ist es, unter Einbeziehung philosophischer und literaturwissenschaftlicher Konzepte zu analysieren, inwiefern beide Romane Merkmale des Antibildungsromans aufweisen und wie die Protagonisten in einer entfremdeten Gesellschaft ihre Autonomie behaupten.
3.1.1 Die Vernunft im Roman
Josephs Unterwürfigkeit erinnert an eine Macht, die nach Foucault im Christentum verwurzelt ist. Der bibelkundige Walser erschafft mit Joseph eine Figur, welche die Machttechniken der christlichen Institution aufgreift:
Das Christentum ist die einzige Religion, die sich als Kirche organisiert hat. Und als Kirche vertritt es eine Theorie, wonach manche Menschen aufgrund einer religiösen Qualität die Fähigkeit besitzen, anderen zu dienen, und zwar nicht als Fürsten, Richter, Propheten, Wahrsager, Wohltäter oder Erzieher, sondern als Hirten.
Diese auf das „Seelenheil ausgerichtet[e]“ Pastoralmacht hat sich nach Foucault um das 18. Jahrhundert säkularisiert; in der Figur des Joseph scheint diese Machttechnik verinnerlicht und eng mit seiner Tätigkeit als Gehülfe verbunden zu sein, wobei Herr Tobler gewissermaßen seinen Hirten darstellt. Er fühlt sich mehrfach bewogen, in seinem Innersten nach einer Schwäche zu suchen und fürchtet, diese Wahrheit würde durchschaut, wie in folgendem Bewusstseinsbericht:
Sie spritzen mit Vorliebe den Garten, nicht wahr? Schämen sie sich! Und haben sie auch schon nur ein einziges Mal an den patentierten Krankenstuhl gedacht? Nicht? Gott im Himmel, ein solcher Angestellter. Sie verdienen, vom ,Leben vernachlässigt‘ zu werden.
Josephs Versuch, selbstkritisch zur Vernunft zu kommen, lässt bereits erahnen, in welch deutlicher Form sein Wesen von der ihn umgebenden Gesellschaft abweicht. Die Differenz zwischen Identität und gesellschaftlicher Umgebung stellt Joseph wiederholt vor Herausforderungen: „,Welch ein junger, glücklich aussehender Mensch, dieser Herr Arzt‘, dachte Joseph, indem er sich bemühte, so klug und knifflig wie möglich zu spielen“. Der Hinweis „spielen“ weist darauf hin, dass Joseph abseits seines Wesens handelt.
1 Einleitung: Einführung in das Erkenntnisinteresse und die Fragestellung zur Darstellung der Vernunft im Vergleich der beiden Romane.
2 Definitionen: Herleitung und Abgrenzung zentraler Begriffe wie Bildungsroman, Antibildungsroman, autobiographisches Schreiben und Vernunft.
3 Isolierte Darstellung der Romane: Einzeldarstellung von Walsers Der Gehülfe und Seethalers Der Trafikant hinsichtlich Plot, Vernunftkonzept und Erzählweise.
5 Das Verhältnis der Romane: Untersuchung der intertextuellen Bezüge, des Gattungsverhältnisses sowie der Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Vernunft und Liebe.
6 Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse und Resümee über die Einordnung der Romane als Antibildungsromane.
Vernunft, Antibildungsroman, Robert Walser, Robert Seethaler, Der Gehülfe, Der Trafikant, Autofiktion, Foucault, Kant, Psychoanalyse, Selbstbestimmung, Erzähltechnik, Subjektivität, Entfremdung, Moral.
Die Arbeit analysiert vergleichend die Darstellung von Vernunft in Robert Walsers Der Gehülfe und Robert Seethalers Der Trafikant vor dem Hintergrund gattungstheoretischer und philosophischer Diskussionen.
Die zentralen Felder umfassen die Einordnung als Antibildungsroman, das Verhältnis von Fiktion und Realität (Autofiktion) sowie die Reflexion menschlicher Vernunftbedingungen.
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Vernunft und Selbstbehauptung der Protagonisten in einer als entfremdet wahrgenommenen Umwelt aufzuzeigen.
Es erfolgt eine literaturwissenschaftliche Gattungsanalyse, ergänzt durch philosophische Rückbezüge (u.a. Kant, Foucault, Freud) zur Definition von Vernunft und Subjektivität.
Der Hauptteil gliedert sich in die isolierte Analyse beider Romane und einen darauffolgenden intertextuellen Vergleich, der Symbole, Motive und das Gattungsverhältnis beleuchtet.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Antibildungsroman, Vernunft, Autonomie, Entfremdung, Autofiktion und die Analyse der Erzählstruktur.
Da sich die Protagonisten den traditionellen Mustern der gesellschaftlichen Reifung entziehen und mit ihrem Scheitern oder ihrer Flucht die gesellschaftliche Ordnung reflektieren.
Freud fungiert sowohl als Romanfigur (in Der Trafikant) als auch als theoretischer Referenzpunkt, um das Verhältnis von Traum, Unbewusstem und moralischem Triebverzicht zu analysieren.
Walser nutzt eine experimentelle, teils "wieselnde" Sprache, die als Mittel der Reflexion dient, während Seethalers Sprache stärker an den erzählten Plot gebunden ist, aber ebenfalls die Distanz des Helden zur Umwelt unterstreicht.
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