Examensarbeit, 2015
87 Seiten, Note: 1,2
1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Quellenbestand
2. Das europäische Mächtesystem vor dem Krieg
2.1 Die späteren Neutralen
2.1.1 Großbritanniens Europapolitik im 19. Jahrhundert
2.1.2 Russlands Umorientierung nach dem Krimkrieg
2.1.3 Österreich-Ungarns Außenpolitik vor 1870
2.2 Die Kriegsparteien
2.2.1 Französische Außenpolitik bis zur Luxemburgkrise 1867
2.2.2 Preußen und die süddeutschen Staaten: „Das Warten auf die reife Frucht“
3. Vorgeschichte des Krieges
3.1 Die Spanische Revolution von 1868 und der Thronfolgestreit
3.2 Der Weg in die Julikrise
3.3 Emser Depesche und Kriegserklärung
4. Koalitionen und Koalitionsbemühungen
4.1 Frankreichs Versuche einer Koalitionsbildung
4.2 Die Entstehung der „Neutralenliga“
4.3 Preußen und seine süddeutschen Verbündeten
5. Großbritanniens Politik zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges
6. Presse
6.1 Presse im 19. Jahrhundert
6.2 Die Times und der Manchester Guardian
7. Der Deutsch-Französische Krieg in der britischen Presse
7.1 Vertragsentwurf zwischen Preußen und Frankreich
7.2 Die ersten Schlachten des Krieges
7.3 Die Schlacht von Sedan und Revolution in Frankreich
7.4 Annexion Elsass-Lothringens als deutsches Kriegsziel
7.5 Deutsche Reichseinigung
7.6 Der lange Weg zum Waffenstillstand vom 28. Januar 1871
7.7 Vorfrieden von Versailles am 26. Februar 1871
8. Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die Wahrnehmung des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 in der britischen Öffentlichkeit anhand der Berichterstattung der Zeitungen The Times und The Manchester Guardian, wobei der Fokus insbesondere auf der Frage nach einer Bedrohung des europäischen Mächtegleichgewichts liegt.
3.1 Die Spanische Revolution von 1868 und der Thronfolgestreit
Spanien, einstige Weltmacht, hatte ab 1834 unter der Herrschaft von Isabella II. stetig weiter an Macht verloren. Während andere Länder Europas sich wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell weiterentwickelten, stagnierte das Königreich und wurde von innerer Uneinigkeit, sozialen Spannungen, Anarchie und Zerfall geplagt. Es war zu einer Macht zweiten Ranges geworden.
Napoleon III. verfolgte in seinen letzten beiden Jahren als Kaiser eine interventionistische Politik gegenüber Spanien aus zweierlei Gründen: Zum einen, um die Gefahren einer Revolution in Spanien einzudämmen, zum anderen, um die eigene Position im Falle eines Konflikts mit Preußen zu stärken, indem er sicherzustellen suchte, dass Spanien Frankreich gegenüber freundlich gesinnt war. Sollte es zum Krieg mit Preußen kommen, wäre so immerhin die südwestliche Grenze ungefährdet und die freie Bewegung der Flotte im Atlantik sowie im Mittelmeerraum sichergestellt, vorausgesetzt, Großbritannien bliebe neutral.
Napoleons Befürchtung bezüglich der spanischen Instabilität bewahrheitete sich rasch: Die dortige Krise mündete im September 1868 in einer Revolution, im Rahmen derer Isabella II. aus dem Hause Bourbon von führenden Offizieren der spanischen Armee abgesetzt und eine provisorische Regierung unter Juan Prim und Francisco Serrano eingesetzt wurde. Die aussichtslose Lage für die ehemalige Führung beschreibt ein Korrespondent der London Times vor Ort wie folgt:
„[…] It is evident the Government has lost its senses no less than its force, and, were it to attempt resistance or repression, there are many thousands of people in the streets ready for the barricades.”
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung der Presse als Stimmungsbarometer und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich des europäischen Mächtegleichgewichts.
2. Das europäische Mächtesystem vor dem Krieg: Analyse der politischen Positionen der europäischen Großmächte und deren Interesse an der Stabilität durch die Balance of Power vor dem Konflikt.
3. Vorgeschichte des Krieges: Untersuchung der spanischen Thronfolgefrage und der diplomatischen Eskalation bis hin zur Emser Depesche und Kriegserklärung.
4. Koalitionen und Koalitionsbemühungen: Darstellung der gescheiterten Versuche Frankreichs, Bündnispartner zu gewinnen, und der Bildung einer weitgehend wirkungslosen Neutralenliga.
5. Großbritanniens Politik zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges: Erörterung der britischen Neutralitätsbemühungen und des Unmuts gegenüber der eigenmächtigen Kriegführung beider Parteien.
6. Presse: Überblick über die Rolle und Bedeutung der Presse im 19. Jahrhundert sowie Vorstellung der analysierten Zeitungen The Times und The Manchester Guardian.
7. Der Deutsch-Französische Krieg in der britischen Presse: Chronologische Analyse der Kriegsereignisse und deren medialer Rezeption, inklusive der deutschen Reichseinigung und Friedensschlüsse.
8. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Auswirkungen des Krieges auf das europäische Mächtesystem und die langfristige Entwicklung der internationalen Beziehungen.
Deutsch-Französischer Krieg, britische Presse, Mächtegleichgewicht, balance of power, The Times, Manchester Guardian, Bündnispolitik, Julikrise, Emser Depesche, Reichsgründung, Neutralität, Napoleon III., Otto von Bismarck, öffentliche Meinung, Revanchismus
Die Arbeit untersucht die Berichterstattung der britischen Presse über den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und deren Einfluss auf die Wahrnehmung europäischer Politik.
Die Schwerpunkte liegen auf der Pressegeschichte des 19. Jahrhunderts, der diplomatischen Eskalation vor dem Krieg und der Veränderung des europäischen Mächtegefüges.
Das Hauptziel ist es, herauszufinden, ab wann die britische Presse das europäische Mächtegleichgewicht durch den Konflikt in Gefahr sah und wie stark die Beunruhigung darüber war.
Es handelt sich um eine zeithistorische Analyse, die primär auf der Auswertung von zeitgenössischen Zeitungsartikeln (The Times, Manchester Guardian) und diplomatischen Dokumenten basiert.
Der Hauptteil beleuchtet chronologisch die Ereignisse vom Vorfeld des Krieges über die entscheidenden Schlachten bis zum Friedensschluss und deren Widerhall in der britischen Öffentlichkeit.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Balance of Power, deutsche Reichseinigung, Neutralität, Bismarck und der französische Revanchismus.
Das Corps Législatif fungiert als Bühne für die aggressive Rhetorik der französischen Regierung, insbesondere durch die Rede von Außenminister Gramont, die den Kurs Frankreichs unumkehrbar machte.
Der Guardian repräsentierte eine liberale, regierungsferne Sichtweise, die oft eine kritischere Distanz zur preußischen Politik einnahm als das regierungstreuere Blatt The Times.
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