Diplomarbeit, 2004
182 Seiten, Note: 1,0
0. Einleitung
1. Konzepte und Begriffe zum Verständnis von Staatlichkeit in konfliktiven Ordnungen
1.1 Zwei Ordnungsbegriffe
1.1.1 Der allgemeine Ordnungsbegriff
1.1.2 Der empirische Ordnungsbegriff
1.2 Prekäre Staatlichkeit
1.2.1 Der „starke Staat“
1.2.2 Quasistaaten zwischen empirischer und juristischer Staatlichkeit
1.3 Analyse und Interpretation quasi-staatlicher Ordnungen
1.3.1 Das Konzept von Joel Migdal
1.3.2 Zur Internen Struktur von Quasistaaten
1.3.2.1 Informalität und Patrimonialismus als Organisationsprinzipien quasistaatlicher Ordnung
1.3.2.1.1 Vom Neopatrimonialismus zum Post-Adjustment-State
1.3.2.1.2 Prozesse der Exklusion/Kooptation
1.3.2.1.3 Ethnische und klassenspezifische Separierung
1.3.2.1.4 Korruption
1.4 Kriegsökonomien als wirtschaftliche Organisationsform
1.4.1 Krieg, Rente und Reproduktion
1.4.1.1 Von „winning-hearts-and minds“ zur „shadow economy“
1.4.1.2 „Schattenökonomien“ und externe Alimentation
1.4.2 Veränderte Akteursbeziehungen
1.4.3 Zusammenfassung
1.5 Zwischenfazit
2. Parastaatlichkeit und Politische Ökonomien des Krieges in Angola und Kolumbien
2.1 Zur historischen Konfliktgenese
2.1.1 Angolas Weg zur Parastaatlichkeit
2.1.2 Kolumbien – Geschichte einer Dreiecksbeziehung
2.2 „Offiziell und juristisch“ vs. „inoffziell und empirisch“ – Staatsfunktionen und Quasistaatlichkeit im Vergleich
2.2.1 Partielle Territorialität – Angola
2.2.1 Partielle Territorialität – Kolumbien
2.2.2 Soziale Beziehungen – Angola
2.2.2 Soziale Beziehungen – Kolumbien
2.2.3 Ressourcenmobilisierung und Ressourcenverwendung - Angola
2.2.3 Ressourcenmobilisierung und Ressourcenverwendung - Kolumbien
2.2.4 Zwischenfazit
2.3 Interne Struktur und Ordnung der parastaatlichen Akteure
2.3.1. Die Innere Ordnung der UNITA bis 1990/1991
2.3.1.1 Die Rolle traditionaler Akteure
2.3.1.2 Die Führungsriege und das Militär
2.3.1.3 Exklusion, ethnische Separierung und Korruption
2.3.2 Zum Vergleich: Gegenwärtige Interne Ordnung und Legitimität bei FARC und AUC
2.3.2.1 Die Abwesenheit traditionaler Akteure
2.3.2.2 Mafiotisches Beziehungsmanagement und selektives „Gemeinwohl“
2.3.3 UNITA und FARC/AUC – Divergierende Entwicklungen in den Neunziger Jahren
2.3.3.1 Interner Zerfall der UNITA
2.4 Ökonomien des Krieges in Angola und Kolumbien
2.4.1 Angola: Vom Stellvertreterkrieg zum „resource war“
2.4.1.1 Externe Patronage und politische Renten
2.4.1.2 Oil and Diamonds: Grundlagen und Funktionsweise einer Kriegsökonomie
a. Art der Ressourcen/Primärgüter und deren geographische Verteilung
b. Der Aufbau informeller Vertriebsstrukturen
c. Ein Kontext der Regulationslosigkeit
2.4.1.3 Zwischenfazit
2.4.2 Zum Vergleich: die Politische Ökonomie des Krieges in Kolumbien
a. Die „Ressource“ Kokain und deren geographische Verteilung
b. Charakter und Struktur informeller Vertriebsstrukturen
c. Regulation und Regulationslosigkeit
2.4.2.1 Zwischenfazit
2.5 Kriegsökonomischer Kontext und interne Ordnung
2.5.1 Hybridisierung und Niedergang der UNITA-Ordnung
2.5.2 Die Kontinuität parastaatlicher Ordnungsformen in Kolumbien
2.5.3 Zwischenfazit
3. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht das Phänomen „alternativer Ordnungen“ in zerfallenden Staaten, wobei Angola und Kolumbien als empirische Fallbeispiele dienen. Das zentrale Ziel ist es, den Rückschluss von zerfallender Staatlichkeit auf Anarchie oder Irrationale Barbarei zu widerlegen und aufzuzeigen, dass in diesen Konflikträumen spezifische, rationale Ordnungsstrukturen – sogenannte Kriegsökonomien – entstehen.
1.4.1 Krieg, Rente und Reproduktion
Damit sich politische Ökonomien des Krieges herausbilden können, müssen zwei wesentliche Bedingungen erfüllt sein: zum einen müssen die Opportunitätskosten für Konflikt und Desintegration als hinreichend gering erachtet werden, was dann der Fall ist, wenn bestehende Strukturen nicht mehr genügend Renten generieren können bzw. die Bildung eines gemeinwohlbasierten strong state aufgrund zu geringer empirischer Staatlichkeit nicht möglich ist. Insbesondere das Vorhandensein von leicht extrahierbaren Rohstoffen kann zu Krieg führen: „[…] quantitative analysis demonstrates that easily taxed or looted primary commodities increase the likelihood of war by providing the motivation, prize, and means of a violent contest for state or territorial control.“ Insofern neigen ressourcenbasierte Rentenstaaten eher zu Bürgerkriegen, da mangels wirtschaftlicher Diversifikation, durch ungenügende infrastrukturelle oder produktive Investitionstätigkeit geringe Anreize bestehen, friedliche Reproduktionszustände aufrecht zu erhalten. Der Fluch der „holländischen Krankheit“ – oftmals in den extraktiven Exportökonomien des Südens diagnostiziert – begünstigt die kriegerische Auseinandersetzung um Ressourcen und Revenuen. Le Billon weist dem Charakter sowie der geographischen Verteilung von Rohstoffen eine besondere Bedeutung zu: Entfernung zum nationalen Zentrum sowie deren Verteilung (konzentriert oder extensiv) bestimmt die Art von Konflikten, die er in einer Matrix zusammengestellt hat. Zusätzlich trägt die oben beschriebene Austerität des Staates, die sich u.a. in einer schlechteren Bezahlung der Beamten äussert, zu jener Entwicklung bei. Die neoliberalen Desiderate besitzen damit gewissermassen eine negative – erodierende – Dimension.
0. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die verbreitete These des „Rückfalls in Anarchie“ bei Staatszerfall und führt das Konzept der „alternativen Ordnung“ als analytischen Rahmen ein.
1. Konzepte und Begriffe zum Verständnis von Staatlichkeit in konfliktiven Ordnungen: Dieses Kapitel erarbeitet theoretische Grundlagen zu Staatlichkeit und legitimen Ordnungen, um später nicht-westliche, hybride soziale Ordnungen adäquat analysieren zu können.
2. Parastaatlichkeit und Politische Ökonomien des Krieges in Angola und Kolumbien: Der empirische Hauptteil vergleicht die Konfliktgenese und die internen Ordnungsstrukturen der UNITA in Angola sowie der FARC und paramilitärischer Gruppen in Kolumbien unter dem Aspekt der Kriegsökonomie.
3. Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtungen fassen die Erkenntnisse zusammen, hinterfragen normative westliche Idealtypen von Staatlichkeit und reflektieren kritisch über Interventionspolitiken.
Kriegsökonomie, Quasistaat, Angola, Kolumbien, Patrimonialismus, Neopatrimonialismus, Staatlichkeit, Schattenökonomie, Ressourcenkonflikt, UNITA, FARC, Paramilitärs, Rebellion, Legitimität, Rentenökonomie.
Die Arbeit analysiert soziale Ordnungen in Staaten, die als „zerfallend“ oder „schwach“ gelten, und weist nach, dass diese entgegen gängiger Vorurteile keine anarchischen Zustände sind, sondern über eigene, rationale Organisationsformen und Reproduktionslogiken verfügen.
Die zentralen Themen sind politische Ökonomien des Krieges, die Entstehung parastaatlicher Akteure, sowie die Einbindung dieser Regionen in globale Wirtschafts- und Schattenökonomien.
Das Ziel ist es, die interne Struktur und das Funktionieren von parastaatlichen Akteuren in Angola und Kolumbien zu entschlüsseln, um zu verstehen, wie diese trotz Staatszerfalls „Ordnung“ – in Form von Kriegsökonomien – etablieren.
Es wird eine komparative Fallstudienanalyse auf Basis politikwissenschaftlicher und soziologischer Konzepte (z.B. von Joel Migdal, Max Weber und neueren Ansätzen der Kriegsökonomie-Forschung) angewandt.
Im Hauptteil werden die historischen Hintergründe der Konflikte in Angola und Kolumbien beleuchtet, die internen Machtstrukturen der UNITA einerseits sowie der FARC und AUC andererseits detailliert untersucht und mit ihrer jeweiligen ökonomischen Basis in Beziehung gesetzt.
Kriegsökonomie, Quasistaat, Patrimonialismus, Ressourcenkonflikt, illegale Handelsnetzwerke und Staatlichkeit.
Die Stabilität der UNITA basierte stark auf traditionaler Legitimität und einem zentralistischen System, das durch politische Renten während des Kalten Krieges gestützt wurde, während die FARC auf einer dezentralen, marktorientierten Organisationsform (Drogenökonomie) basiert, die weniger anfällig für traditionale Zerfallsprozesse ist.
Externe Faktoren wie der globale Drogenmarkt oder internationale Firmen, die „private diplomacy“ betreiben, stabilisieren diese parastaatlichen Ordnungen massgeblich, da sie die ökonomische Reproduktion der Akteure auch nach dem Wegfall offizieller staatlicher Unterstützung sicherstellen.
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