Masterarbeit, 2017
83 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Gottesvorstellungen
2.1 Definition
2.2 Verhältnis von Gottesvorstellung, Gottesbild und Gottesbeziehung
3. Gottesbilder und religiöse Sozialisation
3.1 Kind und Glaube
3.2 Lernorte religiöser Sozialisation
3.2.1 Familie
3.2.2 Kirche
3.2.3 Schule
4. Empirische Befunde der Glaubensentwicklung und Gottesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen
4.1 Modelle aus der Entwicklungspsychologie
4.1.1 Entwicklungsstufen nach James W. Fowler
4.1.2 Entwicklungsstufen des religiösen Urteils nach Oser/ Gmünder
4.1.3 Parallelen und Unterschiede der Stufenmodelle
4.1.4 Anfragen und kritische Diskussion
4.2 Ergebnisse empirischer Untersuchungen zu Gottesvorstellungen
4.2.1 Ursula Arnold/ Helmut Hanisch/ Gottfried Orth
4.2.2 Anton A. Bucher
4.2.3 Helmut Hanisch
4.2.4 Stefanie Klein
4.2.5 Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und kritische Diskussion
5. Religionspädagogische Konsequenzen für den Religionsunterricht
5.1 Die Bedeutung der Ergebnisse für den Religionsunterricht
5.2 Aufgaben von Religionsunterricht angesichts religiöser Pluralität
5.3 Aufgaben einer religionspädagogischen Begleitung bei der Entwicklung des Gottesbildes von Kindern und Jugendlichen
5.4 Die Rolle der Lehrperson und die Bedeutung der eigenen Gottesvorstellung
5.5 Kinder- und Jugendtheologie - Möglichkeiten und Grenzen.
5.5.1 Entwicklung der Kinder- und Jugendtheologie
5.5.2 Theologie von, für und mit Kindern und Jugendlichen
5.5.3 Methoden
5.5.4 Grenzen
6. Fazit
Die Arbeit untersucht, wie Kinder und Jugendliche Gottesvorstellungen entwickeln, welche Faktoren – insbesondere die religiöse Sozialisation – diesen Prozess beeinflussen und welche didaktischen Konsequenzen sich daraus für den Religionsunterricht ergeben, um die kindliche Kompetenz zur Gottesfrage sensibel und fachlich fundiert zu begleiten.
4.2.2 Anton A. Bucher
Anton A. Bucher hat insgesamt 343 Zeichnungen von Kindern im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren empirisch untersucht und dabei gefordert, dass das naive, intuitive theologische Wissen von Kindern ernst genommen und respektiert wird (vgl. Bucher 1994, 81). Die Kinder bekamen den Auftrag, ihre persönliche Vorstellung von Gott zu zeichnen. Bei seiner Untersuchung beabsichtigte er die Gottesvorstellungen der Kinder nicht zu werten, sondern sie vielmehr in ihrer persönlichen Entwicklung verstehen und nachvollziehen zu können: „Jede dieser Zeichnungen ist eine individuelle Leistung, keine ähnelt der anderen gänzlich.“ (Ebd., 81f.). Bei der Auswertung untersuchte Bucher die Bilder dann hinsichtlich verschiedener Faktoren, beispielsweise ob es sich um eine anthropomorphe oder symbolische Gottesvorstellung handelt, Gott als männliches oder weibliches Wesen dargestellt wird, mit Bart oder ohne, die Stellung des Mundes, die dargestellte Umgebung sowie altersgemäße Trends (vgl. ebd., 82).
Die Analyse der Bilder ergab, dass 87 % der Kinder eine anthropomorphe Gottesvorstellung haben, diese aber mit zunehmendem Alter zurückgehen (vgl. ebd.). Bezüglich der Vorstellung, ob Gott männlich oder weiblich dargestellt wurde, zeigen seine Untersuchungen, dass vor allem Mädchen erstaunlicherweise oft auch weibliche Darstellungen gewählt haben.
Insgesamt haben mehr als die Hälfte der Kinder (53%) Gott mit einem Bart gezeichnet, ein Viertel der Kinder versahen Gott mit einem Heiligenschein (vgl. ebd., 84). In seiner Untersuchung wurde zudem die Stellung des Mundes beobachtet, die Aufschluss über die emotionale Färbung des Bildes geben sollte. Dabei stellte sich heraus, dass vier von fünf Siebenjährige Gott einen freundlichen und lächelnden Mund gemalt haben, bei den Zwölfjährigen jedoch nur noch ein Drittel Gott einen freundlichen Mund zeichneten (vgl. ebd., 85f.). Somit ist der Anteil an fröhlichen Darstellungen bei jüngeren Kindern deutlich höher als bei den älteren. Das liegt laut A. Bucher vor allem daran, dass die anthropomorphen Vorstellungen in dieser Lebensphase abnehmen würden (vgl. ebd., 86).
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die menschliche Notwendigkeit, das unfassbare Gottverständnis durch Bilder greifbar zu machen, und betont die Bedeutung von Gottesvorstellungen für den Religionsunterricht.
2. Gottesvorstellungen: Dieses Kapitel definiert Gottesvorstellungen als kognitive Repräsentationen und Gefühle und grenzt diese von den Begriffen Gottesbild und Gottesbeziehung ab.
3. Gottesbilder und religiöse Sozialisation: Es wird analysiert, wie religiöse Sozialisation in Familie, Kirche und Schule die Entwicklung von Gottesbildern prägt, wobei insbesondere die kindliche Fähigkeit zum religiösen Nachdenken hervorgehoben wird.
4. Empirische Befunde der Glaubensentwicklung und Gottesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen: Das Kapitel bietet eine tiefgehende Analyse entwicklungspsychologischer Stufenmodelle (Fowler, Oser/Gmünder) sowie verschiedener empirischer Studien zu Gottesbildern von Kindern und Jugendlichen.
5. Religionspädagogische Konsequenzen für den Religionsunterricht: Hier werden die Ergebnisse der Studien auf den Religionsunterricht bezogen, wobei die Rolle der Lehrperson und die Ansätze der Kinder- und Jugendtheologie als methodische Möglichkeiten diskutiert werden.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, individuelle Gottesvorstellungen jenseits starrer Stufenmodelle im Unterricht zu würdigen.
Gottesvorstellungen, Gottesbilder, Religiöse Sozialisation, Entwicklungspsychologie, Glaubensentwicklung, Kindertheologie, Religionspädagogik, Religionsunterricht, Anthropomorphismus, Symbolik, Personale Gottesvorstellung, Empirische Forschung, Oser/Gmünder, James W. Fowler, Kindliche Religiosität.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Vielfalt der Gottesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen im Kontext ihrer religiösen Sozialisation.
Die Arbeit behandelt die theoretische Einordnung durch entwicklungspsychologische Stufenmodelle, die empirische Analyse von Kinderzeichnungen zu Gott und die Ableitung religionspädagogischer Konsequenzen für den Unterricht.
Ziel ist es zu untersuchen, wie Kinder und Jugendliche sich Gott vorstellen, wie diese Bilder wissenschaftlich erfasst werden können und wie Lehrer diese Erkenntnisse für einen wertschätzenden Religionsunterricht nutzen können.
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die auf entwicklungspsychologischen Theorien sowie empirischen Studien (z. B. von Bucher, Hanisch, Klein) basiert.
Der Hauptteil erörtert die Stufenmodelle von Fowler sowie Oser und Gmünder, stellt umfangreiche empirische Studien zu kindlichen Gottesbildern vor und reflektiert das Konzept der Kindertheologie.
Wichtige Begriffe sind Gottesbilder, religiöse Sozialisation, Glaubensentwicklung, Kindertheologie und religionspädagogische Begleitung.
Die Lehrperson fungiert nicht nur als Wissensvermittler, sondern als begleitender, empathischer Gesprächspartner, der Raum für die individuellen Gottesvorstellungen der Schüler schaffen muss.
Kinder greifen häufig auf anthropomorphe Darstellungen zurück, um das Unbegreifliche fassbar zu machen, sind sich aber oft gleichzeitig der Transzendenz Gottes bewusst.
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