Masterarbeit, 2011
112 Seiten, Note: 1,0
1. Vorwort
2. Definition Kirchenraumpädagogik
3. Die Wurzeln der Kirchenraumpädagogik
4. Zur Semantik von Kirchenräumen
4.1 Der Kirchenraum im Rückblick lutherischer Vergangenheit
4.2 Der Kirchenraum im Ausblick protestantischer Gegenwart und Zukunft
4.3 Das Raumverständnis nach Christoph Bizer
5. Kirchenraumpädagogik im Kontext eines performativen Religionsunterrichts
6. Didaktische Grundlagen
7. Fünf Typen der Kirchenraumpädagogik nach Roland Degen
8. Drei kirchenraumpädagogische Ansätze nach Hartmut Rupp
9. Auswertung der beiden Fragebögen „Kirchenraumpädagogik“
10. Kirchenraumpädagogische Führung in der St. Andreas Kirche
11. Fazit – Kritische Betrachtung
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Disziplin der Kirchenraumpädagogik theoretisch zu fundieren und ihre praktische Anwendung im Kontext eines performativen Religionsunterrichts zu reflektieren. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Kirchenräume durch ganzheitliche, sinnesorientierte Erschließungsformen für Kinder und Jugendliche zu authentischen Lern- und Erfahrungsorten werden können, insbesondere vor dem Hintergrund eines zunehmenden Traditionsabbruchs.
4.3 Das Raumverständnis nach Christoph Bizer
„Das Heilige – nicht: der Heilige! Das Heilige meint Phänomene, an denen sich Göttliches zeigt, als Göttliches. Auch der heilige dreieinige Gott des Christentums manifestiert sich in der Welt und ist dort wahrzunehmen: als wirkende Macht, in bestimmten Räumen und Zeiten, als Atmosphären, in Träumen, im Fließgeschehen von Ritualen und Begehungen, im Verlesen oder Sprechen heiliger Wortlaute, in geschehender Begegnung…“
Wenn Bizer von „Heiligkeit“ spricht, meint er Phänomene, durch die Menschen die Macht Gottes in der Welt wahrnehmen können. Bezogen auf die Kirchenraumpädagogik deute ich dieses Zitat wie folgt: In dem spezifischen Raum „Kirche“, der durch eine besondere Atmosphäre gekennzeichnet ist, wird die Begegnung mit der wirkenden Macht Gottes durch religiöse Phänomene möglich. Da in diesem Abschnitt das Raumverständnis Bizers erläutert werden soll, führe ich sein Verständnis zum Thema „Heiligkeit“ an dieser Stelle nicht detailliert aus. Auf den phänomenologischen Ansatz gehe ich ab S. 20 ff. noch ausführlich ein, da Bizers Raumverständnis darauf basiert.
Bis zum Jahre 1994 beschränkte sich die Kirchenraumpädagogik auf die Wahrnehmung des Kirchenraums als „Raum der Betrachtung“. Der Frage nach dem „Sinn des Raumes“ wurde wie folgt nachgegangen: „Wohin zieht es mich in diesem Raum, was stößt mich ab? Mache ich auf dem Weg zu meinem Ziel Umwege?“
In den neunziger Jahren rückte vielmehr die Beschaffenheit heiliger Räume in den Fokus des Interesses. Das, was Religionspädagogen und Theologen beobachteten, entspricht insbesondere heutzutage, in den Zeiten des Traditionsabbruchs, den menschlichen Bedürfnissen: Die Mitglieder einer Gesellschaft fragen vermehrt nach dem „Sinn des Lebens“ und bewegen sich auf dem Weg der „Wurzel-Suche“. Dabei werden sie von dieser speziellen Atmosphäre des Kirchenraumes magisch angezogen.
1. Vorwort: Der Autor führt in die Thematik ein und erläutert seine Motivation, Kirchen als „Orte der Besinnung“ für die heutige Leistungsgesellschaft religionspädagogisch zu erschließen.
2. Definition Kirchenraumpädagogik: Dieses Kapitel definiert die Disziplin als ganzheitliches Erschließen christlicher Räume mit allen Sinnen, gestützt durch die Thesen des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e.V.
3. Die Wurzeln der Kirchenraumpädagogik: Die Entstehungsgeschichte wird auf museale und religionspädagogische Impulse der 70er bis 90er Jahre in Hamburg und Hannover zurückgeführt.
4. Zur Semantik von Kirchenräumen: Hier wird der Kirchenraum theologisch und phänomenologisch als heiliger und auratischer Ort im Kontrast zur „protestantischen Raumvergessenheit“ verhandelt.
5. Kirchenraumpädagogik im Kontext eines performativen Religionsunterrichts: Das Kapitel verknüpft kirchenpädagogische Methoden mit der performativen Didaktik, um religiöses Lernen als leibhaft-inszenatorischen Prozess darzustellen.
6. Didaktische Grundlagen: Der Bezug zum Kerncurriculum wird hergestellt, um aufzuzeigen, wie kirchenraumpädagogische Methoden zentrale Kompetenzbereiche in der Grundschule fördern können.
7. Fünf Typen der Kirchenraumpädagogik nach Roland Degen: Es werden unterschiedliche pädagogische Ansätze, vom Baukunde-Typ bis zum antizipatorischen Typ, systematisch vorgestellt.
8. Drei kirchenraumpädagogische Ansätze nach Hartmut Rupp: Das Kapitel differenziert zwischen ganzheitlicher, geistlicher und aufgabenorientierter Raumerschließung.
9. Auswertung der beiden Fragebögen „Kirchenraumpädagogik“: Anhand von Experteninterviews werden Erfahrungen und konzeptionelle Ansätze erfahrener Kirchenpädagoginnen reflektiert.
10. Kirchenraumpädagogische Führung in der St. Andreas Kirche: Ein konkretes Praxisbeispiel illustriert die Umsetzung und Beobachtung von Kindern in einem realen Kirchenraum.
11. Fazit – Kritische Betrachtung: Eine abschließende Reflexion über die Herausforderungen bei der Arbeit mit heterogenen Gruppen und der Bedeutung des Kirchenraums als christlicher Ort.
Kirchenraumpädagogik, Religionspädagogik, Performativität, Raumwahrnehmung, Spiritualität, Traditionsabbruch, Phänomenologie, Christentum, Religionsunterricht, Authentischer Lernort, Symbolisierung, Gottesbegegnung, Ingebrauchnahme, Kindertheologie, Konfessionssensibilität.
Die Arbeit befasst sich mit der Disziplin der Kirchenraumpädagogik und deren Potenzial, Kindern und Jugendlichen in Zeiten schwindender religiöser Sozialisation einen unmittelbaren, ganzheitlichen Zugang zur christlichen Religion zu ermöglichen.
Zentral sind die theoretische Herleitung der Kirchenraumpädagogik, phänomenologische Konzepte zur Raumerschließung sowie die praktische didaktische Gestaltung im Rahmen eines performativen Religionsunterrichts.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kirchenräume durch eine aktive, sinnesorientierte und „begangene“ Auseinandersetzung für die nächste Generation als bedeutsame Erfahrungsorte „aufgeschlossen“ werden können.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender religionspädagogischer Konzepte sowie auf eine qualitative Auswertung von Experteninterviews und einer eigenen empirischen Praxisbeobachtung.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, methodische Typologisierungen der Kirchenpädagogik, didaktische Curriculumsbezüge sowie die Reflexion der Arbeit mit heterogenen Schülergruppen.
Besonders prägend sind die Begriffe Kirchenraumpädagogik, Performativität, Authentischer Lernort, Raumwahrnehmung und Spiritualität.
Im Gegensatz zur klassischen Führung, die oft durch eine Hierarchie von Führenden und rezipierenden Zuhörern geprägt ist, betont die ganzheitliche Erschließung die Eigenaktivität, körperliche Bewegung und den Einsatz aller Sinne.
Der Traditionsabbruch dient als zentraler Begründungszusammenhang für die Entstehung der Kirchenraumpädagogik, da das vertraute Wissen über christliche Symbole bei Kindern zunehmend verloren geht und neue Wege der Vermittlung notwendig macht.
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