Diplomarbeit, 2003
185 Seiten, Note: gut
1 Politik auf der Bühne
1.1 Eine Zustandsbeschreibung
1.2 Spielen wir nicht alle Theater?
1.3 Forschungsfragen und Methoden
2 Politische Inszenierung – ein alter Hut?
2.1 Rituale und Symbole
2.2 Königliche Image-Produktion
3 Antrieb zur Inszenierung
3.1 Politik und Gesellschaft im Wandel
3.2 Medien im Wandel
3.3 Die Ökonomie der Aufmerksamkeit
4 Die Medienbühne
4.1 Journalismus als Theater
4.2 Die Inszenierungslogik des Printjournalismus
4.3 Die Inszenierungslogik des Fernsehens
5 Die politische Bühne
5.1 Politik als Theater
5.2 Politische Symbole – Symbolische Politik
5.3 Event-Politik und die Inszenierung des Scheins
5.4 Imagepolitik
5.4.1 Die Inszenierung von Persönlichkeit
5.4.2 Die Marginalisierung der Parteien
5.5 Der Kanzler als Showstar – Politik und Unterhaltung
5.6 Die Theatralik der Unterdrücker
6 Geiseln oder Symbiosen?
6.1 Eine erfundene Geschichte?
6.2 Die Dependenzthese: Politik in den Fesseln der Medien
6.3 Die Instrumentalisierungsthese: Die Medien als Geiseln der Politik
6.4 Die Symbiose-These: Medien und Politik durchdringen sich gegenseitig
6.5 Inszenierung als symbiotisches Handeln
7 Das Theater um das Theater
7.1 Die zweite Ebene politischer Inszenierung
7.2 Gibt es Auswege?
8 Kritik am politischen Theater
8.1 „Krönungsmesse“ – Die Wahl Gerhard Schröders zum Kanzlerkandidaten
8.2 „Legitimes Theater“ – Das Zuwanderungsgesetz-Votum im Bundesrat
9 Kritik an der Inszenierung von Image
9.1 „Rudolf bin Baden“ – Die Fotos des Verteidigungsministers in der Bunten
9.1.2 Mediale Selbstreferenz bei Scharpings Inszenierung
9.2 „Kaschmir-Kanzler“ – Gerhard Schröders Modefotos in Life & Style
10 Zusammenfassung und Ausblick
Diese Diplomarbeit untersucht das Phänomen der politischen Inszenierung in Deutschland, analysiert deren Entwicklung sowie die symbiotische Beziehung zwischen Politik und Medien und hinterfragt kritisch, ab wann diese theatralen Formen für eine Demokratie problematisch werden.
1.1 Eine Zustandsbeschreibung
Noch so ein Wortspiel: Staats-Theater. Als sich Politiker und Journalisten im November 2002 zum jährlichen Bundespresseball versammelten, wählten die Veranstalter bezeichnenderweise dieses Motto. „Staats-Theater“, so erklärte Tissy Bruns, „damit bringt die Bundespressekonferenz das Verhalten der Politik in diesem Wahljahr auf den Punkt“. Bruns, damals noch Vorsitzende des Veranstaltervereins und Redakteurin der Tageszeitung Die Welt, hatte sich mehrfach in verschiedenen Aufsätzen und Interviews über das schwierige Verhältnis zwischen Politik und Medien beklagt. „Wir Journalisten hatten den Eindruck, die Politiker inszenieren sich vor den schönen Berliner Kulissen mit ein paar kurzen Statements, aber wenn die kritischen Fragen kommen, dann schlagen sie sich schnell zu den Hinterausgängen durch und verschwinden.“ Vor allem der rasante Erfolg des Fernsehens habe dazu geführt, dass sich die Volksvertreter für das Publikum öffentlichkeitswirksam und kameragerecht in Szene setzen und dabei die politischen Inhalte verschleiern. „Es gibt kein politisches Ereignis mehr, das nicht zuallererst über das Fernsehen kommuniziert wird. Also über Bilder, und Bilder sind es auch, die maßgeblich darüber entscheiden, ob Spitzenpolitiker X oder Y beim Bürger glaub- und vertrauenswürdig ist“, so Bruns.
Ihr Wortspiel passte gut ins Jahr 2002. Hatten die Politiker nicht selbst zugegeben, in gewisser Weise Schauspieler zu sein? „Ja, Politik ist Theater“, hatte der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) am 24. März während eines Vortrages – bezeichnenderweise im Saarbrücker Staatstheater – gestanden und hinzugefügt: „Dieser Umstand ist weder gut noch schlecht.“
1 Politik auf der Bühne: Dieses Kapitel führt in die Thematik der politischen Inszenierung ein und stellt die Forschungsfragen und Methoden der Arbeit dar.
2 Politische Inszenierung – ein alter Hut?: Es wird aufgezeigt, dass politische Inszenierungen historisch tief verwurzelt sind und schon immer rituellen und symbolischen Zwecken dienten.
3 Antrieb zur Inszenierung: Dieses Kapitel analysiert gesellschaftliche Veränderungen wie Individualisierung sowie den Wandel des Mediensystems als Motoren für politische Inszenierung.
4 Die Medienbühne: Es wird die Inszenierungslogik von Printmedien und insbesondere des Fernsehens als kulturelles Leitmedium beleuchtet.
5 Die politische Bühne: Hier werden Formen wie Symbolische Politik, Event-Politik und Imagepolitik differenziert, einschließlich der Rolle des Kanzlers als Showstar.
6 Geiseln oder Symbiosen?: Dieses Kapitel untersucht das komplexe Abhängigkeitsverhältnis zwischen Politikern und Medien und die These einer symbiotischen Beziehung.
7 Das Theater um das Theater: Es wird die „zweite Ebene“ der Inszenierung thematisiert, bei der Inszenierungsstrategien scheinbar offengelegt werden.
8 Kritik am politischen Theater: Anhand von Fallbeispielen wie der Wahl Schröders und dem Bundesratsvotum wird die Kritik am politischen Theater analysiert.
9 Kritik an der Inszenierung von Image: Dieses Kapitel fokussiert auf die mediale Kritik an der Imagepflege durch Politiker, konkret am Beispiel von Scharping und Schröder.
10 Zusammenfassung und Ausblick: Eine abschließende Synthese reflektiert die Rolle von Medien und Politik und bewertet die Sinnhaftigkeit journalistischer Inszenierungskritik.
Politische Inszenierung, Politainment, Mediengesellschaft, Symbolische Politik, Imagepolitik, Medienwirkung, Journalismus, Politikvermittlung, Demokratie, Inszenierungskritik, Fernsehen, Massenmedien, Personalisierung, Macht, Öffentlichkeit.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der zunehmenden Theatralisierung und medialen Inszenierung des politischen Geschehens in Deutschland sowie der kritischen Auseinandersetzung damit durch die Presse.
Die Arbeit deckt die historische Entwicklung politischer Inszenierung, die logikbasierten Zwänge moderner Massenmedien, die Imageproduktion von Politikern und die symbiotische Interdependenz zwischen Medienakteuren und politischem System ab.
Ziel ist es, den „Nebel“ um den Begriff der politischen Inszenierung zu lichten, neue Phänomene zu identifizieren, die Problematik für die Demokratie zu bewerten und zu hinterfragen, wie Kritik an solchen Inszenierungen sinnvoll geübt werden kann.
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse aus Kommunikations-, Medien-, Politik- und Theaterwissenschaft, führt hermeneutische Analysen von 219 Zeitungsartikeln durch und ergänzt dies durch fünf Leitfadeninterviews mit erfahrenen politischen Journalisten.
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der „doppelten Inszenierung“, die Interdependenz zwischen Politikern und Medien sowie spezifische Fälle von Image-Inszenierungen (z.B. Rudolf Scharping, Gerhard Schröder) und deren mediale Aufarbeitung.
Die zentralen Begriffe umfassen Politische Inszenierung, Politainment, Mediengesellschaft, Symbolische Politik, Imagepolitik, sowie Inszenierungskritik.
Das Fernsehen wird als kulturelles Leitmedium beschrieben, das durch seine spezifische Dramaturgie (Kurz, prägnant, actionreich) einen massiven Darstellungsdruck auf die Politik ausübt und somit „doppelte Inszenierungen“ provoziert.
Nicht unbedingt. Die Arbeit legt dar, dass auch die Kritik an der Inszenierung selbst oft nur als erneute (mediale) Inszenierung fungiert, wenn sie nicht die eigene Rolle der Medien hinterfragt oder die politische Substanz hinter dem Theater aus dem Blick verliert.
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