Magisterarbeit, 2004
81 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Zum Terminus des „unzuverlässigen Erzählers“
2.1. Grundbegriffe der Narrationstheorie
2.2. Der „unreliable narrator“ in der Literaturwissenschaft
2.3. Die Verbindung zum Film
3. Filmisches Erzählen: Der unzuverlässige Erzähler im Film
3.1. Exkurs: Neoformalistische Filmanalyse
3.2. Pro und kontra filmischer Erzähler: Voice-Over als Fingierung personalen Erzählens
3.3. Unzuverlässigkeit im Film
3.4. Vorläufiges Fazit
4. Analyse: THE END OF THE AFFAIR
4.1. Einleitung
4.2. Inhaltliche Täuschungen
4.2.1. Das Voice-Over
4.2.2. Doppelstrukturen
4.2.3. Multiperspektivität
4.2.4. Spiegelsymbolik
4.2.5. Täuschende Protagonisten
4.3. Formale Täuschungen
4.3.1. Zeitkonstruktionen
4.3.2. Die Filmmusik
4.4. Zusammenfassende Analyse: „To be is to be perceived“
5. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des unzuverlässigen Erzählens im Spielfilm unter besonderer Berücksichtigung von Neil Jordans „THE END OF THE AFFAIR“ (1999). Ziel ist es, die theoretischen Kategorien der literaturwissenschaftlichen Erzähltheorie – insbesondere im Hinblick auf Stimme und Modus – auf das Medium Film zu übertragen und durch eine neoformalistische Perspektive zu ergänzen, um aufzuzeigen, wie durch eine selektive Steuerung von Informationen und auditive sowie visuelle Diskrepanzen filmische Unzuverlässigkeit konstruiert wird.
4.2.1. Das Voice-Over
Die Skepsis beim Rezipienten wird durch Bendrix´ misstrauische Grundhaltung initiiert, die sich durch die interne Fokalisierung auf der handlungslogischen Ebene auf den Zuschauer überträgt. Der Verdacht um Sarahs neue Affäre nährt die Zweifel und fördert das falsche Interpretieren, und vieles, was im Film folgt, unterstützt so diesen Irrtum. Zwar erwähnt Bendrix´ erzählendes Ich des Öfteren, dass er es „hätte besser wissen müssen“, aber dennoch kann sich der Rezipient dem Irrtumseindruck nur schwer entziehen. Durch Bendrix stellt der Zuschauer ebenso wenig wie er in Frage, was er sieht resp. was vom Detektiv geschildert wird.
Recht klassisch dient das Voice-Over hier der Vermittlung expositionaler Information und verleitet den Rezipienten zur Identifikation mit den Figuren und den kritischen Beobachtungen. In der Funktion eines Bindegliedes hält es die komplizierten Zeitsprünge zusammen und bietet einen verlässlichen Bezugspunkt, der alles zusammenfügt.
1. Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld des unzuverlässigen Erzählens und Formulierung der Fragestellungen sowie des methodischen Vorgehens.
2. Zum Terminus des „unzuverlässigen Erzählers“: Theoretische Grundlegung durch narratologische Konzepte, insbesondere von Genette und Booth, und erste Annäherung an die Anwendbarkeit auf den Film.
3. Filmisches Erzählen: Der unzuverlässige Erzähler im Film: Vertiefung der Thematik durch neoformalistische Filmanalyse und Untersuchung des filmischen Voice-Over.
4. Analyse: THE END OF THE AFFAIR: Konkrete Anwendung der erarbeiteten Theorien auf Neil Jordans Spielfilm unter Analyse inhaltlicher und formaler Täuschungsmechanismen.
5. Ausblick: Diskussion offener Fragen und Desiderate der aktuellen Erzähltheorie im Hinblick auf die sich entwickelnde Medienlandschaft.
Unzuverlässiges Erzählen, unreliable narration, Cinematic Narrator, Narrationstheorie, neoformalistische Filmanalyse, Voice-Over, Fokalisierung, Multiperspektivität, Filmtheorie, Doppelstrukturen, Zuschaueraktivität, Wahrnehmungsprozesse, Zeitkonstruktion, Graham Greene, Neil Jordan.
Die Arbeit untersucht das Phänomen des unzuverlässigen Erzählens, eine Kategorie aus der Literaturwissenschaft, und analysiert deren Anwendung und Darstellung im Medium Film.
Die zentralen Themen umfassen die Erzähltheorie nach Genette, die neoformalistische Filmanalyse, die Funktion des Voice-Over sowie die Analyse von Täuschungsstrategien im Spielfilm.
Das Ziel ist die systematische Erarbeitung theoretischer Kriterien, die erklären, wie Filme einen Zuschauer gezielt durch unzuverlässige Erzählinstanzen irreführen können.
Die Untersuchung nutzt vorrangig narratologische Ansätze der Literaturtheorie in Kombination mit kognitiven und neoformalistischen Filmtheorien.
Der Hauptteil besteht aus einem theoretischen Vorbau und einer detaillierten Analyse des Films „THE END OF THE AFFAIR“, in der formale und inhaltliche Täuschungsmechanismen untersucht werden.
Wichtige Begriffe sind „Unzuverlässiges Erzählen“, „Cinematic Narrator“, „Voice-Over“, „Fokalisierung“ und „Multiperspektivität“.
Das Voice-Over dient als narrative Instanz, die durch ihre subjektive, von Eifersucht geprägte Perspektive eine vermeintliche Wahrheit etabliert, die der Zuschauer unhinterfragt übernimmt.
Durch unmarkierte Zeitsprünge und das bewusste Auslassen von Informationen in der Montage wird eine Kontinuität vorgetäuscht, die den Zuschauer dazu verleitet, Ereignisse falsch zu kontextualisieren.
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