Diplomarbeit, 2012
94 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Die Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
2.1 Modelle zur Erforschung von interkultureller Kommunikation
2.2 Vorschlag eines Kommunikationsmodells zur Erforschung von interkultureller Wirtschaftskommunikation (KWS-Modell)
3 Der Kulturbegriff
3.1 Die Fähigkeit zu großen Gefühlen und die Schicksalsergebenheit der Russen
3.2 Der mögliche Einfluss von stereotypischen Auffassungen auf Wirtschaftsbeziehungen
3.3 Das Metabild von Deutschen und Russen über einander
3.4 Sprachliche Aspekte in der interkulturellen Kommunikation
4 Der Fortschritt der Technik in der Telekommunikation: Videokonferenzen als neue Form der Kommunikation
4.1 Die Bedeutung von Videokonferenzen im internationalen Business
5 Die Einzelfallstudie als Forschungsansatz zur gesprächslinguistischen Analyse eines interkulturellen Videokonferenzgespräches
5.1 Vor- und Nachteile einer Einzelfallstudie
5.2 Ziele einer Einzelfallstudie
5.3 Erhebung und Auswertung der Daten der Einzelfallstudie
6 Die Transkription nach GAT 2 in der durchgeführten Einzelfallstudie
7 Die Einzelfallstudie zur Untersuchung der internationalen Wirtschaftskommunikation zwischen Russland und Deutschland anhand der Transkription eines Videokonferenzgespräches
7.1. Personenvorstellung der durchgeführten Einzelfallstudie
8 Gesprächslinguistische Untersuchung der Einzelfallstudie zur Wirtschaftskommunikation zwischen Russland und Deutschland
8.1 Aufgaben und Gliederung der Konversationsanalyse
8.2 Das Gespräch
9 Die Analyse der Makroebene einer Konversation
9.1 Die Konversationsphasen
9.1.1 Die Struktur der Gesprächseröffnung und Gesprächsbeendigung
9.1.1.1 Die Struktur der Gesprächseröffnung und Gesprächsbeendigung in der durchgeführten Einzelfallstudie
9.1.2 Die Struktur der Gesprächsmitte
9.1.2.1 Die Struktur der Gesprächsmitte in der durchgeführten Einzelfallstudie
10 Die Analyse der Mesoebene einer Konversation
10.1. Die Kategorien der Mesoebene
10.1.1 Der Gesprächsschritt (turn)
10.1.2 Die Gesprächssequenz in der durchgeführten Einzelfallstudie
10.1.3 Der Sprecherwechsel (turn taking)
10.1.3.1 Formen des Sprecherwechsels
10.1.4 Gliederungssignale: Sprecher- und Höreraktivitäten
10.1.5 Reperaturmechanismen
11 Nonverbale Kommunikation
11.1 Körpersprache im interkulturellen Kontext
12 Auswirkungen der Technik auf den Interaktionsprozess der durchgeführten Videokonferenz
12.1 Das Videokonferenzgespräch im Vergleich zum face-to-face Gespräch
13 Schlussfolgerung und Ausblick mit Hilfe des KWS-Modellvorschlags
14 Schlussbetrachtungen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die interkulturelle Wirtschaftskommunikation zwischen Russland und Deutschland anhand einer qualitativen Einzelfallstudie zu untersuchen. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse von Videokonferenzgesprächen, um sprachliche Konflikte sowie interkulturelle Missverständnisse zu identifizieren, Potenziale zur Optimierung aufzuzeigen und ein stabileres Kommunikationsmodell zu entwickeln.
10.1.3.1 FORMEN DES SPRECHERWECHSELS
Ein Gesprächsbeitrag kann einerseits zu Stande kommen, indem jemandem das Wort erteilt wird – Fremdwahl - und andererseits, indem man selbst das Wort durch Selbstwahl ergreift. Die Fremdwahl kann sowohl auf explizite als auch implizite Art und Weise erfolgen. Während letzteres durch Körperhaltung, Mimik und Gestik beispielsweise durch Zuwendung zum Gesprächspartner geschieht, wird bei der expliziten Art der Gesprächspartner z.B. durch direkte Ansprache mit dem Namen aufgefordert einen Gesprächsbeitrag zu leisten. Die Selbstwahl hingegen unterliegt komplexeren Strukturen. Selbstwahl könne nach Portmann immer dann erfolgen, wenn ein/e Sprecher/in einen Beitrag beendet hat, ohne eine bestimmte Person aus der Gesprächsrunde bereits zum/zur nächsten Sprecher/in fremdgewählt worden ist. Dies geschehe unter den folgenden 3 Grundregeln: 1. Es sei zu vermeiden, dass mehrere Personen gleichzeitig sprechen 2. Das Anrecht auf den nächsten Redebeitrag hat der jenige, der zuerst als nächster das Wort ergreift und 3. Die Regel 2 wird außer Kraft gesetzt sobald der nächste Redebeitrag schon für jemanden aus der Gesprächsrunde reserviert ist, weil er beispielsweise durch ein externes Ereignis unterbrochen wurde und nun weiter sprechen möchte. Aus der Praxis jedoch lässt sich schließen, dass die Regeln selten ausnahmslos eingehalten werden und es je nach Gesprächspartner und -thema zum Verstoß kommen könnte (vgl. Portmann/Linke/Nussbauer 1996: 266ff).
Hieraus ergeben sich 4 mögliche Formen des Sprecherwechsels.
1. Der Sprecherwechsel mit oder ohne Sprechpause (gap): Bei diesem Wechsel entsteht nur eine kurze Pause zwischen dem Ende eines alten und dem Anfang eines neuen Gesprächsbeitrages. Solche reibungslosen Sprecherwechsel sind sehr üblich und zeugen von einer intensiven Koordination in unseren Gesprächsaktivitäten. Denn damit ein nachfolgender Sprecher mit seinem Beitrag genau dann einsetzen kann, wenn der vorhergehende Sprecher mit seinem Beitrag aufhört [...], bedarf es einer genauen Antizipation der Gesprächshandlungen unserer Interaktionspartner (1996: 266)
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Globalisierung und den damit verbundenen Konkurrenzdruck, der zu einer Notwendigkeit interkulturell kompetenter Kommunikation führt.
2 Die Interkulturelle Wirtschaftskommunikation: Dieses Kapitel definiert das Feld der internationalen Wirtschaftskommunikation und führt das KWS-Modell als neuen, interdisziplinären Ansatz ein.
3 Der Kulturbegriff: Es erfolgt eine Definition des Kulturbegriffs sowie die Analyse spezifisch russischer kultureller Besonderheiten, wie Schicksalsergebenheit und die Bedeutung persönlicher Beziehungen.
4 Der Fortschritt der Technik in der Telekommunikation: Videokonferenzen als neue Form der Kommunikation: Die Bedeutung technischer Kommunikationsinstrumente wird aufgearbeitet, wobei Videokonferenzen als Alternative zum face-to-face Kontakt bewertet werden.
5 Die Einzelfallstudie als Forschungsansatz zur gesprächslinguistischen Analyse eines interkulturellen Videokonferenzgespräches: Das Kapitel erläutert die Methodik der qualitativen Einzelfallstudie und deren Relevanz für die gesprächslinguistische Analyse.
6 Die Transkription nach GAT 2 in der durchgeführten Einzelfallstudie: Hier werden die methodischen Grundlagen der Gesprächstranskription nach dem GAT-2 Standard für die spätere Analyse definiert.
7 Die Einzelfallstudie zur Untersuchung der internationalen Wirtschaftskommunikation zwischen Russland und Deutschland anhand der Transkription eines Videokonferenzgespräches: Die konkreten Rahmenbedingungen und Akteure der durchgeführten Studie werden vorgestellt.
8 Gesprächslinguistische Untersuchung der Einzelfallstudie zur Wirtschaftskommunikation zwischen Russland und Deutschland: Dieses Kapitel führt die Konversationsanalyse als grundlegende Untersuchungsmethode für das Transkript ein.
9 Die Analyse der Makroebene einer Konversation: Es werden die Konversationsphasen Eröffnung, Gesprächsmitte und Beendigung strukturell untersucht.
10 Die Analyse der Mesoebene einer Konversation: Die detaillierte Analyse der Interaktionsprozesse durch Kategorien wie Gesprächsschritt, Sprecherwechsel und Gliederungssignale erfolgt hier.
11 Nonverbale Kommunikation: Die Bedeutung visueller nonverbaler Signale wie Mimik, Gestik und Blickkontakt für den Gesprächsverlauf wird vertieft behandelt.
12 Auswirkungen der Technik auf den Interaktionsprozess der durchgeführten Videokonferenz: Eine Auswertung der technischen Einflüsse (Latenz, Bedienung) auf die Interaktion der Gesprächspartner.
13 Schlussfolgerung und Ausblick mit Hilfe des KWS-Modellvorschlags: Zusammenführung der Ergebnisse im KWS-Modell und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
14 Schlussbetrachtungen: Eine abschließende Reflektion über das Potenzial deutsch-russischer Wirtschaftsbeziehungen und die Bedeutung interkultureller Kompetenz.
Interkulturelle Wirtschaftskommunikation, Videokonferenz, Gesprächslinguistik, Konversationsanalyse, KWS-Modell, Kulturbegriff, Russland-Deutschland, GAT-2 Transkription, Nichtverbale Kommunikation, Sprecherwechsel, Misskommunikation, Globalisierung, Handlungsplan, Interaktionsanalyse, Geschäftsbeziehungen
Die Arbeit analysiert die interkulturelle Wirtschaftskommunikation zwischen Russland und Deutschland anhand einer qualitativen Einzelfallstudie, wobei der Fokus auf einem Videokonferenzgespräch zwischen zwei Geschäftspartnern liegt.
Die Studie verknüpft betriebswirtschaftliche Anforderungen an internationale Konzerne mit linguistischen Analysen, wie etwa Gesprächsstrukturen, nonverbale Kommunikation und die Auswirkungen technischer Distanz auf den Interaktionsprozess.
Ziel ist es, die Effizienz der Kommunikation zu evaluieren, interkulturelle Missverständnisse durch eine detaillierte Analyse (Konversationsanalyse) aufzudecken und ein neues Modell (KWS-Modell) zur Optimierung dieser Kommunikationsprozesse vorzuschlagen.
Es wird ein qualitativer Ansatz der Einzelfallstudie gewählt, kombiniert mit der gesprächslinguistischen Konversationsanalyse nach dem GAT-2 Transkriptionsstandard.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Kulturbegriff, Telekommunikation), die methodische Vorgehensweise und die detaillierte Analyse des Transkripts auf Makro- und Mesoebene, inklusive nonverbaler Kommunikation.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Interkulturelle Wirtschaftskommunikation, Konversationsanalyse, KWS-Modell, Videokonferenz und Nichtverbale Kommunikation charakterisieren.
Die Studie zeigt, dass technische Latenzen und die Bedienung des Videokonferenzsystems zu Verzerrungen, Unterbrechungen und einer Trägheit in der Beteiligungsorganisation führen, die den Gesprächsverlauf im Vergleich zum persönlichen Gespräch erschweren.
Die Studie identifiziert kulturelle Aspekte wie die Tendenz des russischen Partners zu längeren Gesprächsbeiträgen und einer anderen zeitlichen Einschätzung, was in Kombination mit dem deutschen Bedürfnis nach Struktur oft zu Reibungspunkten führt.
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