Masterarbeit, 2017
69 Seiten, Note: 1,85
1. Einleitung
2. Klärung wichtiger Begriffe und Hintergründe
2.1 Migrationsbegriffe in Deutschland
2.2 Einordnung und Differenzierung von HipHop und Rap
2.3 Anriss der Geschichte des deutschsprachigen Rap
2.4 Praktiken der Zuschreibung: Othering, Rassismus, Antisemitismus
3. Zuschreibungspraktiken im Rap – der aktuelle Forschungsstand
4. Praktiken der Zuschreibung im deutschsprachigen Rap
4.1 Der Rapper mit Migrationshintergrund
4.2 ‚Kanaken-Rap’ und ‚Azzlack-Rap’
4.3 Der Standpunkt: Selbst- und Fremddefinitionen im Battle-Rap
5. Fazit
6. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung von Zuschreibungspraktiken, wie Othering und Rassismus, im Kontext der deutschsprachigen Rap-Musik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Rapper durch ihre Texte das Eigene und das Fremde definieren, ob eine Praxis der kulturellen Abgrenzung existiert und in welchem Maße Zuschreibungen zur Machtausübung oder Selbstdarstellung genutzt werden.
1. Einleitung
„Statt Rührei mit Toastbrot und der deutschen Butter gibt’s bei unserer Mutter Sucuklu Yurmuta“ (Tolga & Aras 2015). Diese Textzeile schrieb und rappte ein Jugendlicher im Zuge eines Rap-Workshops, den ich im Sommer 2015 an einem hannoverschen Gymnasium im Stadtteil Linden anleitete. Auf sprachanalytischer Ebene nutzt der Interpret in diesem Textauszug einen Vergleich – ein rhetorisches Stilmittel, das in vielen literarischen Gattungen und gerade im Bereich der deutschsprachigen Rap-Musik häufig Verwendung findet. Wird das Augenmerk jedoch stärker auf die inhaltliche Aussage des Jugendlichen gelegt, so lässt sich eine direkte Gegenüberstellung der Kennzeichen und Eigenheiten verschiedener Kulturen erkennen. Anhand des Vergleichs der vermeintlich typischen Frühstücksgewohnheiten seiner und der deutschen Kultur, stellt er eine Unterscheidung, eine Andersartigkeit heraus. Die Wahl der Formulierung „bei unserer Mutter“, deutet darauf hin, dass der Schüler einen kollektiven Gedanken verfolgt und womöglich vertretend für eine Gruppe von Menschen sprechen möchte.
Das ursprünglich auf Edward Said zurückzuführende Konzept des Othering fokussiert ein vergleichbares Phänomen: Die Erzeugung von Asymmetrien innerhalb einer Gesellschaft, hervorgerufen durch das Hinweisen auf Unterschiede. Dabei findet in der Regel eine Abgrenzung einer vermeintlichen Mehrheit („Wir“) von einer angeblichen Minderheit („Nicht-Wir“) statt (vgl. Turecek 2015). Castro Varela und Mecheril (2010, S. 42) formulieren diesbezüglich: „Das Konzept des Othering erläutert, wie die »Fremden« zu »Fremden« gemacht werden und dabei gleichzeitig ein »Wir« konstruiert wird [...]“.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Zuschreibungspraktiken im Rap ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung anhand konkreter Beispiele aus der Rap-Szene.
2. Klärung wichtiger Begriffe und Hintergründe: Dieses Kapitel liefert die theoretische Basis durch die Definition von Migrationsbegriffen, die Abgrenzung von HipHop und Rap sowie die Analyse von Othering und Rassismus-Konzepten.
3. Zuschreibungspraktiken im Rap – der aktuelle Forschungsstand: Hier wird der wissenschaftliche Diskurs rund um Rap, Identität und Kategorisierungspraktiken in der bisherigen Literatur aufgearbeitet.
4. Praktiken der Zuschreibung im deutschsprachigen Rap: Der Hauptteil untersucht detailliert, wie Akteure in Subgenres wie dem 'Kanaken-Rap' oder Battle-Rap mit Fremd- und Selbstzuschreibungen arbeiten.
5. Fazit: Das Fazit führt die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die zentralen Forschungsfragen zur Identitätskonstruktion und Abgrenzung im Deutschrap.
6. Ausblick: Der Ausblick reflektiert die Grenzen der Arbeit und regt zu weiteren Forschungsfeldern, wie der Einbeziehung weiblicher Akteure oder der Rolle der Rezipienten, an.
Deutschrap, Othering, Rassismus, Identität, Zuschreibung, Migrationshintergrund, Battle-Rap, Kulturwissenschaft, Integration, Diskriminierung, Machtverhältnisse, Selbstzuschreibung, Fremdzuschreibung, Kanaken-Rap, Azzlack-Rap
Die Arbeit analysiert, wie in der deutschsprachigen Rap-Musik gesellschaftliche Zuschreibungspraktiken, wie Rassismus und Othering, in Songtexten verarbeitet, reflektiert oder strategisch eingesetzt werden.
Die zentralen Themen sind die Definition von Identität durch Rapper, die Abgrenzung zum "Anderen", das Phänomen des Migrationshintergrunds im Rap sowie die Analyse verschiedener Subgenres hinsichtlich ihrer Ausdrucksmittel.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Rap-Künstler durch ihre Texte das Eigene und das Fremde definieren und ob diese Zuschreibungen als Mittel zur Machtausübung oder als Reaktion auf gesellschaftliche Stigmatisierung fungieren.
Die Arbeit nutzt vorwiegend die Textanalyse und -interpretation von Songtexten deutschsprachiger Rap-Künstler unter Einbeziehung von Literatur aus den Cultural Studies und der Migrationsforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Rappern mit Migrationshintergrund, die Analyse der Begriffe 'Kanaken-Rap' und 'Azzlack-Rap' sowie die kritische Betrachtung des Battle-Rap als Ursprungsform des lyrischen Wettbewerbs.
Wichtige Begriffe sind Othering, Identität, Rassismus, Deutschrap, Migrationshintergrund, Battle-Rap, Zuschreibung, Machtverhältnisse und Selbstinszenierung.
Die Arbeit zeigt, dass sich die von Journalisten oder der Mehrheitsgesellschaft zugeschriebenen Stereotype (z.B. als "Migranten-Rapper") oft stark von der künstlerischen Selbstdefinition der Musiker unterscheiden, die sich primär als Musiker sehen.
Battle-Rap ist für die Untersuchung zentral, da hier die Konstruktion von "Ich vs. Du" und "Wir vs. Ihr" in extrem verdichteter Form stattfindet und Zuschreibungspraktiken als explizites Werkzeug zur Degradierung des Gegners genutzt werden.
Viele Künstler vollziehen eine positive Umdeutung des ehemals diskriminierenden Begriffs, indem sie ihn sich als selbstbewusste Eigenbezeichnung aneignen und so die abwertende Konnotation in ein Identifikationsmerkmal umwandeln.
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