Bachelorarbeit, 2017
42 Seiten, Note: 1,9
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
I. Einleitung
II. Politische Theorie des Humanismus
1. Erasmus von Rotterdam
1.1. Harmonie und Krieg
1.2. Respublica Christiana
1.3. Monarchisches Handeln
1.4. Gerechter Krieg und Türkenkrieg
2. Niccolò Machiavelli
2.1. Virtù und Fortuna
2.2. Der Monarch im Gemeinwesen
2.3. Monarchisches Handeln
III. Erasmus und Machiavelli als Autoren der Staatsräson
IV. Die Türkenkriege als Betätigungsfeld der Universalmonarchie
1. Verteidigung des Orbis Christianus
2. Behauptung auf dem europäischen Schauplatz
3. Verteidigung des Glaubens
V. Fazit
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen humanistischer politischer Theorie und der faktischen Machtausübung von Kaiser Karl V. im Kontext der Türkenkriege. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit das Regierungshandeln Karls V. als Ausdruck einer "alternativen Staatsräson" interpretiert werden kann, die sich zwischen den gegensätzlichen Modellen von Erasmus von Rotterdam und Niccolò Machiavelli bewegt.
1.1. Harmonie und Krieg
Ausgangspunkt für Erasmus Denken ist ein Gesetz der Harmonie, das den gesamten Kosmos durchziehe. Es sorge dafür, dass unterschiedliche oder einander widerstrebende Elemente in Einklang zueinander stehen. Der beste Zustand liege in der Harmonie [concentus] aller verschiedenen Einzelnen, was für den Körper ebenso gelte wie für den Staat. Da Erasmus hier nicht das zu erwartende Nomen, concordia verwendet, liegt es nahe, dass mit concentus (Zusammensingen, Einklang, Gesang) ausgedrückt werden soll, dass die Harmonie eine herzustellende ist, die sich in der Praxis realisieren muss. Das harmonische Zusammenspiel bestimmt jedoch nicht nur die belebte und die unbelebte Natur, sondern auch die destruktiven Kräfte. So herrsche auch unter Raubtieren, ja sogar unter bösen Geistern, ein Abkommen über den Zusammenhalt in der eigenen Art. Nur die Menschheit bekriege sich untereinander und dies trotz ihrer Vernunftbegabung und Fähigkeit zur Erfahrung. Erasmus Menschenbild, ist dennoch überaus positiv, da es im Individuum einen „sanften und liebenswürdigen Charakter“ ausmacht, „der zu gegenseitigem Wohlwollen neige.“ In krassem Missverhältnis dazu steht nach seiner Beobachtung jedoch die kriegerische Realität:
»Welche Rachegöttin (…), hat (…) den unersättlichen Wahn zu kämpfen in das menschliche Herz gepflanzt? (…) Schließlich bringen sie durch Überfälle, Morde, und Zerstörungen alles in Unordnung, im profanen wie im sakralen Bereich. Keine Verträge sind je so heilig, daß sie die, die sich in gegenseitiger Vernichtung austoben wollen, hindern könnten.«
I. Einleitung: Einführung in die historiographische Debatte um die Herrschaft Karls V. und die Vorstellung der Staatsräson als theoretischer Rahmen.
II. Politische Theorie des Humanismus: Detaillierte Darstellung der gegensätzlichen politischen Konzepte von Erasmus von Rotterdam und Niccolò Machiavelli hinsichtlich Macht, Ethik und Gemeinwohl.
III. Erasmus und Machiavelli als Autoren der Staatsräson: Synthese beider Ansätze im Kontext der zeitgenössischen Theoriebildung zur Staatsräson nach Friedrich Meinecke.
IV. Die Türkenkriege als Betätigungsfeld der Universalmonarchie: Empirische Untersuchung der kaiserlichen Politik im Kontext der Türkenkriege unter Berücksichtigung von Propaganda und politischem Kalkül.
V. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Karls V. Politik kaum direkt durch die behandelten Humanisten beeinflusst wurde, sondern primär traditionellen imperialen und defensiven Motiven folgte.
Karl V., Erasmus von Rotterdam, Niccolò Machiavelli, Staatsräson, Türkenkriege, Universalmonarchie, Christianitas, Politische Theorie, Machtpolitik, Humanismus, Legitimation, Kriegsbegründung, Respublica Christiana, Souveränität, Geschichtsphilosophie
Die Arbeit analysiert, wie Kaiser Karl V. seine Politik gegenüber den Osmanen legitimierte und ob sein Handeln als eine Umsetzung theoretischer Konzepte des zeitgenössischen Humanismus verstanden werden kann.
Die zentralen Felder sind die politische Theorie der Renaissance, das Konzept der Staatsräson sowie die außenpolitische Praxis des Heiligen Römischen Reiches im 16. Jahrhundert.
Ziel ist es zu klären, ob die Handlungsmaximen Karls V. von Machiavellis machtorientiertem Realismus oder Erasmus' christlich-pazifistischem Idealismus geprägt waren oder ob sie eher eigenständigen traditionellen Mustern folgten.
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Vorgehensweise, bei der politische Schriften der Humanisten mit der zeitgenössischen Korrespondenz und den offiziellen Dokumenten Karls V. in Beziehung gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung (Erasmus/Machiavelli), deren Einordnung in die Staatsräson-Debatte und die konkrete Fallanalyse des kaiserlichen Engagements in den Türkenkriegen.
Neben Karl V. sind dies Begriffe wie "Universalmonarchie", "Staatsräson", "Christianitas" sowie die Gegenüberstellung von Machtstreben und ethischer Normierung.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Karl V. gerade nicht den expansiven Dynamismus Machiavellis verfolgte, sondern seine Aktionen defensiv begründete, was gegen eine direkte Beeinflussung durch den Florentiner spricht.
Sie dient als ideeller Bezugspunkt und rechtliche Basis für Karls V. Selbstverständnis als Schutzherr des Christentums, auch wenn dieser Anspruch zunehmend in Konflikt mit nationalen Interessen geriet.
Sie diente Karl V. zur ideologischen Profilierung innerhalb Europas, war aber oft mehr ein Propagandamittel als ein Ausdruck einer tatsächlichen expansiven Kreuzzugspolitik.
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