Bachelorarbeit, 2016
44 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung: Korinth und das Herrenmahl
2. Zur Soziologie in Korinth
2.1. Die historische Entwicklung Korinths seit römischer Herrschaft
2.1.1. Wirtschaftliche Strukturen
2.1.2. Politische und kulturelle Strukturen
2.2. Soziale Strukturen und Schichtungen der Gemeinde in Korinth
2.2.1. Ämter
2.2.2. Häuser
2.2.3. Dienstleistungen
2.2.4. Reisen
3. Die Herrenmahlsparadosis bei Paulus in 1Kor 11,17-34
3.1. Das paulinische Herrenmahlsverständnis: 1Kor 11,17-34
3.2. Die Einsetzungsworte hinsichtlich der paulinischen Argumentationsstruktur
3.3. Ein Zusammenspiel: Die soziale Schichtung in Korinth und der Leib Christi-Gedanke nach Paulus
Exkurs: Die Herrenmahlsüberlierferung nach Lukas: Lk 22,14-23
4. Die korinthische Herrenmahlspraxis
4.1. Brotwort – Agape – Kelchwort
4.2. vorweggenommenes Privatmahl – Brotwort – Agape – Kelchwort
5. Fazit: Die korinthische Herrenmahlspraxis geprägt durch soziale Strukturen und Schichtungen als Neudeutung der heutigen Abendmahlsfeier
Ziel dieser Arbeit ist es, eine analytische Dokumentation der Entstehung und Deutung des Herrenmahls im frühen Christentum zu erstellen, wobei ein besonderer Fokus auf den soziologischen Gegebenheiten und der sozialen Schichtung der Gemeinde in Korinth sowie deren Auswirkungen auf die dortige Herrenmahlspraxis liegt.
2.2.1. Ämter
Die Ämter geben zunächst einen ersten Aufschluss über die Stellung der korinthischen Gemeindemitglieder (Vgl. Apg 18,8). Je höher die Stellung des Amtes, umso begüteter und gehobener war das jeweilige Mitglied. So fällt zum Beispiel Krispus eine besondere soziale Stellung zu. Er war, als einer der ersten Christen, „Synagogenvorsteher der jüdischen Gemeinde“.28 Das Amt des ἀρχισυνἀγωγος ist mit der finanziellen Situation des Krispus verbunden, da er sich um die Wartung rund um die Synagoge kümmern musste und dies darauf schließen lässt, dass er ein begüteter Mann war, der gegebenenfalls „durch eigene Spenden die Gemeindekasse“ auffüllen konnte, denn sonst wäre das Amt für ihn nicht umsetzbar gewesen.29 Seine Konversion zum Christentum brachte zudem nicht nur eine finanzielle und soziale Begünstigung im Sinne der „gehobenen Sozialstellung“ der korinthischen Gemeindemitglieder mit sich. Er löste auch eine „Welle von Übertritten“ aus, da „viele Korinther, als sie es hörten, […] gläubig [wurden] und […] sich taufen [ließen]“ (Apg 18,8).30
Neben Krispus kommt möglicherweise auch Erastos, dem Schatzmeister der Stadt, eine besondere Sozialstellung zu (Röm 16,23). Seine Bedeutung für die korinthische Gemeinde ist allerdings umstritten, da unklar ist, ob Erastos „Inhaber eines hohen städtischen Amtes“ oder doch nur ein Sklave „in der Finanzverwaltung“ war.31 Dieses Problem kommt aufgrund der griechischen Amtsbezeichnung οἰκονόμος und durch die Erasmus-Inschrift „ERASTUS. PRO. AED S. P. STRAVIT“ auf.32
1. Einleitung: Korinth und das Herrenmahl: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz des Herrenmahls und formuliert das Ziel, die Entstehung der Praxis durch eine soziologische und theologische Analyse der Gemeinde in Korinth zu untersuchen.
2. Zur Soziologie in Korinth: Dieses Kapitel analysiert die historische, politische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Korinth sowie die soziale Schichtung ihrer Bewohner als Grundlage für das Verständnis der christlichen Gemeindebildung.
3. Die Herrenmahlsparadosis bei Paulus in 1Kor 11,17-34: Hier wird das paulinische Verständnis des Herrenmahls im Kontext von 1Kor 11,17-34 untersucht, wobei besonders die Einsetzungsworte und der Leib-Christi-Gedanke als argumentative Basis für Paulus’ Kritik an der Gemeinde beleuchtet werden.
Exkurs: Die Herrenmahlsüberlierferung nach Lukas: Lk 22,14-23: Der Exkurs vergleicht die lukanische Darstellung der Einsetzung des Herrenmahls mit der paulinischen, um gemeinsame soteriologische Motive und die Bedeutung der Mahlfeier herauszuarbeiten.
4. Die korinthische Herrenmahlspraxis: Das Kapitel widmet sich der konkreten Mahlpraxis in Korinth und untersucht, wie soziale Ungleichheit und unterschiedliche Mahlmodelle zu Missständen führten, die Paulus kritisch kommentierte.
5. Fazit: Die korinthische Herrenmahlspraxis geprägt durch soziale Strukturen und Schichtungen als Neudeutung der heutigen Abendmahlsfeier: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über Korinth zusammen und reflektiert, wie die frühchristliche Theologie und Praxis Anstöße für eine zeitgemäße Gestaltung der heutigen Abendmahlsfeier geben kann.
Herrenmahl, Korinth, Paulus, Soziale Schichtung, 1Kor 11,17-34, Leib Christi, Abendmahlspraxis, Frühchristentum, Sozialgeschichte, Sättigungsmahl, Eucharistie, Gemeinde, Identitätsfindung, Liturgie, Soziologie
Die Arbeit untersucht das Herrenmahl im frühen Christentum, insbesondere in der Gemeinde von Korinth, unter Berücksichtigung sozialgeschichtlicher und theologischer Aspekte.
Die zentralen Themen umfassen die soziale Schichtung in Korinth, das paulinische Herrenmahlsverständnis in 1Kor 11, sowie die Diskrepanz zwischen kirchlichem Anspruch und sozialer Wirklichkeit bei der Feier des Herrenmahls.
Ziel ist es, durch die Verknüpfung soziologischer Untersuchungen zur Stadt Korinth mit den biblischen Textbefunden des 1. Korintherbriefs ein tieferes Verständnis für die Entstehung und Bedeutung der Herrenmahlspraxis zu gewinnen.
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die primär auf der sozialgeschichtlichen Auslegung der biblischen Texte sowie auf soziologischen Untersuchungen (insb. von Gerd Theißen) basiert.
Der Hauptteil analysiert die soziale Struktur Korinths (Ämter, Häuser, Reisen), das paulinische Verständnis der Herrenmahlsparadosis sowie die konkrete Ausformung der korinthischen Mahlpraxis und deren Konfliktpotential.
Wesentliche Begriffe sind Herrenmahl, Korinth, soziale Schichtung, Leib Christi, paulinische Theologie, 1Kor 11, Mahlgemeinschaft und Sozialgeschichte.
Die soziale Schichtung führte zu Spaltungen zwischen wohlhabenden und armen Gemeindemitgliedern, die sich in einer ungleichen Verteilung von Speisen und unterschiedlichen Mahlzeiten ausdrückten, was Paulus scharf kritisierte.
Paulus nutzt den Leib-Christi-Gedanken, um die Einheit und gegenseitige Verantwortung der Glieder innerhalb der Gemeinde theologisch zu begründen und so der sozialen Spaltung beim Herrenmahl entgegenzuwirken.
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