Examensarbeit, 2016
63 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Veröffentlichungs- und Rezeptionsgeschichte
1.2. Analyse der intertextuellen Bezüge als Interpretationsgrundlage
2. Formale Struktur
2.1. Titel
2.2. Widmung
2.3. Motto
2.4. Gattungszugehörigkeit
2.5. Erzählperspektive
2.6. Raum- und Zeit
2.7. Zielpublikum
2.8. Stilistik
3. Identitätskonstruktionen
3.1. Der Ich- Erzähler
3.2. Typus des überflüssigen Menschen
3.3. Ich fremd in der Welt
3.4. Vera − Allegorie der Liebe
3.5. Nina Alekseevna als Korrektiv
4. Gegenentwurf zum Sozialistischen Realismus
4.1. Replik auf Vera Panovas „Weggenossen“
4.2. Ideologisch: Abwesenheit von Autoritäten
4.3. Menschenbild: Individualität statt Kollektiv
4.4. Geschlechterrollen: Gegen die Utopie der Gleichheit
4.5. Poetologisch: Geniekult gegen Dichterschulen
5. Metadiskurse über Kunst
5.1. Verhältnis von Realität und Fiktion
5.2. Das 18. Jahrhundert als ideales Zeitalter
5.3. Goethes Werther
5.4. Die Welt als Bühne
5.5. Die Welt als Verweissystem
5.6. Genietheorien
6. Existentielle Thematiken
6.1. Tod und Transzendenz
6.2. Leichtlebige und zugleich schwere Liebe
6.3. Russlandbild
7. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht Vsevolod Petrovs Novelle „Die Manon Lescaut von Turdej“ als einen ästhetischen und philosophischen Gegenentwurf zur offiziellen sowjetischen Literatur des Sozialistischen Realismus. Dabei wird analysiert, wie der Text durch intertextuelle Bezüge und eine bewusste Abkehr von kollektivistischen Idealen eigene existenzielle Themen wie Identität, Liebe und Tod verhandelt.
1.2. Analyse der intertextuellen Bezüge als Interpretationsgrundlage
Petrovs Manon Lescaut ist ein Text, der, ganz im ursprünglichen lateinischen Wortsinne (lat. textus = Gewebe), durchwebt ist von Fäden anderer literarischer Werke. Die intertextuellen Bezüge weben ein enges Geflecht, aus dem der neue Text entsteht. Dieses Verfahren des literarischen Schreibens ist bei Petrov so stark ausgeformt, dass der Text geradezu postmodern wirkt. Dabei ist Petrov seiner Sozialisation nach eigentlich vielmehr Vertreter des Symbolismus, also der Moderne.
Foucault postuliert, dass der Autor als individuelle Person nicht von zentraler Bedeutung ist, sondern den Knotenpunkt von Diskursen bildet. Der Autor bildet das ab, was in seiner Zeit virulent ist, er bringt den Zeitgeist zum Ausdruck. Diese Sicht auf den Autor ist vor dem Hintergrund interessant, dass Vsevolod Petrov vor dem Erscheinen seiner „Manon Lescaut von Turdej“ nicht als Schriftsteller bekannt war, sondern ausschließlich als Kunsthistoriker. Petrov taucht also als Schriftsteller Persönlichkeit aus dem Nichts auf, aber sein Text bündelt die wesentlichen Diskurse der russischen Literatur und die Fragen seiner Zeit wie ein Brennglas. Petrovs Novelle ist ein wirklicher Knotenpunkt der Diskurse: Er verbindet in ihr literarische und kunstgeschichtliche Motive, Fragestellungen und Zitate so, dass sie sich in ein harmonisches Ganzes fügen. Die Novelle wirkt an der Oberfläche schlicht und schön lesbar, aber in ihr werden hintergründig fast alle zentralen Themen der russischen Geistes- und Literaturgeschichte verhandelt. Dies ist sicher auch dadurch möglich, dass Petrov als Person an den zentralen kulturellen Knotenpunkten seiner Zeit verkehrte: Er gehörte zum Zentrum der Petersburger Gegenkultur und kannte die Schriftsteller und Künstler, die die vorrevolutionäre Kunst bewahren wollten, persönlich.
1. Einleitung: Beleuchtet die Rezeptionsgeschichte der Novelle und definiert die intertextuelle Analyse als methodischen Ansatz.
2. Formale Struktur: Untersucht die formalen Aspekte wie Titel, Widmung, Gattung und Erzählperspektive sowie die räumliche und zeitliche Anordnung.
3. Identitätskonstruktionen: Analysiert die Ich-Erzählerfigur als „überflüssigen Menschen“ und ihre Beziehung zu Vera als Allegorie der Liebe.
4. Gegenentwurf zum Sozialistischen Realismus: Arbeitet die bewusste Abgrenzung Petrovs zur sowjetischen Ideologie, insbesondere zu Vera Panovas „Weggenossen“, heraus.
5. Metadiskurse über Kunst: Diskutiert das Verhältnis von Realität und Fiktion sowie die ästhetischen Vorlieben des Erzählers für das 18. Jahrhundert.
6. Existentielle Thematiken: Untersucht die philosophische Tiefe der Novelle anhand der zentralen Themen Tod, Transzendenz und Liebe.
7. Schluss: Fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Stellung der Novelle als tiefgründigen, literarischen Gegenentwurf zur zeitgenössischen Ideologie.
Vsevolod Petrov, Die Manon Lescaut von Turdej, Sozialistischer Realismus, Intertextualität, Identitätskonstruktion, Überflüssiger Mensch, Russische Moderne, Symbolismus, Existenzialismus, Schopenhauer, Fiktion und Realität, Innere Emigration, Kunstgeschichte, Literatur des Absurden, Vera Panova.
Die Arbeit analysiert die Novelle „Die Manon Lescaut von Turdej“ von Vsevolod Petrov, ein literarisches Werk, das im stalinistischen Russland entstand und sich durch eine bewusste Abkehr von der offiziellen Doktrin auszeichnet.
Im Fokus stehen Identitätskonstruktionen, das Verhältnis von Kunst zu Realität sowie die existenzielle Auseinandersetzung mit Tod und Liebe im Kontrast zur sowjetischen Realität.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Petrov durch ein komplexes Geflecht aus intertextuellen Bezügen und formalen Entscheidungen einen literarischen Gegenentwurf zum Sozialistischen Realismus geschaffen hat.
Die Autorin stützt sich primär auf eine intertextuelle Analyse, ergänzt durch kunsthistorische und literaturtheoretische Perspektiven sowie den Vergleich mit zeitgenössischen sowjetischen Werken.
Der Hauptteil gliedert sich in formale Strukturanalysen, Untersuchungen zur Identität der Erzählerfigur, den Abgleich mit der Ideologie des Sozialistischen Realismus sowie die Analyse metadiskursiver Bezüge über Kunst.
Die zentralen Begriffe umfassen Intertextualität, den „überflüssigen Menschen“, das Verhältnis von Fiktion und Realität sowie die Ästhetik des Symbolismus und der Moderne.
Das 18. Jahrhundert dient dem Erzähler als ästhetische Utopie und „goldenes Zeitalter“, in das er sich vor der als grob empfundenen sowjetischen Wirklichkeit flüchtet.
Sie fungiert als rationale Vertraute und korrigierendes Korrektiv, das die subjektive, oft verklärte Wahrnehmung des Ich-Erzählers kritisch hinterfragt.
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