Examensarbeit, 2010
94 Seiten, Note: 2,0
1.Einleitung:
2.Theoretische Vorüberlegungen und Begriffsklärungen:
3.Vorgehen:
4 Camenzind, Gertrud und Roßhalde– die Unfähigkeit, die eigene Libido anzunehmen und das Künstlerproblem
4.1 Camenzind:
4.2 Gertrud (1910):
4.3 Roßhalde – Unvereinbarkeit von Künstlertum und Liebe:
4.4 Zwischenergebnis – vor der Psychoanalyse:
5. Demian – Beginn der Psychoanalyse:
6. Siddharta – der Weg zur vollkommenen Liebe:
7. Der Steppenwolf – Kampf ums Ideal:
8. Narziß und Goldmund – Möglichkeit einer gelebten Liebe
9. Schlusswort:
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Entwicklung der Liebe in ausgewählten Werken von Hermann Hesse unter besonderer Berücksichtigung der Jungschen Psychologie. Dabei wird erforscht, welche Funktion die Liebe im Individuationsprozess der jeweiligen Protagonisten einnimmt und wie sich diese Darstellung durch Hesses Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse gewandelt hat.
Camenzind:
„Um von der Liebe zu reden, darin bin ich zeitlebens ein Knabe geblieben. Für mich ist die Liebe zu Frauen immer ein reinigendes Anbeten gewesen, eine steile Flamme meiner Trübe entlodert, Beterhände zu blauen Himmeln emporgestreckt. Von der Mutter her und auch aus eigenem, undeutlichem Gefühl verehrte ich Frauen insgesamt als ein fremdes, schönes und rätselhaftes Geschlecht, das uns durch eine angeborene Schönheit und Einheitlichkeit des Wesens überlegen ist und das wir heilig halten müssen, weil es gleich Sternen und blauen Berghöhen uns ferne ist und Gott näher zu sein scheint. Da das rauhe Leben seinen reichlichen Senf dazu gab, hat die Frauenliebe mir so viel Bitteres als Süßes eingebracht; zwar blieben die Frauen auf dem hohen Sockel stehen, mir aber verwandelte sich die feierliche Rolle des anbetenden Priesters allzuleicht in die peinlich-komische des genarrten Narren.“ (I, 242)
1.Einleitung: Einführung in das Thema der Liebesentwicklung in Hesses Werken im Kontext der Jungschen Individuationslehre.
2.Theoretische Vorüberlegungen und Begriffsklärungen: Erläuterung der psychologischen Grundbegriffe (Individuation, Anima, Schatten) und deren Relevanz für das Werk Hesses.
3.Vorgehen: Skizzierung der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der Primärtexte und deren psychologischer Deutung.
4 Camenzind, Gertrud und Roßhalde– die Unfähigkeit, die eigene Libido anzunehmen und das Künstlerproblem: Analyse der frühen Werke, in denen eine romantisch-überhöhte Liebesvorstellung die Integration der sinnlichen Seite verhindert.
5. Demian – Beginn der Psychoanalyse: Untersuchung des Beginns der Verarbeitung psychoanalytischer Erkenntnisse, bei der die Anima-Integration zentral wird.
6. Siddharta – der Weg zur vollkommenen Liebe: Analyse der indischen Dichtung als Beispiel für das Erreichen eines hohen Grades an Ganzheit und individuierter Liebe.
7. Der Steppenwolf – Kampf ums Ideal: Erörterung der Persönlichkeitsspaltung und der Rolle von Humor und Akzeptanz als Mittel zum Umgang mit der inneren Zerrissenheit.
8. Narziß und Goldmund – Möglichkeit einer gelebten Liebe: Synthese der Erfahrungen aus den vorangegangenen Werken in einer exemplarischen Darstellung eines erfüllten Künstlerlebens.
9. Schlusswort: Zusammenfassende Reflexion über die Entwicklung der Liebeskonzepte in Hesses Werk und deren Realisierbarkeit im Leben.
Hermann Hesse, Individuation, Psychologie, C.G. Jung, Liebe, Selbstwerdung, Anima, Schatten, Künstlerproblematik, Sinnlichkeit, Ganzheit, Individuierte Liebe, Psychoanalyse, Selbstbild.
Die Arbeit analysiert, wie sich die Darstellung der Liebe in den Werken Hermann Hesses im Laufe der Zeit entwickelt und welche zentrale Rolle diese für die psychologische Entwicklung (Individuation) seiner Protagonisten spielt.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kunst und Leben, die psychologische Integration der Anima, der Umgang mit der eigenen Sexualität und der Prozess der Selbstwerdung nach C.G. Jung.
Ziel ist es zu zeigen, dass Liebeserfahrungen in Hesses Werken essenzielle Bestandteile der Individuation sind und wie sich Hesses Sichtweise durch seine Beschäftigung mit der Psychoanalyse von einer idealisierten, realitätsfernen Liebe hin zur Akzeptanz menschlicher Ganzheit entwickelt hat.
Die Arbeit verwendet eine inhaltliche Einzeluntersuchung der ausgewählten Werke, die anschließend auf der Basis der Jungschen Psychologie gedeutet und in Bezug zum Gesamtprozess der Individuation gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch durch Hesses Schaffen, beginnend bei den frühen Werken (Camenzind, Gertrud, Roßhalde) über den Wendepunkt durch die Psychoanalyse (Demian) bis hin zu den späteren Romanen (Siddharta, Steppenwolf, Narziß und Goldmund).
Individuation, Anima-Projektion, Schattenintegration, Künstlerproblematik, Ganzheit und Selbstwerdung.
Die Psychoanalyse, insbesondere durch den Kontakt zu Dr. Lang, einem Schüler Jungs, veränderte Hesses Selbsterkenntnis und seine literarische Arbeit grundlegend, indem sie ihm half, seine unterdrückten inneren Konflikte und seine triebhafte Seite als Teil seines Selbst zu begreifen.
Während Camenzind an einer passiven, realitätsfernen Idealisierung der Frau leidet, die ihn unglücklich macht, gelingt es Siddharta, die Gegensätze von Geist und Natur zu vereinen und eine Form der individuierten Liebe zu leben, die auf der Akzeptanz der Freiheit und Individualität des anderen basiert.
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