Bachelorarbeit, 2016
41 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Kainsmal – eine Annäherung
3. Das Kainszeichen in Manns Tonio Kröger und Hesses Demian
3.1. Analyse von Tonio Kröger unter dem Aspekt des Kainszeichens
3.2. Analyse von Demian unter dem Aspekt des Kainszeichens
4. Kunstreligion in der Moderne
5. Das Kainszeichen unter semiotisch-semantischen Gesichtspunkten
6. Der Einfluss Nietzsches auf Tonio Kröger und Demian
7. Abschließende Betrachtung
Die Arbeit untersucht die Funktion und Rezeption des biblischen Kainsmal-Motivs in Thomas Manns „Tonio Kröger“ und Hermann Hesses „Demian“ unter Berücksichtigung kulturgeschichtlicher und philosophischer Kontexte, insbesondere des Einflusses von Friedrich Nietzsche und der Kunstreligion.
3.1. Analyse von Tonio Kröger unter dem Aspekt des Kainszeichens
Thomas Manns Novelle Tonio Kröger, die zum ersten Mal 1903 in der Neuen Deutschen Rundschau und kurz darauf in dem Erzählband Tristan erscheint, „erweist sich als Mittelpunkt und dichteste reflexive Ausgestaltung der durchgängigen und dominanten Künstlerthematik des Frühwerks“.
Mit diesem Werk entwirft der Schriftsteller ein Kunstprogramm, mit welchem er „nicht mehr und nicht weniger vor hatte, als sich über den Grund seines Schreibens klar zu werden“. So trägt die titelgebende Hauptfigur der Novelle auffällig autobiographische Züge, bis in die Topographie hinein finden sich Übereinstimmungen zu Lebensstationen Thomas Manns. Zentral für die Geschichte ist das vierte Kapitel, welches „[d]as gedankliche Zentrum bildet“ und „in dem sich ein innerliterarischer Diskurs entfaltet“. In diesem findet auch das Kainszeichen seine prägendste Verwendung und motivische Ausgestaltung.
Der Text ist in neun Kapitel unterteilt und beginnt mit der Schulzeit des zu diesem Zeitpunkt vierzehnjährigen Protagonisten Tonio Kröger. Das Kapitel ist in der Handlungszeit eines Spaziergangs angelegt, den Hans Hansen Kröger, beide Söhne wohlhabender Kaufleute, gemeinsam von der Schule nach Hause unternehmen. In dessen Verlauf wird in den Charakteren eine Polarität angelegt, die sich motivisch durch den gesamten Text ziehen wird.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Ursprung des biblischen Kainszeichens und dessen literarische Transformation, insbesondere durch die Ablösung von christlichen Traditionen in der Romantik.
2. Das Kainsmal – eine Annäherung: Dieses Kapitel analysiert das vierte Kapitel der Genesis und die theologische sowie kulturgeschichtliche Deutung des Zeichens als Schutz- oder Stigmamal.
3. Das Kainszeichen in Manns Tonio Kröger und Hesses Demian: Dieser Abschnitt untersucht das Auftreten des Kainszeichens in den beiden Werken durch eine textnahe Analyse.
3.1. Analyse von Tonio Kröger unter dem Aspekt des Kainszeichens: Der Fokus liegt auf der autobiographischen Künstlerthematik und der Identitätsfindung Tonio Krögers als "vorbestimmter und verdammter" Künstler.
3.2. Analyse von Demian unter dem Aspekt des Kainszeichens: Die Analyse zeigt, wie bei Hesse das Zeichen zur Auszeichnung für Furchtlosigkeit und zum Ausdruck einer neuen, von bürgerlichen Normen losgelösten Existenz wird.
4. Kunstreligion in der Moderne: Hier wird der philosophische Kontext erläutert, in dem die Kunst in der Moderne die Funktion und Autorität des Religiösen übernimmt.
5. Das Kainszeichen unter semiotisch-semantischen Gesichtspunkten: Das Kapitel betrachtet das Kainszeichen als "Signifikant par excellence" und untersucht seine Bedeutung im Rahmen semiotischer Theorien.
6. Der Einfluss Nietzsches auf Tonio Kröger und Demian: Diese Sektion stellt die Verbindung zwischen der Nietzscheschen Philosophie, insbesondere dem "Übermenschen" und der Abkehr von der Sklavenmoral, und den Künstlerfiguren her.
7. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass das Kainszeichen als literarisches Symbol die schicksalhafte und einsame Künstlerexistenz der Moderne mystifiziert.
Kainszeichen, Tonio Kröger, Demian, Friedrich Nietzsche, Kunstreligion, Künstlertum, Moderne, Semiotik, Symbol, Identität, Bürgerlichkeit, Abraxas, Schuld, Literaturwissenschaft, Existenzphilosophie.
Die Arbeit analysiert die Verwendung des Kainsmal-Motivs als literarisches Symbol in Thomas Manns „Tonio Kröger“ und Hermann Hesses „Demian“.
Die Arbeit verbindet Aspekte der Literaturgeschichte, Kunstreligion, Semiotik und der Philosophie Nietzsches, um die Charakterisierung von Künstlerfiguren zu untersuchen.
Es soll geklärt werden, warum und wie die Autoren das biblische Kainszeichen nutzen, um die exklusive und oftmals leidvolle Position des modernen Künstlers zu definieren.
Der Autor verwendet eine textnahe Analysemethode in Kombination mit einer kultur- und motivgeschichtlichen Einordnung der behandelten Primärtexte.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse beider Romane, die theoretische Verortung im Begriff der Kunstreligion sowie die semiotische und philosophische Betrachtung des Kains-Symbols.
Kainszeichen, Kunstreligion, Künstlerexistenz, Nietzsche, Moderne, Identität und Individualität.
Nietzsches Philosophie dient als Schlüssel zum Verständnis, warum das Kainszeichen bei den Künstlern der Moderne nicht als Stigma, sondern als Auszeichnung für Stärke und Individualität gelesen wird.
Während Kröger stark unter der Trennung von bürgerlichem Leben und Künstlertum leidet ("sentimentales Selbstmitleid"), beschreitet Sinclair in "Demian" durch die Grenzüberschreitung aktiv den Weg der Selbstfindung.
Es fungiert als ein "Zeichen ohne Signifikat", das durch seine Einbettung in den jeweiligen Kontext der Romane eine mystifizierende und identitätsstiftende Wirkung auf die Protagonisten entfaltet.
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