Magisterarbeit, 2004
161 Seiten, Note: 1,0
1 Die "Great Exhibition" 1851 in London
1.2 Der Crystal Palace
1.3 Die Exponate
1.3.1 Einige Beispiele aus dem AJIC
2 Gottfried Semper und die „Great Exhibition“
2.1 Wissenschaft, Industrie und Kunst
2.1.1 Kapitel I-III: Nachwirkungen und Lehren der Ausstellung
2.1.2 Kapitel IV-VII: Die Kunsterziehung der Zukunft
3 Englische Institutionen des 19. Jahrhunderts zur Förderung von Kunst und Industrie
3.1 Die Society of Arts
3.2 Die Government Schools of Design
3.2.1 Redgraves Lehrplan und die „General Principles of Decorative Art“
3.2.2 Christopher Dresser
4 Arts and Crafts oder zurück zur Natur
4.1 John Ruskin: der Vordenker
4.1.1 Das Wesen der Gotik
4.2 William Morris: der Macher
4.2.1 Morris als Gestalter
4.2.2 Morris als Theoretiker
4.3 Höhepunkt und Ende der Bewegung
4.3.1 Gildengründungen
4.3.2 Liberty – das Ende der Utopien
5 Jugendstil und Industrie in Deutschland
5.1 Die Darmstädter Künstlerkolonie
5.1.1 Die Anfänge 1899-1903 und das „Dokument Deutscher Kunst“
5.1.2 Ausstellungen und Projekte 1904-1914
5.1.3 Schmuck auf der Mathildenhöhe
5.2 Peter Behrens
5.2.1 Behrens‘ Reform der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule
5.2.2 Peter Behrens und die AEG
5.3 Henry van de Velde
5.3.1 Van de Veldes Rezeption von Ruskin und Morris
5.3.2 Van de Veldes Gestaltungsprinzipien an ausgewählten Beispielen
5.4 Adolf Loos: Ornament und Verbrechen
6 Der Deutsche Werkbund
6.1 Organisation, Ziele, historischer Abriss
6.2 Die Werkbund-Krise von 1914
7 Das Bauhaus
7.1 Geschichtlicher Überblick
7.2 Schmuck und die Metallwerkstatt am Bauhaus
8 Frankreich zwischen den Weltkriegen
8.1 Art déco in Frankreich
8.2 Le Corbusier: Purismus und Gestaltung
8.2.1 Der Pavillon de L’Esprit Nouveau 1925
8.2.2 Die Ausrüstung der Wohnmaschine
8.3 Werkbund und Bauhaus in Frankreich
9 Schlussbemerkung: Der Bengel-Schmuck zwischen Art déco und Design
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der industriellen Gestaltung vom 19. Jahrhundert bis zur Zwischenkriegszeit, um den Modeschmuck der Firma Jakob Bengel in Idar-Oberstein in diesen kunstgeschichtlichen Kontext einzuordnen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Spannungsverhältnis zwischen maschineller Produktion und künstlerischem Anspruch sowie die Prinzipien der industriellen Ästhetik auf die Gestaltung des Modeschmucks auswirkten.
1 Die "Great Exhibition" 1851 in London
1851 fand in London die erste internationale Weltausstellung statt, ein Ereignis von epochaler Bedeutung: ca. 17.000 Aussteller aus 94 Ländern präsentierten ihre Produkte. Schon zuvor hatte es nationale Gewerbeausstellungen gegeben: Die erste ihrer Art fand 1798 in Paris statt. In der Tradition der revolutionären Feste, die eine Mischung aus Volksfest und agitatorischer Vermittlung der neuen, politischen Werte waren, sollte nun der industrielle Fortschritt und die wirtschaftliche Stärke der Republik demonstriert werden. Der außerordentliche Publikumserfolg dieser Veranstaltung löste eine Ausstellungswelle in ganz Europa aus. Auch diese national orientierten Ausstellungen hatten schon eine internationale Beteiligung sowohl seitens der Aussteller als auch des Publikums. Die Londoner Ausstellung von 1851 war zunächst auch als nationale geplant. In England hatte bis 1851 noch nie eine große Gewerbeausstellung stattgefunden. Henry Cole und andere Mitglieder der Society of Arts reisten deshalb 1849 nach Paris, um sich über das französische Ausstellungswesen zu informieren. Dort erfuhren sie von dem Plan einer internationalen Ausstellung. Als Henry Cole diese Idee später Prinz Albert vortrug, bekräftigte dieser: "International, certainly!"
Nach großen Schwierigkeiten der Finanzierung ohne öffentliche Gelder wurde 1850 die Royal Commission unter der Leitung von Prinz Albert einberufen, die mit der Organisation der "Great Exhibition" betraut war. Nach weiteren finanziellen Problemen und auch Schwierigkeiten der öffentlichen Akzeptanz öffnete die "Great Exhibition" schließlich am 1. Mai 1851 für 141 Tage ihre Tore. In den ersten Wochen galt ein Eintrittspreis von fünf Schilling, den sich nur die wohlhabenderen Bürger leisten konnten. Ab dem 27. Mai waren jedoch alle Wochentage "Ein-Schilling-Tage", so dass nun auch die breite Masse Zugang hatte. Von da an schnellte die wöchentliche Besucherzahl auf über 200.000 hoch, in der letzten Woche vom 6. bis zum 11. Oktober kamen sogar über 500.000 Menschen.
1 Die "Great Exhibition" 1851 in London: Überblick über die erste Weltausstellung, deren Bedeutung für den industriellen Fortschritt und die ästhetische Debatte um das Verhältnis von Kunst und Industrie.
2 Gottfried Semper und die „Great Exhibition“: Analyse von Sempers theoretischer Aufarbeitung der Ausstellung und seinen wegweisenden Reformvorschlägen für das Kunstgewerbe.
3 Englische Institutionen des 19. Jahrhunderts zur Förderung von Kunst und Industrie: Untersuchung der Rolle der Society of Arts und der Government Schools of Design sowie deren Einfluss auf die Produktdesign-Standards.
4 Arts and Crafts oder zurück zur Natur: Darstellung der Gegenbewegung unter John Ruskin und William Morris, die in der Maschine eine Gefahr für menschliche Arbeit und künstlerische Qualität sah.
5 Jugendstil und Industrie in Deutschland: Fokus auf die Darmstädter Künstlerkolonie, Peter Behrens und Henry van de Velde als Vermittler zwischen künstlerischem Anspruch und industrieller Realität.
6 Der Deutsche Werkbund: Erörterung der Zielsetzungen des Werkbundes als Interessenverband und die ideologischen Konflikte, die in der Krise von 1914 gipfelten.
7 Das Bauhaus: Darstellung des Bauhauses als Experimentierfeld zwischen Handwerk und industrieller Fertigung sowie dessen Schmuckproduktion.
8 Frankreich zwischen den Weltkriegen: Analyse der stilistischen Entwicklung zwischen Art déco und puristischer Gestaltung sowie dem Einfluss des Bauhauses.
9 Schlussbemerkung: Der Bengel-Schmuck zwischen Art déco und Design: Zusammenfassende Einordnung des Jakob Bengel-Modeschmucks als Synthese verschiedener gestalterischer Strömungen.
Weltausstellung, Industriedesign, Kunstgewerbe, Gottfried Semper, Arts and Crafts, John Ruskin, William Morris, Jugendstil, Deutscher Werkbund, Bauhaus, Art déco, Le Corbusier, Jakob Bengel, Schmuckdesign, Industrialisierung.
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der industriellen Gestaltung im 19. und frühen 20. Jahrhundert, um die Ursprünge und Besonderheiten des Modeschmucks der Firma Jakob Bengel aus Idar-Oberstein wissenschaftlich zu fundieren.
Die zentralen Themen sind die Weltausstellung 1851, die englische Reformbewegung (Arts and Crafts), der Deutsche Werkbund, das Bauhaus und die französische Moderne, insbesondere das Art déco.
Das Ziel ist es, den Bengel-Schmuck, der eine einzigartige Kombination aus maschineller Fertigung und moderner Ästhetik darstellt, in den großen geschichtlichen Bogen der industriellen Formgebung einzuordnen.
Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, bei der sie primäre Quellen und zeitgenössische Schriften (wie die von Semper, Morris oder Loos) auswertet, um Prinzipien der industriellen Gestaltung herauszuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung einflussreicher Bewegungen und Persönlichkeiten (z.B. Semper, Behrens, van de Velde, Gropius), die das Verständnis von Design, Materialgerechtigkeit und Funktion maßgeblich geprägt haben.
Wichtige Begriffe sind Industrialisierung, Designgeschichte, Schmuckproduktion, Maschinelle Fertigung, Funktionalismus, Ornamentik und kulturelle Identität.
Die Weltausstellung machte die Diskrepanz zwischen industrieller Produktion und schlechter, überladener künstlerischer Formgebung bewusst, was Reformer wie Semper dazu bewegte, Prinzipien für eine moderne, industrieangemessene Gestaltung zu formulieren.
Die Firma Jakob Bengel dient als praktisches Fallbeispiel für eine gelungene Synthese aus moderner, maschineller Formensprache und ästhetischem Anspruch, die aus den untersuchten geschichtlichen Lernprozessen resultierte.
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