Bachelorarbeit, 2016
63 Seiten, Note: 1,0
1 Karnismus & das Unbehagen der Soziologie an dem Mensch-Tier-Verhältnis
2 Karnismus: Über die soziale Konstruktion des Fleischkonsums
2.1 Die Soziologie und die Mensch-Tier-Verhältnisse
2.2 Theorien der Soziologie
2.2.1 Soziale Konstruktion der Wirklichkeit & Sozialisierung
2.2.2 Habitus & Sozialisierung
2.3 Theorien der Soziologie & das Mensch-Tier-Verhältnis
2.3.1 Social Dominance Theory, Verdinglichung & Entindividualisierung
2.3.2 Die gesellschaftliche Konstruktion des „Tiers“
2.3.3 Karnismus und Fleischkonsum
2.3.3.1 Fleischkonsum aktuell
2.3.3.2 Karnismus & die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
2.3.3.3 Karnismus & Habitus
2.3.3.4 Die karnistischen Abwehrmechanismen Verdinglichung und Entindividualisierung in der tierlichen Nahrungsmittelindustrie
3 Karnismus-Forschung: Quo vadis?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Karnismus aus soziologischer Perspektive und analysiert, wie Fleischkonsum gesellschaftlich konstruiert und durch psychologische sowie soziale Mechanismen legitimiert wird. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie klassische soziologische Theorien zum Verständnis der Mensch-Tier-Beziehung beitragen können.
2.3.3.4 Die karnistischen Abwehrmechanismen Verdinglichung und Entindividualisierung in der tierlichen Nahrungsmittelindustrie
Nach diesem ausführlichen Überblick über Karnismus, wird im Folgenden nun mehr im Detail auf zwei seiner Abwehrmechanismen, Verdinglichung und Entindividualisierung, eingegangen. Wie bereits an anderer Stelle dargelegt wurde, helfen unter anderem diese Mechanismen von Menschen, die Fleisch essen, dabei, die kognitive Dissonanz, die bei der Ambivalenz zwischen Werten (Ich bin gegen Tierquälerei) und Praktiken (Ich esse das Fleisch getöteter Tiere) entsteht, abzumildern. Es kann also davon ausgegangen werden, dass diese Abwehr- oder Schutzmechanismen, bei Menschen, die nichtmenschliche Tiere nicht nur essen, sondern auch schlachten, mindestens genauso stark vorhanden sein müssen, wenn nicht sogar noch mehr.
Insgesamt genießt die Fleischindustrie nicht gerade einen sehr guten Ruf in Deutschland, wie auch an vielen anderen Orten dieser Erde. Zudem kommt nicht nur der Umstand hinzu, dass Arbeiter_innen in der tierlichen Nahrungsmittelindustrie in einem unvergleichen Ausmaß ausgebeutet werden: In Deutschland sind viele zum Beispiel von Subunternehmen illegal eingestellte Einwander_innen aus Osteuropa, die unter zahlreichen Arbeitsrechts- und Menschenrechtsverletzungen, sowie anderen Missständen leiden, wie zum Beispiel mangelnde Verträge, Lohndumping, bis zu 16 Arbeitsstunden pro Tag, illegale Videoüberwachung (inklusive in Toiletten und in der Umkleide), Unterbringung in Massenunterkünften, Obdachlosigkeit, Infektionen mit multiresistenten Keimen, mangelnde Krankenversicherungen oder auch die Aussortierung von Frauen für die Prostitution. Hinzu kommt eine weltweite tendenzielle Abneigung gegenüber Menschen, die nichtmenschliche Tiere schlachten.
1 Karnismus & das Unbehagen der Soziologie an dem Mensch-Tier-Verhältnis: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, warum die Soziologie nichtmenschliche Tiere lange Zeit ignoriert hat und stellt die Relevanz der Animal Studies für ein erweitertes Verständnis der Mensch-Tier-Beziehung dar.
2 Karnismus: Über die soziale Konstruktion des Fleischkonsums: Das zentrale Kapitel beleuchtet theoretische Grundlagen der sozialen Konstruktion der Wirklichkeit und des Habitus, um das System des Karnismus als sozial konstruierte Weltsicht zu analysieren.
3 Karnismus-Forschung: Quo vadis?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Einbeziehung der Mensch-Tier-Verhältnisse in die soziologische Forschung, um bisher unsichtbare Machtstrukturen und Abwehrmechanismen aufzudecken.
Karnismus, Fleischkonsum, Soziologie, Sozialisation, Mensch-Tier-Verhältnis, Habitus, Verdinglichung, Entindividualisierung, Speziesismus, Social Dominance Theory, Konstruktion der Wirklichkeit, Tierethik, Human-Animal Studies, Legitimierung, Machtstrukturen.
Die Arbeit untersucht den Fleischkonsum aus soziologischer Sicht und beleuchtet das System des „Karnismus“ als eine tief verwurzelte, gesellschaftlich konstruierte Ideologie.
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Wirklichkeit, die Habitus-Theorie nach Bourdieu, die Mechanismen der Verdinglichung und Entindividualisierung sowie die Machtstrukturen in der Fleischindustrie.
Ziel ist es, zu analysieren, wie Fleischkonsum in westlichen Kulturen als normal und natürlich wahrgenommen wird und welche psychologischen und sozialen Schutzmechanismen diesen Prozess stützen.
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse klassischer soziologischer Konzepte, ergänzt durch neuere Ansätze der Human-Animal Studies und eine kritische Diskursanalyse.
Im Hauptteil werden Theorien der sozialen Konstruktion (Berger/Luckmann) und des Habitus (Bourdieu) mit der Karnismus-Theorie (Melanie Joy) verknüpft, um die institutionelle und subjektive Internalisierung des Fleischkonsums zu erklären.
Schlüsselbegriffe sind Karnismus, soziale Konstruktion, Habitus, Verdinglichung, Mensch-Tier-Verhältnis und Speziesismus.
Während Verdinglichung Lebewesen zu bloßen Objekten oder Waren degradiert, bezeichnet Entindividualisierung den Prozess, bei dem einem Individuum seine einzigartigen Charakterzüge abgesprochen werden, um es als bloße Abstraktion seiner Gruppe wahrzunehmen.
Der Autor zeigt auf, dass Schlachter in vielen Kulturen historisch als „unrein“ galten, da sie den moralischen Frevel des Tötens auf sich nehmen und so die übrige Gesellschaft von der unmittelbaren Konfrontation mit der Gewalt entlasten.
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