Examensarbeit, 2001
154 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Menschenbild
2.1 Humanistisches Menschenbild
2.2 Das Bild des Kindes
3. Bewegung
3.1 Grundsätzliches zur Bewegung
3.2 Bewegung als anthropologisches Grundbedürfnis von Kindern
3.2.1 Der kindliche Bewegungsdrang
3.2.2 Anthropologische Annahmen bezüglich Kinder und Bewegung
3.3 Faktoren und Voraussetzungen für die Bewegungsentwicklung
4. Kindheit heute
4.1 Zum Verständnis von Kindheit
4.2 Kindliche Lebens- und Bewegungswelt im Wandel
4.2.1 Veränderte Lebenswelt
4.2.2 Veränderte Bewegungsumwelt
4.2.2.1 Zum Begriff „Bewegungsumwelt“
4.2.2.2 Bewegungsumwelt im historischen Wandel
5. Das Bewegungsverhalten von Kindern heute
5.1 Gesellschaftlich vorherrschender Tenor
5.2 Anmerkungen zur „Defizithypothese“ in aktuellen Diskursen über Kinder und Bewegung
5.2.1 Kinder als aktive Gestalter ihrer Umwelt
5.3 Wie bewegen sich Kinder heute?
5.3.1 Informelle Bewegungsaktivität
5.3.1.1 Neue Bewegungsszenen
5.3.2 Formelle Vereinsaktivität
5.3.3 Kindersportkultur
6. Zusammenfassende Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das aktuelle Bewegungsverhalten von Kindern in einer als ambivalent wahrgenommenen Umwelt. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der oft beklagten "Bewegungsarmut" und der beobachtbaren hohen Aktivität sowie der Kreativität von Kindern in informellen Räumen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
3.1 Grundsätzliches zur Bewegung
Der Begriff „Bewegung“ hat in naturwissenschaftlich orientierten Disziplinen eindeutige definitorische Bestimmung gefunden. In der Physik bedeutet Bewegung „die Änderung der Lage (Ortsveränderung) eines Körpers mit der Zeit“ (BAUMANN 1992, 73).
Biologisch gesehen ist Bewegung „ein Kennzeichen lebender Organismen“, während aktive Bewegung auf „Energiefreisetzung durch den Stoffwechsel des Organismus“ beruht (vgl. BROCKHAUS GmbH, „dtv-Lexikon“, München 1999, 245).
Diese Definitionen von Bewegung sind für sportpädagogische- oder sportwissenschaftliche Fragestellungen jedoch nicht ausreichend. Sie werden der Komplexität der Bewegung des Menschen als eine primär zielgerichtete, an Problemlösung orientierte Bewegung nicht gerecht. In der allgemeinen Verwendung des Begriffs im Sport und entsprechenden Fragestellungen ist daher unter Bewegung die „menschliche Bewegung“ zu verstehen.
Die Betrachtung der menschlichen Bewegung kann wiederum von verschiedenen Ebenen aus erfolgen, sie kann sich an verschiedenen wissenschaftstheoretischen Positionen orientieren und dabei verschiede Positionen einnehmen (vgl. MECHLING 1992, 73).
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Bewegungsverhaltens von Kindern und Darstellung der widersprüchlichen Ausgangslage zwischen Bewegungsmangel und neuen Sportmöglichkeiten.
2. Das Menschenbild: Erläuterung des humanistischen Menschenbildes als Grundlage der Arbeit, welches das Kind als aktives, selbsttätiges Wesen begreift.
3. Bewegung: Wissenschaftliche und anthropologische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Bewegung sowie deren Bedeutung als Grundbedürfnis von Kindern.
4. Kindheit heute: Analyse des Wandels kindlicher Lebenswelten, insbesondere unter dem Einfluss von Modernisierungsprozessen, Mediatisierung und veränderten Familienstrukturen.
5. Das Bewegungsverhalten von Kindern heute: Eingehende Betrachtung der aktuellen Bewegungssituation von Kindern, kritische Reflexion der Defizithypothesen und Darstellung informeller sowie formeller Aktivitätsformen.
6. Zusammenfassende Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, in der die Autorin ihre eigene Stellungnahme zur Fragestellung "Stubenhocker oder Springinsfeld?" abgibt.
Bewegungserziehung, Kindheit, Kindheitsforschung, Sportpädagogik, Bewegungsverhalten, Bewegungsmangel, Defizithypothese, Asphaltkultur, Motorik, Sozialisation, Lebenswelt, Körpererfahrung, Humanistische Psychologie, Kindersportkultur, informelle Bewegung.
Die Arbeit analysiert das gegenwärtige Bewegungsverhalten von Grundschulkindern in einer sich wandelnden, ambivalenten Umwelt.
Die Arbeit fokussiert auf den Wandel der kindlichen Lebenswelt, anthropologische Grundlagen der Bewegung, informelle Bewegungsräume und die Institutionalisierung von Sport.
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der oft einseitigen Behauptung eines "drastischen Bewegungsverlusts" von Kindern durch die Gegenüberstellung von "Defizithypothesen" und empirischen Beobachtungen zur kreativen Eigenaktivität.
Es handelt sich um eine wissenschaftliche Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der kritischen Reflexion bestehender Studien und Ansätze der Sportpädagogik basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung (Menschenbild, Bewegung als Grundbedürfnis), die Analyse der veränderten Kindheit (Lebenswelt, Bewegungsumwelt) und die spezifische Untersuchung des Bewegungsverhaltens (Tenor, informelle/formelle Aktivitäten).
Wichtige Begriffe sind Kindheitsforschung, Sportpädagogik, Asphaltkultur, Bewegungsarmut, motorische Leistungsfähigkeit und Sozialisation.
Sie steht der "Defizithypothese" kritisch gegenüber und argumentiert, dass Kinder weiterhin aktive Gestalter ihrer Welt sind, wenn man ihnen den nötigen Raum und Freiraum lässt.
Diese Szenen werden als Beweis für die Kreativität von Kindern gewertet, die urbane "tote" Räume durch informelle Bewegungshandlungen aktiv zurückerobern.
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