Bachelorarbeit, 2016
52 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Analyserahmen und Ausdifferenzierung
3. Nachkriegszeit
3.1. Konferenzen von Jalta, Teheran und Potsdam
3.2 Flucht, Vertreibung und „ethnische Säuberungen“
3.3 Ankunft und Aufnahme in Deutschland
3.3.1 Zwischen Ablehnung und Akzeptanz
3.3.2 Assimilation und Integration
4. Die Flüchtlingskrise des 21. Jahrhunderts
4.1 Die Krisen und ihre Konsequenzen
4.1.1 Die Alternativlosigkeit der Flucht
4.1.2 Der Weg in Inhaftierung, Abschiebung und Tod
4.2 Deutsche Entwicklungspolitik
4.3 Deutsche Migrations- und Integrationspolitik
4.3.1 Ambivalenz in Öffentlichkeit und Politik
4.3.2 Das Für und Wider von Migration
4.3.3 Die Notwendigkeit von Integration
4.3.4 Die kontroverse Rolle des Islam
5. Mit den Lehren der Vergangenheit in die Zukunft?
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Flüchtlingskrise des 21. Jahrhunderts durch eine wissenschaftliche Gegenüberstellung mit der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg, um politische und soziale Lehren für die heutige Migrations- und Integrationspolitik abzuleiten.
3.2 Flucht, Vertreibung und „ethnische Säuberungen“
Nicht nur aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei ergriffen die Deutschen, die nicht vom NS-Regime evakuiert wurden die Flucht, sondern auch in den südöstlichen Regionen Europas, Rumänien, Jugoslawien und Kroatien kam es zu massiven Fluchtbewegungen. Dass die Vertreibungen die Konsequenz des deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieges in Osteuropa waren, ist unstrittig. Doch schon vor den geplant durchgeführten Zwangsumsiedlungen mussten jene Deutschen, welche es nicht geschafft hatten, sich vor der Roten Armee in Sicherheit zu bringen, schmerzlich erfahren, dass der Krieg, den Hitler begonnen hatte, einen ungeheuren Hass auf die deutsche Bevölkerung freisetzte.
Plünderungen, Morde und Vergewaltigungen ebenso wie Zwangsarbeit und Deportationen in Arbeitslager und Offiziersbordelle der Sowjetunion prägten die Racheakte des sowjetischen Militärs und ihrer Führungsriege. Ähnlich wäre es wohl auch Familie Goldbecher aus dem Tatra-Bezirk im Osten der Tschechoslowakei ergangen, hätte sie nicht im Mai 1944 den Weg bis kurz vor die bayrische Grenze auf sich genommen. „Ich war noch zu jung um völlig zu verstehen, was da vor sich ging. Man sagte immer nur: ´Die Russen und Partisanen kommen und massakrieren die Deutschen´. Deshalb sind wir geflohen“.
Angst hatte auch Familie Tschiesche aus Böhmisch-Leipa im Westen der Tschechoslowakei, jedoch vielmehr „[…] vor der tschechischen Armee und deren Partisanen. Die Russen galten für uns eher als Beschützer“. Man geht heute davon aus, dass die brutale Vorgehensweise der Roten Armee sowie ihrer Verbündeten vor allem in Polen ein Mittel zum Zweck war, um durch Panik die Flucht der Deutschen zu beschleunigen und Platz für die polnische Bevölkerung zu schaffen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle humanitäre Situation an den europäischen Außengrenzen und stellt die Forschungsfrage nach der Vergleichbarkeit mit der Flüchtlingsproblematik der Nachkriegszeit.
2. Analyserahmen und Ausdifferenzierung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe „Flucht“, „Vertreibung“ und „Migration“ und legt das wissenschaftliche Vergleichsmodell fest, das auf vier Variablen basiert.
3. Nachkriegszeit: Der historische Teil analysiert die politischen Beschlüsse der Siegermächte und die daraus resultierenden Flucht- und Vertreibungsbewegungen sowie deren Integration.
4. Die Flüchtlingskrise des 21. Jahrhunderts: Hier werden die aktuellen Ursachen und Migrationsfaktoren sowie die deutsche Entwicklungs- und Integrationspolitik detailliert untersucht und diskutiert.
5. Mit den Lehren der Vergangenheit in die Zukunft?: Das Fazit zieht eine Bilanz aus den historischen und aktuellen Erkenntnissen und bewertet die Möglichkeiten einer zukünftigen Migrationsstrategie.
Migration, Flucht, Vertreibung, Nachkriegszeit, Integration, Assimilation, Flüchtlingskrise, Deutschland, Identität, Entwicklungspolitik, Islam, Sicherheitsfaktoren, Sozialstaat, Europäische Union, Bevölkerungswandel
Die Arbeit analysiert Flucht, Vertreibung und Migration durch einen Vergleich zwischen der Situation nach dem Zweiten Weltkrieg und der gegenwärtigen Flüchtlingskrise des 21. Jahrhunderts.
Die zentralen Themen sind historische Ursachen von Flucht, moderne Migrationsfaktoren, die Rolle der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sowie die gesellschaftliche Integration und der öffentliche Diskurs.
Ziel ist es zu untersuchen, ob und inwieweit die deutsche Politik und Gesellschaft aus der Bewältigung der Vertreibungen nach 1945 Lehren für die heutige, aktuelle Flüchtlingskrise ziehen können.
Die Arbeit nutzt ein Vergleichsmodell basierend auf vier Variablen: Kultur und Identität, Innenpolitik, Außenpolitik und öffentliche Meinung, um die Dynamiken beider Krisen deduktiv zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Aufarbeitung der Nachkriegszeit, die Analyse der heutigen Fluchtursachen sowie eine tiefe Untersuchung der deutschen Migrations-, Integrations- und Entwicklungspolitik.
Migration, Flüchtlingskrise, Integration, Vertreibung, Identitätsbildung und politische Strategien zur Ursachenbekämpfung.
Der Autor hinterfragt die Integrierbarkeit islamischer Normen bei gleichzeitiger Ablehnung pauschaler Islamfeindlichkeit und betont, dass Integrationsschwierigkeiten oft eher soziologisch als rein religiös begründet sind.
Die Interviews bieten eine wertvolle, subjektive Perspektive auf die Entbehrungen der Flucht und die Schwierigkeiten bei der Ankunft, die als empirische Basis für das Verständnis der historischen Situation dienen.
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