Masterarbeit, 2017
110 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Computergestützte Kommunikation in der Zusammenarbeit
2.1 Das Forum als Kommunikationsmittel
2.2 Pausen in der Kommunikation
3. Chronemics
3.1 Dimensionen
3.2 Zeitnahe Kommunikation und Reaktionszeiten
3.3 Nonverbale Signale als soziale Hinweisreize
3.3.1 Modell der Kanalreduktion
3.3.2 Reduced Social Cues Theory
3.3.3 Social Information Processing Theory
4. Verletzte Erwartungen
4.1 Nonverbal Expectancy Violations Theory
4.2 Modell der Nonverbal Expectancy Violations Theory
4.3 Adaptiertes Modell der Nonverbal Expectancy Violations Theory
5. Auswirkungen: Kommunikation und Beziehungen
5.1 Beziehungsqualität
5.2 Kommunikationsqualität
5.3 Wechselwirkungen zwischen Kommunikation und Beziehungen
5.4 Strategische Kommunikation und Kommunikationsmuster
6. Empirische Studie
6.1 Forschungsfragen
6.2 Forschungskontext und -gegenstand
6.3 Methodik
6.3.1 Grundgesamtheit und Rücklauf
6.3.2 Erhebungsinstrument
6.3.3 Datenanalyse
6.3.4 Untersuchungsablauf
6.4 Ergebnisse
6.4.1 Stichprobenbeschreibung
6.4.2 Deskriptive Ergebnisse
6.4.3 Korrelationen
6.4.4 Regressionen
7. Zusammenfassung und Diskussion
7.1 Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen
7.2 Zusammenfassung der Ergebnisse
7.3 Diskussion der Ergebnisse
7.4 Kritische Betrachtung der Studie
7.5 Ausblick und Empfehlungen für Forschung und Praxis
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen von Erwartungsverletzungen, die durch zu lange Reaktionszeiten in der asynchronen, computervermittelten Kommunikation entstehen, auf die Kommunikations- und Beziehungsqualität innerhalb von virtuellen Projektgruppen.
3.2 Zeitnahe Kommunikation und Reaktionszeiten
Die wichtigste Unterdimension der Chronemics bildet für diese Arbeit die Reaktionszeit. Damit ist die Zeit gemeint, die vergeht, bis eine Antwort auf einen Beitrag erhalten wird. Reaktionszeiten sind demnach gleichzusetzten mit der Länge der Pausen in der computervermittelten Interaktion (Döring & Pöschl, 2011). Kurze Reaktionszeiten als sozialer Hinweisreiz können als zwischenmenschliche Nähe, Dringlichkeit, Fürsorge, Präsenz und sogar als Gehorsamkeit interpretiert werden (Walther & Tidwell, 1995).
Kalman und Rafaeli (2011) sowie Panteli und Fineman (2005) fanden heraus, dass ungewöhnlich lange Reaktionszeiten die Wahrnehmung der Kommunikation und die Effektivität der virtuellen Zusammenarbeit negativ beeinflussen können. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Erwartungshaltungen verletzt werden (Kalman et al., 2006a).
Feenberg (1989) erklärt, dass die Erwartungshaltung an kurze Reaktionszeiten, aufgrund der Geschwindigkeit, mit der selbst asynchrone Nachrichten übermittelt werden können, geschürt wird. Durch diese Erwartungshaltungen können unüblich lange Pausen als Zeichen für Zurückweisung oder Gleichgültigkeit gesehen werden - außer es gibt eine plausible Erklärung dafür. Feenberg lässt dabei allerdings Spekulationen über Schwankungen in Reaktionszeiten sowie die potentiellen Effekte von schnelleren versus längeren Reaktionszeiten, in verschiedenen beziehungsabhängigen Kontexten, außen vor (Walther & Tidwell, 1995). Denn Jemanden warten zu lassen oder schnell zu antworten, kann ein effektiver Weg sein, um einen gewissen qualitativen Aspekt der gegenseitigen Beziehung zu bekräftigen (Döring & Pöschl, 2011). In der computervermittelten Kommunikation weißt beispielsweise schnelles Antwortverhalten auf soziale Nähe zwischen den Interaktionspartnern hin (Walther & Tidwell, 1995).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der computervermittelten Kommunikation ein und formuliert die Forschungsfragen zur Auswirkung von Erwartungsverletzungen durch Reaktionszeiten.
2. Computergestützte Kommunikation in der Zusammenarbeit: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung digitaler Kommunikation für Organisationen sowie die spezifischen Charakteristika von Foren und Kommunikationspausen.
3. Chronemics: Hier wird der Faktor Zeit in der digitalen Kommunikation definiert und als soziales Signal sowie Hinweisreiz theoretisch verortet.
4. Verletzte Erwartungen: Dieses Kapitel führt die Nonverbal Expectancy Violations Theory ein, um zu erklären, wie und warum das Ausbleiben zeitnaher Reaktionen als Verletzung wahrgenommen wird.
5. Auswirkungen: Kommunikation und Beziehungen: Die theoretischen Auswirkungen auf die Beziehungs- und Kommunikationsqualität werden anhand der Relational Coordination Theory erarbeitet.
6. Empirische Studie: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, die Datenerhebung via Online-Befragung sowie die statistische Analyse der Ergebnisse.
7. Zusammenfassung und Diskussion: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, diskutiert diese kritisch und gibt Empfehlungen für Forschung und Praxis.
Computervermittelte Kommunikation, Chronemics, Reaktionszeiten, Erwartungsverletzungen, Nonverbal Expectancy Violations Theory, Relational Coordination Theory, Kommunikationsqualität, Beziehungsqualität, Virtuelle Projektgruppen, Digitale Zusammenarbeit, Asynchrone Kommunikation, Soziale Hinweisreize, Online-Foren, Arbeitskoordination, empirische Studie.
Die Arbeit untersucht, welche Auswirkungen lange Reaktionszeiten und die damit verbundenen Erwartungsverletzungen auf die Effektivität und die Beziehungsstruktur in virtuellen Projektgruppen haben.
Die Schwerpunkte liegen auf der Bedeutung von Zeit in der asynchronen Kommunikation, der Theorie der Erwartungsverletzungen (Expectancy Violations) und den Konzepten der Kommunikations- und Beziehungsqualität im Rahmen der Relational Coordination Theory.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob ein signifikanter Zusammenhang zwischen verzögerten Antworten in Foren und einer sinkenden Kommunikations- sowie Beziehungsqualität in virtuellen Arbeitsgruppen besteht.
Es wird eine empirische Querschnittstudie in Form einer standardisierten Online-Befragung von 31 Studierenden durchgeführt, deren Daten mittels statistischer Korrelations- und Regressionsanalysen ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende theoretische Fundierung zu Chronemics, Erwartungsverletzungen und relationaler Koordination sowie einen umfangreichen empirischen Teil zur Überprüfung der aufgestellten Annahmen.
Die wichtigsten Begriffe sind Chronemics, Erwartungsverletzungen, computervermittelte Kommunikation, Relational Coordination Theory und Reaktionszeiten.
Basierend auf den Analysen hat sich ein Wert von etwa 24 Stunden als wichtiger Anhaltspunkt für Erwartungen an Reaktionszeiten im universitären Foren-Kontext herauskristallisiert.
Die Studie zeigt, dass Erwartungsverletzungen durch lange Pausen die wahrgenommene Kommunikationsqualität und Beziehungsqualität innerhalb einer virtuellen Projektgruppe signifikant negativ beeinflussen.
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