Bachelorarbeit, 2017
46 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Pferd-Mensch-Beziehung und ihre Wirkung
3. Gesundheitsförderung durch körperliche Aktivität – theoretische Hintergründe
3.1. Gesundheitssport
3.1.1. Physische Komponente
3.1.2. Psychische Komponente
3.2. Reiten und die sechs Kernziele des Gesundheitssports
3.2.1. Kernziel 1 – Stärkung physischer Gesundheitsressourcen
3.2.2. Kernziel 2 – Prävention von Risikofaktoren
3.2.3. Kernziel 3 – Stärkung psychosozialer Ressourcen
3.2.4. Kernziel 4 – Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden
3.2.5. Kernziel 5 – Bindung an gesundheitssportliches Verhalten
3.2.6. Kernziel 6 – Schaffung und Optimierung unterstützender Settings
4. Die gesundheitsfördernde Auswirkung des Reitsports – Erklärung anhand gesundheitspsychologischer Theorien
4.1. Reiten und die Theorie des geplanten Verhaltens
4.2. Reiten und das Transtheoretische Modell
4.3. Reiten und die Flow-Theorie
4.4. Reiten und das Sport-Kommitment-Modell
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen bezüglich der gesundheitsfördernden Auswirkungen des Reitsports
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Eignung des Reitsports als Mittel zur allgemeinen Gesundheitsförderung zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern der Umgang mit Pferden und das Reiten dazu beitragen können, Menschen zu einer regelmäßigen körperlichen Aktivität zu motivieren und psychisch sowie physisch zu stärken.
Die Pferd-Mensch-Beziehung und ihre Wirkung
Bevor in dieser Arbeit detailliert auf das Reiten als Gesundheitssport eingegangen wird, ist es zunächst sinnvoll, die Beziehung zwischen Mensch und Pferd sowie deren Wirksamkeit genauer zu betrachten, um zu verstehen, warum gerade diese einen ausschlaggebenden Punkt für eine gelingende Verhaltensänderung und Bindung an den Sport darstellt.
Der Kontakt sowie eine daraus resultierende Beziehung zu anderen Lebewesen war für den Mensch historisch betrachtet stets eine Anregung für dessen Entwicklung und beeinflusste sein Verhalten und Befinden. So änderte sich im Wandel der Zeit der Blickpunkt auf die Rolle des Pferdes, welches über die Aufgabe als Nahrungsquelle und reines Arbeitstier hinaus zu einem Partner und Freund wurde. Grundlage dieser veränderten Sichtweise ist unter anderem die Fähigkeit des Menschen, dem Pferd eine Persönlichkeit zuzuschreiben, es damit als „Du“ zu erleben und zu respektieren (Vernooij & Schneider, 2010). „Tiere als Individuen mit menschlichen Eigenschaften zu sehen, ist eine wichtige Grundlage für ein Gefühl der Verbundenheit [...] und wird das eigene Verhalten gegenüber [ihnen] prägen“ (Saumweber, 2009, S. 87).
Der deutsche Denk- und Sprachpsychologe Karl Bühler (1879 – 1963) nannte diese beschriebene Fähigkeit 1922 erstmals Du-Evidenz. Dabei bezog er seine Überlegungen jedoch ausschließlich auf den zwischenmenschlichen Bereich. Neun Jahre später übertrug der Soziologe Theodor Geiger (1891 – 1952) den Begriff im Rahmen seines Aufsatzes „Das Tier als geselliges Subjekt“ erstmals auf die Tier-Mensch-Beziehung. Für die Entwicklung der Du-Evidenz spielen hierbei ganz besonders die persönlichen Erfahrungen sowie eine authentische Gefühlslage für das Gegenüber eine große Rolle. Geiger geht davon aus, dass es unter diesen Voraussetzungen möglich ist, Empathie für Tiere zu empfinden. Gerade das Pferd, welches als sozial lebendes Tier dem Menschen sehr ähnliche Grundbedürfnisse besitzt, wird als adäquater Begleiter für emotionale und soziale Beziehungen erkannt (Vernooij & Schneider, 2010). Seine Beziehungsfähigkeit bedarf dabei keiner verbalen Kommunikation, allein die Körpersprache reicht aus, um zum Beispiel Dienstbereitschaft oder auch Ablehnung auszudrücken.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der Gesundheitsförderung in einer bewegungsarmen Gesellschaft und skizziert die methodische Anwendung psychologischer Theorien auf den Reitsport.
2. Die Pferd-Mensch-Beziehung und ihre Wirkung: Dieses Kapitel beleuchtet die historische und psychologische Entwicklung der Beziehung zwischen Mensch und Pferd und erklärt Konzepte wie die Du-Evidenz und die Biophilie-Hypothese.
3. Gesundheitsförderung durch körperliche Aktivität – theoretische Hintergründe: Hier werden Grundlagen des Gesundheitssports definiert und die sechs Kernziele des Gesundheitssports auf das Reiten angewendet.
4. Die gesundheitsfördernde Auswirkung des Reitsports – Erklärung anhand gesundheitspsychologischer Theorien: Dieses zentrale Kapitel analysiert den Reitsport mithilfe der Theorie des geplanten Verhaltens, des Transtheoretischen Modells, der Flow-Theorie und des Sport-Kommitment-Modells.
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen bezüglich der gesundheitsfördernden Auswirkungen des Reitsports: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont das Potenzial des Reitens als Lifetime-Sport zur physischen und psychischen Stärkung bei gleichzeitiger Notwendigkeit weiterer Forschung.
Reitsport, Gesundheitsförderung, Gesundheitssport, Pferd-Mensch-Beziehung, Sportpsychologie, Gesundheitspsychologie, Verhaltensänderung, Motivation, Bindung, Selbstwirksamkeit, Flow-Erleben, Sportfreude, Prävention, Lebensqualität, Bewegungsapparat.
Die Arbeit untersucht die gesundheitsfördernden Potenziale des Reitens und wie diese wissenschaftlich durch Theorien aus der Gesundheits- und Sportpsychologie erklärt werden können.
Die zentralen Themen umfassen die psychologische Bedeutung der Mensch-Pferd-Beziehung, die Einordnung des Reitens als Gesundheitssport sowie die Motivationsmechanismen, die zu einer dauerhaften Bindung an diesen Sport führen.
Das Ziel ist es, zu begründen, unter welchen Voraussetzungen Reiten eine wirksame Gesundheitsförderung darstellt und wie Menschen motiviert werden können, Reiten als regelmäßige sportliche Aktivität in ihren Alltag zu integrieren.
Es werden vier spezifische Modelle angewandt: Die Theorie des geplanten Verhaltens, das Transtheoretische Modell, die Flow-Theorie und das Sport-Kommitment-Modell.
Im Hauptteil wird zunächst das Konzept des Gesundheitssports definiert und auf den Reitsport übertragen, bevor die genannten psychologischen Theorien genutzt werden, um Motivation, Stadien der Verhaltensänderung und die Bedeutung von Sportfreude beim Reiten zu analysieren.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Selbstwirksamkeit, psychosoziale Ressourcen, Bindungsaufbau, Prävention und das besondere Beziehungsgefüge zwischen Reiter und Pferd.
Das Pferd wird als emotionaler Partner wahrgenommen. Diese spezielle Verbindung kann die Selbstwirksamkeit stärken, Stress abbauen und eine emotionale Bindung schaffen, die die Motivation zur Aufrechterhaltung des Sports fördert.
Das Modell erklärt, dass Menschen beim Einstieg in den Reitsport verschiedene Phasen durchlaufen – von der bloßen Absichtsbildung bis zur langfristigen Aufrechterhaltung –, wobei Rückfälle, etwa durch Angst nach einem Sturz, ein natürlicher Teil dieses dynamischen Prozesses sind.
Beim Reiten kann durch absolute Fokussierung und das Verschmelzen mit den Bewegungen des Pferdes ein Flow-Zustand entstehen, der als sehr angenehm empfunden wird und als starker Ansporn dient, das Reiten weiterhin auszuüben.
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