Masterarbeit, 2018
69 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Körper, Gewalt und Macht im Geschlechterverhältnis
2.1 Interpersonale Machtbeziehungen
2.2 Gesellschaftliche Machtverhältnisse
2.3 Habituskonzept
2.3.1 Herkunft und Ausarbeitung des Begriffs
2.3.2 Praktischer Sinn und soziale Felder
2.3.3 Das Habituskonzept in der Körpersoziologie
2.3.4 Praktische Anerkennung
2.3.5 Symbolische Gewalt
2.3.6 Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit als soziale Praxis
2.3.7 Die männliche Herrschaft
2.3.8 Geschlechtslogik männlichen Gewalthandelns
3 Die weibliche Beschneidung
3.1 Begrifflichkeit
3.2 Beschreibung der Praxis
3.3 Formen von weiblicher Genitalbeschneidung
4 Folgen der Beschneidung für betroffene Mädchen und Frauen
4.1 Körperliche Komplikationen
4.2 Psychologische und sexuelle Folgen
4.3 Die Klitoris und ihre Bedeutung für die weibliche Sexualität
5 Begründungsmuster weiblicher Genitalbeschneidung
5.1 Die Bedeutung von Tradition und Religion
5.2 Sexualität und Heiratsfähigkeit
5.3 Die weibliche Beschneidung als Übergangsritus
5.4 Die weibliche Beschneidung als Form von Gewalt an Frauen
5.5 Abschaffungsstrategien
6 Fazit
Die Arbeit untersucht die tief verwurzelten Beweggründe von Frauen für die Durchführung weiblicher Genitalbeschneidung, indem sie soziologische Machttheorien mit der gelebten Praxis verknüpft, um zu verstehen, warum dieses Phänomen trotz gesundheitlicher Gefahren reproduziert wird und welche Ansätze für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände existieren.
2.3.4 Praktische Anerkennung
Das Konzept des Habitus beschreibt die „soziale Ordnung als eine Ordnung zivilisierter Körper“ und stellt dar, wie gesellschaftliche Verhältnisse und Strukturen in die Körper der Individuen eingeschrieben werden (Meuser 2017). Die Menschen werden „in eine soziale Welt hineingeboren und wenden kognitive Strukturen auf sie an, die aus eben diesen Strukturen der Welt hervorgegangen sind“ (Funder/Sproll 2012: 53). Als Folge ergibt sich eine Übereinstimmung von objektiven und kognitiven Strukturen als eigentliche Basis einer realistischen Theorie von Herrschaft und Politik (ebd.). Die Wirkung gesellschaftlicher Machtverhältnisse verknüpft Bourdieu in dem Begriff der „symbolischen Gewalt“, die von ihm als „Zwang durch den Körper“ beschrieben wird; „alle Macht hat eine symbolische Dimension“ (Bourdieu 1997: 158; 165). Zusätzlich stellt er fest, dass Machtverhältnisse auf die Zustimmung der Beherrschten angewiesen sind; eine freiwillige Entscheidung ist diese Zustimmung allerdings nicht, sondern die Konsequenz aus „der unmittelbaren und vorreflexiven Unterwerfung der sozialisierten Körper“ (ebd.). Zwang und Zustimmung schließen einander nicht aus; durch Inkorporierung werden vielmehr „habituelle Dispositionen“ hervorgebracht, „die ein vorreflexives Einverständnis der Beherrschten mit ihrer Lage erst ermöglichen“ (Meuser 2017: 70). Bourdieu (1997b: 217) bezeichnet dies als „praktische Anerkennung“:
„Die praktische Anerkennung, durch die die Beherrschten oft unwissentlich und manchmal unwillentlich zu ihrer eigenen Beherrschung beitragen, indem sie stillschweigend und im vorhineindie ihnen gesteckten Grenzen akzeptieren, nimmt häufig die Form einer körperlichen Empfindung an (Scham, Schüchternheit, Ängstlichkeit, Schuldgefühl), die nicht selten mit dem Gefühl eines Regredierens auf archaische Beziehungen, auf Kindheit oder familiäre Umgebung einhergeht. Sie setzt sich in sichtbare Symptome wie Erröten, Sprechhemmung, Ungeschicklichkeit, Zittern um: Weisen, sich dem herrschenden Urteil, sei es auch ungewollt, ja, widerwillig zu unterwerfen, Weisen, das unterirdische Einverständnis – wenngleich manchmal in innerem Konflikt, ’innerlich gespalten’ – zu erfahren, das einen Körper, der sich den Anweisungen des Bewußtseins und des Willens entzieht, mit der Gewalt der den Gesellschaftsstrukturen inhärenten Zensuren solidarisiert.“
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Problem der weiblichen Beschneidung als Menschenrechtsverletzung und Ausdruck von Herrschaftsstrukturen, wobei das Ziel der Arbeit, die Beweggründe der Frauen zu verstehen, hervorgehoben wird.
2 Körper, Gewalt und Macht im Geschlechterverhältnis: Dieses Kapitel legt den theoretischen Rahmen dar, indem Macht, Gewalt und der menschliche Körper mittels Bourdieus Habituskonzept und Foucaults Theorien analysiert werden.
3 Die weibliche Beschneidung: Es erfolgt eine begriffliche Einordnung sowie eine detaillierte Beschreibung der Praxis und ihrer verschiedenen medizinischen Ausprägungen.
4 Folgen der Beschneidung für betroffene Mädchen und Frauen: Das Kapitel beleuchtet die akuten und chronischen körperlichen sowie die psychologischen und sexuellen Auswirkungen der Beschneidung.
5 Begründungsmuster weiblicher Genitalbeschneidung: Hier werden die gesellschaftlichen, religiösen und traditionellen Motive analysiert, die zur Legitimierung und Aufrechterhaltung des Brauchs führen.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Beschneidung tief in ein System aus symbolischer Gewalt und sozialem Druck eingebettet ist, das erst durch umfassende sozioökonomische Veränderungen aufgelöst werden kann.
Weibliche Beschneidung, Genitalverstümmelung, Habituskonzept, Pierre Bourdieu, symbolische Gewalt, Geschlechterverhältnis, Machtstrukturen, Tradition, Religion, körperliche Folgen, psychologische Auswirkungen, Heiratsfähigkeit, Patriarchat, Fremdbestimmung, Identitätsbildung
Die Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der weiblichen Genitalbeschneidung und analysiert, warum dieser Brauch, obwohl er mit gravierenden gesundheitlichen Risiken verbunden ist, in vielen Gesellschaften aufrechterhalten wird.
Die Untersuchung deckt ein breites Spektrum ab: von den theoretischen Grundlagen zu Macht und Gewalt (u.a. nach Bourdieu), über die medizinischen und psychologischen Folgen bis hin zu den soziokulturellen Begründungsmustern.
Das Ziel ist es, die Beweggründe der Frauen herauszuarbeiten, die den Brauch aktiv unterstützen oder reproduzieren, um eine tiefere Einsicht in die sozialen Zwangslagen und Machtstrukturen zu erlangen.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der soziologischen Fundierung durch das Habituskonzept, körpersoziologischen Analysen und der Auswertung von vorhandener Literatur basiert.
Im Hauptteil werden zunächst Macht- und Herrschaftsverhältnisse theoretisch hergeleitet, dann die Praxis der Beschneidung und ihre Folgen diskutiert und abschließend die verschiedenen Begründungsmuster analysiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem weibliche Beschneidung, symbolische Gewalt, Habitus, Machtverhältnisse, Tradition, soziale Kontrolle und Gender.
Die Autorin verwendet durchgängig den Begriff "weibliche Beschneidung", um eine voreingenommene, eurozentrische Bewertung zu vermeiden und die Perspektive der betroffenen Frauen respektvoll zu integrieren.
Die Beschneidung fungiert als soziale Markierung des Erwachsenwerdens, die erst den Zugang zu gesellschaftlichen Rechten und Pflichten ermöglicht und somit für die Betroffenen zur Voraussetzung für einen akzeptierten sozialen Status wird.
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