Diplomarbeit, 1999
95 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
1.Hauptteil
1.1. Problemszenario
1.2. Terrorismusbekämpfung jenseits rechtsstaatlicher Grenzen 1983-87: Die GAL
1.3. Spanien - eine konsolidierte Demokratie mit dem Wahlsieg der Sozialisten 1982 ?
2. Exekutive
2.1. Die Subordinierung der Armee unter zivile Kontrolle
2.2. Der Antiterrorismus der sozialistischen Regierung 1982-1987
2.3. Die fondos reservados und die Geheimnisse des Staates
2.4. Die versagte Reform der Polizeikräfte
2.5. Zwischenergebnis
3. Legislative
3.1. Parlament und Parteien im Konsolidierungsprozeß
3.2. Das Parlament unter der Regierung des PSOE
3.3. Die Kontrolle des Regierungshandelns als zentrale Funktion des Parlaments
3.4. Die Wahrnehmung der Kontrollfunktion des Parlaments im Caso GAL
3.5. Zwischenergebnis
4. Zivilgesellschaft und Bevölkerungseinstellungen
4.1. Zivilgesellschaft und Konsolidierung
4.1.1. Legitimität und Effizienz
4.2. Die zivilgesellschaftliche Reaktion auf den Caso GAL
4.2.1. Nichtregierungsorganisationen
4.2.2. Medien
4.3. Bevölkerungseinstellungen
4.4. Zwischenergebnis
5. Justiz
5.1. Die juristische Kontrolle und der Rechtsstaatsbegriff in der Konsolidierung
5.2. Die spanische Justiz in der Transitions- und Konsolidierungsphase
5.3. Die Justiz und der Caso GAL
5.4. Zwischenergebnis
6. Schlußteil
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des „Caso GAL“ – einer Reihe staatsterroristischer Aktionen – auf den Konsolidierungsprozess der jungen spanischen Demokratie. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, inwiefern die Aufdeckung dieses Skandals und die nachfolgenden Reaktionen staatlicher sowie zivilgesellschaftlicher Akteure strukturelle Defizite offenlegten oder zur Festigung demokratischer Prinzipien beitrugen.
1.2. Terrorismusbekämpfung jenseits rechtsstaatlicher Grenzen 1983-87: Die GAL
Schon Mitte der 70er Jahre entfesselte sich ein rechter Gegenterror, meist von Armeeangehörigen und Mitgliedern der Guardia Civil getragen, der sich gegen ETA, aber auch gegen andere oppositionelle Kräfte sowie den Transitionsprozeß selbst richtete. Dieser „terror parapolicial“ (Morales 1988: 23) stand in Verbindung mit verschiedenen staatlichen Sicherheitsorganen, erhielt von ihnen Informationen und im Falle einer Verhaftung konnten die Täter mit Milde rechnen (Reinares 1989: 627). An diese Formen gewalttätigen Gegenterrors knüpften die Grupos Antiterroristas de Liberación (GAL) an. Sie traten erstmals in Erscheinung, als am 16.10.1983 vier spanische Polizisten in Südfrankreich versuchten, ein ETA-Mitglied zu entführen, um auf diese Weise ein Faustpfand für einen von ETA festgehaltenen Militär zu bekommen. Sie wurden jedoch von der französischen Polizei gestellt, die Geisel von ETA erschossen. Die spanischen Polizisten wurden bald auf freien Fuß gesetzt und konnten sich nach Spanien absetzen. In Abwesenheit wurden sie zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die französischen Richter beklagten die Blockadehaltung der spanischen Behörden bei der Aufklärung des Falls.
Bei den folgenden ca. 30 Anschlägen der GAL wurden 28 Personen getötet.
Einleitung: Einführung in die Thematik des Caso GAL, Darlegung der Relevanz für die Demokratisierungsforschung sowie Skizzierung des methodischen Vorgehens.
1.Hauptteil: Darstellung des Problemszenarios im Kontext des ETA-Terrors, Analyse der GAL-Aktionen und Reflexion über den Status Spaniens als Demokratie 1982.
2. Exekutive: Untersuchung der Rolle der Regierung und Sicherheitsorgane bei der Terrorismusbekämpfung sowie der Nutzung öffentlicher Geheimfonds zur Finanzierung illegaler Aktivitäten.
3. Legislative: Analyse des Parlaments als Kontrollorgan und des Verhaltens politischer Parteien im Spannungsfeld zwischen Regierungsverantwortung und Oppositionspolitik.
4. Zivilgesellschaft und Bevölkerungseinstellungen: Bewertung der Rolle von NGOs und Medien bei der Aufdeckung des Skandals sowie Analyse der demokratischen Einstellungen in der Bevölkerung.
5. Justiz: Untersuchung der Rolle der Justiz, der Spannungen zwischen progressiven und reaktionären Elementen sowie der juristischen Aufarbeitung des Falls.
6. Schlußteil: Synthese der Ergebnisse und Diskussion der langfristigen Auswirkungen des Caso GAL auf die Konsolidierung der spanischen Demokratie.
Spanien, Demokratie, Konsolidierung, Caso GAL, ETA, Terrorismusbekämpfung, Rechtsstaatlichkeit, Exekutive, Parlament, Zivilgesellschaft, Medien, Justiz, Accountabilty, Staatsterrorismus, Politische Kultur
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des sogenannten „Caso GAL“ – einer Reihe von Staatsterrorakten zwischen 1983 und 1987 – auf den Prozess der Konsolidierung der jungen spanischen Demokratie.
Die Untersuchung konzentriert sich auf das Zusammenspiel von Regierung, Sicherheitsapparat, Parlament, Zivilgesellschaft und Justiz im Hinblick auf rechtsstaatliches Handeln und demokratische Kontrolle.
Die leitende Frage ist, welchen Einfluss der Caso GAL und sein langwieriger Aufklärungsprozess auf die Konsolidierung der spanischen Demokratie hatten und inwiefern dies Defizite oder Fortschritte offenlegte.
Es wird eine Einzelfallstudie durchgeführt, die einen Methoden-Mix aus Diskursanalyse, Quellen- und Sekundärliteraturkritik sowie Experteninterviews kombiniert.
Der Hauptteil analysiert die Rolle der Exekutive (Geheimfonds, Polizeireform), die Kontrollfunktion der Legislative, die Bedeutung der Zivilgesellschaft sowie die ambivalente Rolle der Justiz.
Wichtige Begriffe sind demokratische Konsolidierung, Rechtsstaatlichkeit, staatliche Accountability, zivilgesellschaftliche Kontrolle und der politische Kontext der Transformation.
Diese Geheimfonds des Innenministeriums wurden zur Finanzierung illegaler GAL-Aktionen sowie zur persönlichen Bereicherung von Beteiligten genutzt, was eklatante Defizite bei Transparenz und staatlicher Rechenschaftspflicht aufzeigte.
Die Presse spielte eine ambivalente Rolle: Während einige regierungskritische Medien entscheidend zur Enthüllung des Skandals beitrugen, waren andere lange Zeit zurückhaltend oder agierten parteipolitisch motiviert.
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