Masterarbeit, 2017
78 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
1. Wittgensteins Kritik an der Wahrheitsfähigkeit von ,,gewissen Satzformen der Psychologie“ im Tractatus
1.1 Bertrand Russell: ,,Wahrheit und Falschheit“
1.2 Wittgenstein über ,,gewisse Satzformen der Psychologie“ – 5.541
1.2.1 Die allgemeine Form des Satzes
1.2.2 Die Wahrheitsoperationen
1.2.3 Der ,,Satz im Satze“
1.3 Wittgensteins Analyse der Form psychologischer Sätze – 5.542
1.4 Zwischenfazit 1
2. Quines quantorenlogische Analyse von Sätzen der propositionalen Einstellung
2.1. Wahrheit und Falschheit und die Stellung der Logik in Quines ,,Begriffsnetz“
2.2 Propositionale Einstellungen und referentielle Opazität – Die extensionale Interpretation
2.2.1 Referentielle Opazität
2.2.2 Referenz und Existenz
2.2.3 Referenz und Identität
2.2.4 Die Wahrheit von Äußerungsereignissen und Propositionen
2.3 Propositionale Einstellungen und referentielle Opazität – Die intensionale Interpretation
2.4 Modale Kontexte und referentielle Opazität
2.5 Modalitäten de dicto und de re
2.6 Zwischenfazit 2
3. Graham Priests Intentionalitäts-Semantik mit Identität
3.1 Die Paradoxie des Verhüllten
3.2 Quines Paradoxie
3.3 Kennzeichnungen und Identität über mögliche Welten
3.4 Priest über Frege und das SI-Problem – Unterscheidung von Referenz und Konzept eines Eigennamens
3.5 Das Argument in de-dicto- und de-re-Lesart
3.6 Die Lösung der Paradoxie des Verhüllten
3.7 Die Anwendung der Lösung der Paradoxie auf Quines Ortcutt-Situation
3.8 Zwischenfazit 3
Die Arbeit untersucht die Wahrheitsfähigkeit von Sätzen der propositionalen Einstellung (z. B. glauben, wissen, urteilen). Ziel ist es, drei prominente philosophische Ansätze – von Ludwig Wittgenstein, W.V.O. Quine und Graham Priest – vergleichend gegenüberzustellen, um zu klären, wie der Bezug auf Tatsachen und Objekte in intentionalen Kontexten logisch konsistent dargestellt werden kann.
3.1 Die Paradoxie des Verhüllten
Priest thematisiert in Towards Non-Being eine ähnliche Paradoxie wie die um Quines Bernard J. Ortcutt. Beide Paradoxien (auch wenn Quine es in seinem Aufsatz nicht so nennt), weisen dahingehend dieselbe Struktur auf, dass eine Person (a) eine andere Person (b) in zwei verschiedenen Erscheinungen wahrnimmt, ohne dabei zu wissen, dass sie dieselbe Person wahrnimmt; a nimmt also Person b als zwei verschiedene Personen wahr. Der einen Erscheinung der Person b spricht a eine Eigenschaft zu, die sie der anderen Erscheinung von b abspricht, ohne zu wissen, dass es sich um dieselbe Person handelt.
Die Paradoxie, die Priest heranzieht, geht seinen Angaben zufolge auf Eubulides zurück. In Priests Formulierung lautet diese: ,,'You say you know your brother. But that man who came in just now with his head covered is your brother, and you do not know him.'“ (Für diese Paradoxie führt er die Bezeichnungen ,,The Hooded Man [der Verhüllte], the Unnoticed Man, Electra“ an.) Sauber formuliert lautet die Situation, die der Paradoxie zugrunde liegt, Priest zufolge: ,,We suppose that a man walks into the room. The man is wearing a hood, and unbeknownst to you it is your brother.“ Er überträgt daraufhin diesen Satz in das folgende Argument:
A.(1)
P1 This man is your brother.
P2 You do not know this man.
K You do not know your brother.
Bei P1 und P2 handelt es sich jeweils um die Prämissen, bei K um die Konklusion. Das Argument hat damit die aussagenlogische Form: (P1 ∧ P2) ⊃ K.
1. Wittgensteins Kritik an der Wahrheitsfähigkeit von ,,gewissen Satzformen der Psychologie“ im Tractatus: Der Autor zeigt, dass Wittgenstein psychologische Sätze aufgrund fehlender Abbildbeziehung zu Tatsachen als nicht wahrheitsfähig betrachtet.
2. Quines quantorenlogische Analyse von Sätzen der propositionalen Einstellung: Quine entwickelt eine Analyse, bei der das Hineinquantifizieren in intentionale Kontexte zu referentieller Opazität führt, was die Wahrheitsbestimmung erschwert.
3. Graham Priests Intentionalitäts-Semantik mit Identität: Priest nutzt eine modallogische Welten-Semantik, um paradoxe Identitätsargumente aufzulösen und intentionale Kontexte innerhalb eines logischen Modells widerspruchsfrei darstellbar zu machen.
Propositionale Einstellung, Wahrheitsfähigkeit, Referenz, Referentielle Opazität, Quantorenlogik, Intentionalität, Identität, Modallogik, Tractatus, Quine, Wittgenstein, Graham Priest, Mögliche Welten, Meinongianismus, Substituierbarkeit.
Die Arbeit analysiert die logische Struktur von Sätzen der propositionalen Einstellung (wie "A glaubt, dass p") und untersucht deren Wahrheitsfähigkeit innerhalb unterschiedlicher philosophischer Theorien.
Die zentralen Themen sind Sprachphilosophie, Logik (insbesondere Quantoren- und Modallogik), Semantik sowie die Problematik von Referenz und Identität in intentionalen Kontexten.
Das Ziel ist es, drei prominente Positionen – Wittgenstein, Quine und Priest – in Bezug auf die Wahrheitsfähigkeit intentionaler Sätze zu vergleichen und zu prüfen, wie sie mit Identitätsproblemen umgehen.
Es handelt sich um eine analytisch-philosophische Untersuchung, die textkritische Rekonstruktion sowie die Analyse formal-logischer Argumentationsstrukturen (z. B. Wahrheitstafeln, Quantoren- und Modallogik) kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wittgensteins Kritik an psychologischen Sätzen, Quines quantorenlogische Analyse referentieller Opazität und Priests modallogischen Lösungsansatz zur Paradoxie des Verhüllten.
Wahrheitsfähigkeit, referentielle Opazität, intentionale Kontexte, Identität, Quantorenlogik und modallogische Semantik sind die wesentlichen Begriffe.
Während Wittgenstein Logik als a priori und transzendental versteht, vertritt Quine eine pragmatische Position, in der die Logik ein Teil unseres Begriffsnetzes ist, das bei unerwarteten Erfahrungen angepasst werden kann.
Das SI-Problem (failure of substitutivity of identicals) beschreibt das Scheitern des Substitutionsprinzips in intentionalen Kontexten: Obwohl zwei Ausdrücke dasselbe Objekt bezeichnen, führen sie in Glaubenskontexten zu unterschiedlichen Wahrheitswerten.
Offene Welten ermöglichen es Priest, intentionale Zustände abzubilden, in denen ein Subjekt etwas wissen kann, ohne dass dies notwendigerweise für alle logischen Folgerungen gilt, was eine differenziertere Behandlung von Glaubenszuständen erlaubt.
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