Masterarbeit, 2012
93 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
3. Vorbilder und Imitation
3.1. Frühste Kindheit und Kindheit
3.2. Adoleszenz
3.3. Erwachsenenalter
3.4. Neurobiologische Erkenntnisse
3.5. Zusammenfassung
4. Grundlegende Bedingungen für die Wirkung von Vorbildern
4.1. Aufmerksamkeit
4.2. Gedächtnis
4.3. Reproduktion des Verhaltens
4.4. Bekräftigungs- und Motivationsprozesse
4.5. Ähnlichkeit
4.6. Zusammenfassung
5. Situative und personale Determinanten von Vorbildern
5.1. Nähe
5.2. Physische Attraktivität
5.3. Macht und Charisma
5.4. Autorität
5.5. Extraversion
5.6. Erfolg
5.7. Zusammenfassung
6. Vorbilder und Handlungsmotivation
7. Vorbilder in konkreten Inhaltsbereichen
7.1. Aggression
7.2. Werther-Effekt
7.3. Prosoziales Verhalten und Altruismus
7.4. Einflussnahme durch gezielte Kommunikation
7.5. Zusammenfassung
8. Soziale Vergleiche mit Vorbildern
9. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konstrukt des Vorbilds aus interdisziplinärer, vordergründig sozialpsychologischer Perspektive, um zu ergründen, warum Menschen bestimmte Personen als Vorbilder wählen, welche Mechanismen der Identifikation und Imitation dabei wirken und wie diese das menschliche Handeln beeinflussen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Wirkungsweise von Vorbildern in verschiedenen Lebensphasen sowie deren Einfluss auf Motivation, Sozialverhalten und Einstellungsbildung.
3.1. Frühste Kindheit und Kindheit
Forscher gehen in einigen entwicklungspsychologischen Studien gar davon aus, dass bereits wenige Tage alte Babys, dank ihres gut ausgebildeten Wahrnehmungsapparats (vertiefend siehe Wilkening & Krist, 2002) durch Nachahmung einfache, mimische Gesten eines Interaktionspartners (Eltern/ Erwachsene), wie etwa das Mund öffnen oder das Zunge herausstrecken, lernen (Meltzoff & Moore, 1977). Ob es sich bei solch imitierenden Reaktionen um selektive Nachahmung handelt ist allerdings nicht eindeutig geklärt (Kaitz et al., 1988; Meltzoff & Moore, 1977). Dass Neugeborene ihre Zunge herausstrecken, wenn ein Erwachsener es ihnen vormacht, kann ebenso als Begleiterscheinung der Erregung gesehen werden, die der Erwachsene mit seinen Handlungen (Zunge herausstrecken) bei dem Säugling auslöst (Mussen et al., 1999), dennoch kommt dieser Nachahmung für den spezifisch menschlichen Bereich des Spracherwerbs eine besondere Bedeutung zu. Das Neugeborene ahmt bereits artikulationsartige Mundbewegungen des Gegenübers nach, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Stande ist, dargereichte Laute zu imitieren (Meltzoff & Moore, 1977). Da bei der sprachlichen Produktion nicht so sehr die Laute an sich zählen, sondern in erster Linie die sie erzeugenden Bewegungsmuster (Rizzolatti & Sinigaglia, 2008), sind neben dem kindlichen Stimmspiel in Monologen und Dialogen (vertiefend siehe u.a. Oller, 2000), insbesondere die Nachahmungsprozesse dem Lautinventar der Muttersprache wichtig (Conboy, Sommerville & Kuhl, 2008).
1. Einleitung: Beleuchtet das Konstrukt des Vorbilds und dessen ambivalente Bedeutung im 20. Jahrhundert sowie die Zielsetzung der interdisziplinären Untersuchung.
2. Begriffsbestimmung: Definiert den Begriff „Vorbild“ und differenziert ihn von ähnlichen Konzepten wie „Idol“, „Star“ und „Leitbild“.
3. Vorbilder und Imitation: Untersucht den Zusammenhang von Identifikation und Imitation über verschiedene Lebensspannen hinweg sowie die neurobiologischen Grundlagen des Modelllernens.
4. Grundlegende Bedingungen für die Wirkung von Vorbildern: Erläutert die notwendigen Voraussetzungen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Reproduktion und Motivationsprozesse für das Lernen am Modell.
5. Situative und personale Determinanten von Vorbildern: Analysiert Faktoren wie Nähe, physische Attraktivität, Macht, Charisma, Autorität und Extraversion als Begünstiger der Vorbildwirkung.
6. Vorbilder und Handlungsmotivation: Diskutiert, wie Stereotype und Vorurteile den Selbstwert beeinflussen und welche Rolle inspirierende Vorbilder dabei spielen können.
7. Vorbilder in konkreten Inhaltsbereichen: Untersucht die Wirkung von Vorbildern in spezifischen Kontexten, etwa bei aggressivem Verhalten, dem Werther-Effekt oder prosozialem Verhalten.
8. Soziale Vergleiche mit Vorbildern: Erörtert, wann und warum Menschen sich mit Vorbildern vergleichen und welche motivationalen Motive (z.B. Selbstverbesserung) dem zugrunde liegen.
9. Schlussbetrachtung: Fasst die interdisziplinären Befunde zusammen und leitet Schlussfolgerungen für die Forschung sowie Anregungen für die Praxis ab.
Vorbilder, Imitation, Soziales Lernen, Identifikation, Sozialpsychologie, Persönlichkeitsmerkmale, Charisma, Modelllernen, Handlungsmotivation, Werther-Effekt, Soziale Vergleiche, Selbstwert, Extraversion, Autorität, Persuasion.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen und interdisziplinären Analyse des Vorbild-Phänomens, insbesondere damit, wie Menschen Vorbilder wählen und wie diese das Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen.
Zentrale Themen sind die menschliche Nachahmungsfähigkeit, die Bedingungen für effektives Lernen am Modell, personale sowie situative Faktoren der Vorbildwirkung und die Auswirkungen von Vorbildern auf spezifische Verhaltensbereiche wie Aggression oder Altruismus.
Das Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die Konstruktion von Vorbildern zu entwickeln und aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen Personen als Vorbilder fungieren und wie sie zur Selbstentwicklung oder Verhaltensänderung beitragen können.
Die Arbeit stützt sich auf eine interdisziplinäre Herangehensweise, wobei schwerpunktmäßig sozialpsychologische Theorien und empirische Forschungsergebnisse aus verschiedenen Fachbereichen (z.B. Organisationspsychologie, Neurowissenschaft, Mediensoziologie) ausgewertet werden.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Prozesse des Imitationslernens, die Eigenschaften erfolgreicher Vorbilder sowie die Auswirkungen von Vorbildern in komplexen sozialen Kontexten, einschließlich der sozialen Vergleichsprozesse.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vorbilder, Imitation, Soziales Lernen, Identifikation, Charisma, Modelllernen und Soziale Vergleiche charakterisiert.
Psychologische Nähe ist entscheidend, da sie die Relevanz einer Person für das eigene Selbstwertgefühl bestimmt und maßgeblich darüber entscheidet, ob ein Vorbild als inspirierend empfunden wird oder ob soziale Vergleiche zu Kontrasteffekten führen.
Der Werther-Effekt wird als Phänomen des Modelllernens erklärt, bei dem medial präsentierte Suizide von Prominenten durch Identifikations- und Nachahmungsprozesse zu einer erhöhten Suizidrate in der Bevölkerung führen können.
Castingshows transportieren Vorbilder, die durch ihre mediale Inszenierung und oft unerreichbare Ideale Einfluss auf die Selbstkonstruktion und Körperzufriedenheit von Jugendlichen haben, indem sie parasoziale Beziehungen und den Wunsch nach dem „perfekten Selbst“ fördern.
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