Examensarbeit, 1980
102 Seiten, Note: 2+
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Vorsicht, Dialektik! (Über diese Arbeit)
1. Einleitung
2. Tradition
3. Aporie
4. Unmittelbarkeit
5. Objektivität
6. Schein
7. Bildlichkeit
8. Ursprünglichkeit
9. Naturgefühl
10. Landschaft
Exkurs: Petrarca
11. Kulturlandschaft
12. Erhabene Natur
13. Resultat der geschichtlichen Bewegung
14. Chiffreschrift
15. άνnταμοιβή
16. Ferne
17. Vorrang des Objekts
18. Selbständigkeit
19. Versöhnung
20. Unwahrheit des Naturschönen
21. Herr und Knecht
22. Aufhebung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Naturschöne als eine dialektische Kategorie und hinterfragt dessen ästhetische Unmittelbarkeit unter Berücksichtigung historischer und gesellschaftlicher Vermittlungen. Das primäre Ziel ist es, das Naturschöne aus der bloßen Theoriegeschichte zu lösen und als einen kritischen Gegenstand zu rehabilitieren, der das Verhältnis von Mensch und Natur im Kontext von Arbeit und Herrschaft spiegelt.
1. Einleitung
Die Theorie des Naturschönen ist ein Fluss während des Sommers „im Medium begrifflicher Reflexion.“ Aber auch der Himmel vor dem Regen, das Abendrot im Frühjahr, die Schwalben am Nachmittag: die Theorie des Naturschönen kapituliert vorweg vorm Anspruch rechter Wissenschaft clare et distincte anzugeben, was eigentlich ihr Gegenstand sei.
Ihr Gegenstand ist unbestimmt, was Hegel dem Naturschönen umstandslos als Mangel ankreidete. Leistet dagegen Theorie darauf Verzicht, ihrem Gegenstand seine Beschaffenheit zum Vorwurf zu machen, muss sie diese Unbestimmtheit ebensowohl bestehenlassen, als erklären. Sie fasst daher die Unbestimmtheit des Naturschönen als Unbestimmbarkeit, seine Schrift als eine von Chiffren. Nicht ist aber zuvor verbürgt, dass es solche von Sinn sind.
Schwierig genug schon über Unbestimmbares triftig zu handeln, macht sich beim Naturschönen besonders schmerzlich geltend, dass Philosophie nicht „die Einzeldinge in die Texte kleben“ kann, ihrem Begriff nach schon des deiktischen „Dieses“ entsagen muss.
Die Emphase der unmittelbaren „sinnlichen Gewissheit“, die die „reichste“ und „wahrhafteste“ Erkenntnis ist, weil sie „von dem Gegenstande noch nichts weggelassen, sondern ihn in seiner ganzen Vollständigkeit vor sich“ hat, ist die Trauer der Philosophie. Namentlich in der Ästhetik, die von der sinnlichen Erkenntnis handeln soll, macht sich der Mangel alles Begrifflichen bis hin zur gänzlichen Unangemessenheit seiner Veranstaltungen geltend.
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Schwierigkeit dar, das Naturschöne begrifflich zu fassen, und etabliert die dialektische Methode als notwendigen Zugang.
2. Tradition: Dieses Kapitel sichtet kritisch die philosophische Auseinandersetzung mit dem Naturschönen von Kant bis in die Moderne.
3. Aporie: Es wird die grundlegende Schwierigkeit beschrieben, dass das Naturschöne in einer durch Herrschaft geprägten Natur kaum noch einen realen Gegenstand findet.
4. Unmittelbarkeit: Hier wird die sinnliche Erfahrung des Naturschönen als ein Moment untersucht, das Muße voraussetzt und sich gegen die instrumentelle Begierde stellt.
5. Objektivität: Die vermeintliche Objektivität des Naturschönen wird als theoretischer Ausgangspunkt reflektiert, der jedoch der kritischen Nachprüfung bedarf.
6. Schein: Der Schein wird als notwendiges Moment bestimmt, das die Täuschung über die Selbständigkeit des Schönen korrigiert.
7. Bildlichkeit: Es wird analysiert, inwieweit das Naturschöne eine Bildlichkeit besitzt, die sich von der künstlerischen Produktion unterscheidet.
8. Ursprünglichkeit: Dieses Kapitel thematisiert den Anspruch des Naturschönen auf historische Priorität gegenüber der Kunst.
9. Naturgefühl: Es wird untersucht, wie das Naturgefühl als historisch vermittelte Kategorie verstanden werden kann.
10. Landschaft: Die Landschaft wird als die ästhetische Erscheinungsform von Natur schlechthin analysiert.
11. Kulturlandschaft: Es wird dargelegt, wie die Kulturlandschaft das menschliche Eingreifen in die Natur ästhetisch aufbewahrt.
12. Erhabene Natur: Die erhabene Natur wird als Kriterium für das moderne Naturgefühl in Abgrenzung zur vormodernen Zeit beschrieben.
13. Resultat der geschichtlichen Bewegung: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über die bisherige Entfaltung der Momente des Naturschönen.
14. Chiffreschrift: Das Naturschöne wird als Chiffreschrift der gesellschaftlichen Verhältnisse gelesen.
15. άνnταμοιβή: Hier wird der Austausch (Gegentausch) als Schlüssel zur Analyse der bürgerlichen Gesellschaft und deren Beziehung zur Natur eingeführt.
16. Ferne: Die Ferne wird als subjektive ästhetische Distanz bestimmt, die für das Subjekt konstitutiv ist.
17. Vorrang des Objekts: Es wird begründet, warum die Dialektik des Naturschönen materialistisch zu denken ist.
18. Selbständigkeit: Dieses Kapitel beleuchtet die positive Seite des Vorrangs des Objekts als Selbständigkeit des Naturschönen.
19. Versöhnung: Das Naturschöne wird als Utopie und Verheißung eines versöhnten Verhältnisses zwischen Mensch und Natur skizziert.
20. Unwahrheit des Naturschönen: Es wird kritisch reflektiert, wie die Wahrheit des Naturschönen in einem herrschaftsgeprägten Zustand zur Unwahrheit umschlägt.
21. Herr und Knecht: Die Dialektik von Herr und Knecht wird herangezogen, um das spezifische Verhältnis von Arbeit und Natur zu erörtern.
22. Aufhebung: Das Kapitel schließt mit der Forderung nach der Aufhebung des Naturschönen durch dessen tatsächliche Verwirklichung.
Naturschönes, Dialektik, Adorno, Ästhetische Theorie, Naturbeherrschung, Arbeit, Herrschaft, Nichtidentität, Landschaft, Versöhnung, Entfremdung, Warengesellschaft, Objektivität, Subjektivität, Vermittlung.
Die Arbeit analysiert philosophisch den Begriff des Naturschönen im Kontext der Adornoschen Ästhetik und der Dialektik von Arbeit und Herrschaft.
Die Arbeit umfasst Themen wie die Naturbeherrschung, die geschichtliche Entwicklung des Naturgefühls, die Rolle der Landschaft und die Kritik an der bürgerlichen Warengesellschaft.
Ziel ist es, das Naturschöne als kritisches Korrektiv zur instrumentellen Vernunft zu begreifen und dessen Bedeutung für eine mögliche Versöhnung von Mensch und Natur aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt die dialektische Methode im Sinne Hegels und Adornos, um die Selbstbewegung des Begriffs in seinem gesellschaftlichen Kontext nachzuzeichnen.
Der Hauptteil entwickelt schrittweise die verschiedenen Momente des Naturschönen (wie Unmittelbarkeit, Schein, Bildlichkeit, Ferne) bis hin zur kritischen Reflexion über dessen Unwahrheit und potenzielle Aufhebung.
Zentrale Begriffe sind die Dialektik des Naturschönen, der Vorrang des Objekts, Nichtidentität und die Kritik der gesellschaftlichen Vermittlung durch Arbeit.
Petrarca wird als historisches Exempel für die Entdeckung der Landschaft und den Beginn der modernen Naturerfahrung im Spannungsfeld zwischen Subjektivität und Objektivität angeführt.
Sie mündet in der geschichtsphilosophischen Forderung, dass die im Naturschönen nur imaginierte Versöhnung durch eine veränderte gesellschaftliche Organisation der Arbeit und Naturbeherrschung verwirklicht werden muss.
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