Diplomarbeit, 2005
123 Seiten, Note: sehr gut
I.Einleitung
I.1 Beschreibung der Methode
I.1.1 Historische Entwicklung
I.1.2 Anwendungsgebiete
I.1.3 Die Themenanalyse
I.2 Begriffsbestimmungen
I.2.1 Kinder-und Jugendliteratur
I.2.2 Epochen der Kinder- und Jugendliteratur
I.2.3 Märchen und Bilderbuch
I.2.4 Behinderung und „Anderssein“
Exkurs
II. Hauptteil
THEORETISCHER TEIL
II.1 Inhaltliche Bezugnahme zur Arbeit
II.1.1 Geschichtliche Aspekte zur Kinderliteratur unter Berücksichtigung der Abhandlung des Themas Behinderung in den verschiedenen Epochen
II.1.1.1 Kinder- und Jugendliteratur des Mittelalter und der frühe Neuzeit
II.1.1.2 Kinder- und Jugendliteratur der Aufklärung
II.1.1.3 Kinder- und Jugendliteratur der Romantik
II.1.1.4 Kinder- und Jugendliteratur der Industrialisierung und Weimarer Republik
II.1.1.5 Kinder- und Jugendliteratur nach dem Jahre 1945
II.1.2 Der Mensch mit Behinderung in der Familie unter besonderer Berücksichtigung der Geschwistersituation von Kindern mit Behinderung
II.1.2.1 Spezifische Problemfelder für Familien mit einem behinderten Kind
II.1.2.2 Persönlichen Problemfelder eines behinderten Kindes
II.1.2.3 Gesellschaftliche Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung
II.1.2.4 Zur Situation von Geschwistern behinderter Kinder
PRAKTISCHER TEIL
II. 2 Die eigene Untersuchung
II. 2.1 Die formalen und inhaltliche Gestaltung des Motives des „Anderssein“
II. 2.2 Arbeitshypothesen
II.2.3 Andersen, Hans Christian: „der Krüppel“
II.2.4 Gebrüder Grimm: „Daumerlings Wanderschaft und Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein“
II.2.5 Hoffmann, Heinrich: „Die Geschichte vom Zappel- Phillip und die Geschichte vom Daumenlutscher“
II.2.6 Spyri, Johanna: „Es geschieht, was keiner erwartet hat“
Zwischenresümee I
II.2.7 Härtling, Peter: „Das war der Hirbl“
II.2.8 Cadier, Florence: „Ich bin Laura“
II.2.9 Wenninger, Brigitte; Ginsbach, Julia: „Lauf, kleiner Spatz“
Zwischenresümee II
III. Zusammenfassung
IV. Schlussfolgerungen
IV.1 Pädagogische Überlegungen zur Kinderliteratur
Die Diplomarbeit untersucht den Umgang mit dem Thema "Anderssein" und Behinderung in der Kinder- und Jugendliteratur. Das primäre Ziel ist es, mittels einer Inhaltsanalyse zu ermitteln, wie behinderte Figuren historisch und in der zeitgenössischen Literatur dargestellt werden, ob sich diese Darstellung im Laufe der Zeit positiv verändert hat und welche Rolle dabei die familiäre Konstellation, insbesondere die Geschwistersituation, spielt.
I. Einleitung
Das junge Ding hieß Ilse Watt
Sie ward im Waisenhaus erzogen.
Dort galt sie als verstockt, verlogen,
Weil sie kein Wort gesprochen hat
Und weil man es ihr sehr verdachte,
Daß sie schon früh, wenn sie erwachte,
Ganz leise vor sich hinlachte.
Mann nannte sie, weil ihr Betragen
So seltsam war, das Hexenkind.
Allüberall ward sie gescholten.
Doch wagte niemand, sie zu schlagen.
Denn sie war von Geburt her blind.
Die Ilse hat für frech gegolten,
Weil sie, wenn man sie zu Bett brachte,
Noch leise vor sich hinlachte.
In ihrem Bettchen blaß und matt
Lag sterbend eines Tags die kranke
Und stille, blinde Ilse Watt,
Lächelte wie aus anderen Welten
Und sprach zu einer Angestellten,
Die ihr das Haar gestreichelt hat,
Ganz laut und glücklich noch „ Ich dank.“
I.Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Motivation für die Themenwahl und die Entstehung der Forschungsfrage aus der Verknüpfung von Kindheitsgeschichte und Kinderlektüre.
I.1 Beschreibung der Methode: Hier werden die Grundlagen der Inhaltsanalyse sowie deren methodische Ausrichtungen (quantitativ vs. qualitativ) und Gütekriterien dargestellt.
I.2 Begriffsbestimmungen: Es erfolgt eine Definition der zentralen Begriffe wie Kinder- und Jugendliteratur, Epochen sowie der Konzepte von Behinderung und "Anderssein".
II.1 Inhaltliche Bezugnahme zur Arbeit: Dieser theoretische Teil beleuchtet die geschichtliche Entwicklung der Kinderliteratur unter Berücksichtigung von Behinderung sowie die Situation behinderter Kinder in der Familie.
II. 2 Die eigene Untersuchung: Im praktischen Teil wird die methodische Herangehensweise an die Analyse der ausgewählten Kinderliteratur erläutert und die Untersuchungsobjekte werden vorgestellt.
III. Zusammenfassung: Dieses Kapitel zieht ein Resümee über die Ergebnisse der Literaturanalyse und überprüft die aufgestellten Arbeitshypothesen.
IV. Schlussfolgerungen: Hier werden pädagogische Überlegungen zur Rolle der Kinderliteratur als Medium zur Bewältigung von seelischen Krisen und zur Förderung der kindlichen Entwicklung diskutiert.
Anderssein, Behinderung, Kinderliteratur, Inhaltsanalyse, Geschwisterbeziehungen, Familiäre Konstellation, Literaturgeschichte, Märchen, Bilderbuch, Heilung, Identifikation, Außenseiterproblematik, Pädagogik, Sozialisation, Körperbehinderung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Darstellung von Behinderung und dem "Anderssein" in der Kinder- und Jugendliteratur und untersucht, wie sich diese Darstellungen über verschiedene Epochen hinweg entwickelt haben.
Zentrale Themen sind die historische Einordnung der Kinderliteratur, das Konzept der Behinderung in der Familie, die Dynamik von Geschwisterbeziehungen zu behinderten Kindern sowie die Rolle der Literatur bei der moralischen Erziehung.
Das Hauptziel besteht darin, durch eine qualitative Inhaltsanalyse herauszufinden, ob und wie sich die Darstellung behinderter Figuren im Vergleich zwischen der Vergangenheit (Romantik/Industrialisierung) und der Gegenwart verändert hat.
Der Autor nutzt die Methode der Inhaltsanalyse, wobei der Schwerpunkt auf der Themenanalyse und einer qualitativen Interpretation der Figurengestaltung liegt.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Geschichte der Kinderliteratur und zur Familiensituation sowie einen praktischen Teil, in dem konkrete Werke (Märchen und Bilderbücher) analysiert werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Anderssein", Behinderung, Inhaltsanalyse, Geschwisterbeziehungen, Außenseiterproblematik und pädagogische Funktionen der Kinderliteratur.
Märchen dienen als historische Quellen, in denen Behinderungen oft metaphorisch oder als "Verkörperung des Bösen" dargestellt werden, was den zeitgenössischen Umgang mit Außenseitern widerspiegelt.
Die Arbeit zeigt, dass die Geburt eines behinderten Kindes das Familiensystem vor große Herausforderungen stellt, die von Schuldgefühlen der Eltern bis hin zur spezifischen Rollenbelastung der Geschwister ("Schattenkinder") reichen.
Das "Heidi-Syndrom" beschreibt laut Zimmermann eine in der Literatur vorkommende Form der "Verharmlosung von Behindertsein", bei der das behinderte Kind durch eine wundersame Heilung ein Happy-End erfährt.
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