Examensarbeit, 2004
103 Seiten, Note: 1,0
I. EINLEITUNG
II. DER TEUFEL IN DER BIBEL
II. 1 Das Alte Testament – Das „Buch Hiob“
II. 2 Das Neue Testament – Jesu Versuchung
III. TEUFELSGESTALTEN IN DER DEUTSCHSPRACHIGEN FAUST-LITERATUR
III. 1 Das Faust-Buch von 1587
III. 1. 1 Die theologische Konzeption
III. 1. 2 Mephostophiles als protestantischer Prediger
III. 2 LESSINGs Faust-Fragmente
III. 2. 1 Entstehung und Kontext
III. 2. 1. 1 Konzeptionsstufe 1
III. 2. 1. 2 Konzeptionsstufe 2
III. 2. 1. 3 Konzeptionsstufe 3
III. 3 GOETHES Faust
III. 3. 1 Vorbemerkungen
III. 3. 2 Säkularisierung und Entmystifizierung – Der „Prolog im Himmel“
III. 3. 3 „Studierzimmer I“ (V. 1177 – 1529)
III. 3. 4 Exkurs: Mephisto und das „MANDEVILLSCHE Paradox“
III. 3. 5 „Studierzimmer II“ (V. 1530 – 1850)
III. 3. 6 Die „Walpurgisnacht“ als Teil einer dualistischen Grundspannung
III. 3. 7 Conclusio
III. 4 HEINEs Tanzpoem Der Doktor Faust
III. 4. 1 Entstehung und Konzeption
III. 4. 2 Verführung durch Mephistophela
III. 5 Der namenlose Teufel in Thomas MANNs Doktor Faustus
III. 5. 1 Vorbemerkungen
III. 5. 2 Die Darstellung des Nicht-Darstellbaren
III. 5. 2. 1 Die Wahl der Perspektive
III. 5. 3 Die Prädisposition zur Teufelei
III. 5. 4 Das Theologiestudium – Ein „gottseliges Fürnemmen?“
III. 5. 5 Der Abschluss des Teufelspaktes
III. 5. 5. 1 Teuflisches Leipzig – Das Bordellerlebnis
III. 5. 5. 2 Kapitel XIX – Das eigentliche Bündnis
III. 5. 6 Das Teufelsgespräch von Palestrina
III. 5. 7 Der nationale Paktschluss mit dem Teufel
IV. SCHLUSSBETRACHTUNGEN
Die Arbeit untersucht die diachrone Entwicklung der Teufelsgestalt in der deutschsprachigen Faust-Literatur, von den biblischen Ursprüngen bis hin zu Thomas Manns "Doktor Faustus", um aufzuzeigen, wie sozialgeschichtliche Faktoren und die Intentionen der Autoren die Charakterisierung des Bösen beeinflussen.
III. 1. 1 Die theologische Konzeption
Die Historia von D. Johann Fausten, 1587 veröffentlicht durch den Verleger Johann SPIES, entstand nach einem Jahrhundert, das durch eine explosionsartige Entwicklung wissenschaftlichen Forschens gekennzeichnet war, und in dem die Naturwissenschaften einen mächtigen Aufschwung genommen hatten. Die Suspension des geozentrischen Weltbilds PTOLEMÄUS`, die Entstehung der ersten Weltkarte und große geografische Entdeckungen durch KOLUMBUS, VESPUCCI und DA GAMA sind nur einige Ereignisse, die das gesamte bisherige Weltbild umwälzten. Am Beginn der Neuzeit stößt die Kirche mit der neu aufkommenden Welt der Wissenschaft zusammen.
Genau dieser Zusammenstoß ist es, der auch den Hintergrund des Faust-Buches bildet. Es erscheint als Zeugnis rückwärtsgewandter, radikal negativer Reaktion auf das Neue [...]. In der Gestalt des Doktor Faustus verteufelt es die neue Weltzuwendung und insbesondre die Lust am Forschen, an Entdeckungen und an Vorstößen ins Unbekannte.
Durch die Reformation und LUTHERs Bibelübersetzung erscheint auch die Figur des Satans in neuem Licht. Der Teufel des 16. Jahrhunderts ist nicht mehr länger der Gehörnte, vergleichsweise Harmlose des katholisch-MARIANISCHEN Mittelalters, mit dem sich einzulassen kein großes Risiko darstellte, sondern er ist, durch den lutherischen Rückgriff auf seine biblische Präsenz [...] ein geistig gefährlicher und besonders dem Geist gefährlicher Antipode Gottes und seines Reiches.
I. EINLEITUNG: Darstellung des Faust-Stoffes als nationales literarisches Erbe und Zielsetzung der Untersuchung.
II. DER TEUFEL IN DER BIBEL: Analyse der biblischen Ursprünge der Teufelsfigur und ihrer Transformation vom "Exekutiv-Organ" Gottes zum Widersacher.
III. TEUFELSGESTALTEN IN DER DEUTSCHSPRACHIGEN FAUST-LITERATUR: Zentrale Analyse der Werke von 1587 bis zur Gegenwart.
IV. SCHLUSSBETRACHTUNGEN: Zusammenfassende Gegenüberstellung der Teufelskonzeptionen und Reflexion der diachronen Entwicklung.
V. BIBLIOGRAFIE: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Faust, Teufel, Mephistopheles, Literaturgeschichte, Säkularisierung, Teufelspakt, Verführung, Historia von D. Johann Fausten, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Thomas Mann, Theologie, Dämonologie, Aufklärung.
Die Arbeit analysiert die diachrone Wandlung der Teufelsgestalt in der deutschsprachigen Literatur, ausgehend vom "Faust-Buch" von 1587 bis zu Thomas Manns "Doktor Faustus".
Im Zentrum steht die Darstellung des Bösen, die historische Kontextualisierung der Teufelsfigur und das sich wandelnde Verständnis des Teufelspaktes in Abhängigkeit von der Weltsicht der jeweiligen Epoche.
Das Ziel ist es, die spezifische Funktion der Teufelsgestalt in den gewählten Werken herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie Autoren den "Pakt mit dem Teufel" nutzen, um zeitgenössische philosophische und gesellschaftliche Probleme zu spiegeln.
Der Autor verfolgt einen werkimmanenten Ansatz, der durch eine interdisziplinäre Einbeziehung von zeitgeschichtlichen, theologischen und philosophischen Perspektiven ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Werkstudien: das Faust-Buch von 1587, Lessings Fragmente, Goethes "Faust I", Heines "Der Doktor Faust" und Thomas Manns "Doktor Faustus".
Wichtige Begriffe sind Säkularisierung, Teufelsdarstellung, Literaturgeschichte, Faust-Mythos und diachrone Metamorphose des Teufels.
Da der Faust-Stoff tief in der christlichen Tradition verwurzelt ist, ist eine Betrachtung der theologischen Konzepte (z. B. lutherische Sündenlehre) notwendig, um die Funktion des Teufels als Gegenspieler Gottes oder als rationalisiertes Symbol zu verstehen.
Bei Thomas Mann ist der Teufel nicht mehr als leibhaftige Figur in der objektiven Wirklichkeit präsent, sondern erscheint als eine Form der psychologischen Verinnerlichung und Symbolisierung der nationalen Schuld.
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