Examensarbeit, 2003
75 Seiten, Note: 2,5
1. Gewalt
1.1 Etymologische Zugangsweise
1.2 Verwendung von Gewalt im Alltag
1.3 Gewaltverständnis von Kindern und Jugendlichen
1.4 Definitionen von Aggression
1.4.1 Psychologische Theorien zur Aggressionsentstehung
1.4.1.1 Triebtheorien
1.4.1.2 Lerntheorien
1.4.1.3 Frustrations-Aggressionstheorie nach Dollard
1.4.2 Soziologische Theorien abweichenden Verhaltens
1.4.2.1 Anomietheorie
1.4.2.2 Deprivation
1.4.2.3 Etikettierung und Stigmatisierung
1.4.2.4 Theorie der differentiellen Assoziation
1.5 Zusammenfassung
2. Die Peer-Group
2.1 Was sind Peers
2.2 Die Sozialisation durch die Peer-Group
2.2.1 Gründe für den Anschluss an die Peer-Group
2.2.2 Freizeitbereich
2.2.3 Sexualität
2.2.4 Einfluss der Peer-Group auf das Individuum
2.2.5 Die Bedeutung der Gruppe
2.2.6 Zusammensetzung von Peer-Groups
2.2.7 Die Rolle der Schule bei Bildung von Peer-Groups
3. Gewalt und Peer-Groups
3.1 Das Entstehen von Gewaltbereitschaft innerhalb der Peer-Group
3.1.1 Die Peer-Group mit eigenen Werten und Normen
3.1.2 Individualisierung
3.1.3 Die Peer-Group als autonomes System
3.1.4 Die Subkulturthese
3.1.5 Gewaltverhalten innerhalb der Peer-Group
3.1.6 Die Peer-Group als Forum für Männlichkeit
3.1.7 Der Faktor Schule bei Einstellungen von Gewalt
3.2 Gewalteinstellungen durch die Peer-Group
3.2.1 Vergleich der Gewaltbereitschaft von formellen und informellen Jugend – Gruppierungen
3.2.2 Der Einfluss familiarer Werte auf die Peer-Group
3.2.3 Der Einfluß der Clique bei Gewalthandlungen in der Schule
3.2.4 Ausübung von Gewalt als Profilierungsmethode für die Peer-Group
3.2.5 Übertragen von gruppenspezfischem Verhalten in der Schule
3.3 Gewalt in der Schule
3.3.1 Gewaltverhalten in der Schule, welches durch die Peer-Group geprägt ist
3.3.2 Allgemeine Einstellungen zu Gewalt, die durch Peer-Groups geprägt ist
3.3.3 Gewalttätiges Handeln gegenüber anderen Peer-Groups
3.3.4 Konflikte der Peer-Group mit der Polizei
3.4 Ausmaß von Gewalthandlungen und Gewaltbereitschaft
3.5 Merkmale für Gewaltakteure
3.6 Vergleich von geschlechtshomogenen und –heterogenen Peer-Groups
3.7 Zusammenfassung
4. Die besondere Rolle der Gang und Bande
4.1 Der Wechsel von der Peer-Group zur Bande oder Gang
4.2 Gang- und Bandenmitglieder
4.3 Verbreitung von Banden und Gangs
4.4 Umfang der Gewalttaten bei Banden und Gangs
5. Das Schüler – Streit – Schlichter – Programm
5.1 Voraussetzungen
5.2 Konzept des Schul-Streit-Schlichter-Programms
5.3 Streitschlichter
5.4 Streitschlichtung
5.5 Ziele und Vorteile der Streitschlichtung
5.6 Ablauf der Schlichtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss von Peer-Groups auf die Entwicklung von Gewaltbereitschaft sowie die tatsächliche Ausübung von Gewalthandlungen durch Jugendliche im schulischen Kontext. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie soziale Gruppierungen Normen etablieren, die teils zu delinquenten Verhaltensmustern führen, und welche Rolle diese Gruppen bei der Identitätsfindung und Konfliktlösung spielen.
1.1 Etymologische Zugangsweise
Jeder verwendet den Begriff Gewalt, jeder weiß für sich, was gemeint ist, wenn der Begriff erwähnt wird. Doch kaum macht sich einer wirklich bewußt, welche konkreten Handlungen sich dahinter verbergen. Etymologisch gesehen gibt es zwei Zugangsweisen, den Begriff Gewalt enger zu definieren.
Entweder definiert man Gewalt über:
- potentia, bzw. potestas, oder über
- vis, bzw. violentia.
In Anlehnung an potentia, bzw. potestas versteht man unter Gewalt die öffentlich – rechtliche Gewalt, die dem Staat zugesprochen und zugestanden wird, die ihm Durchsetzungsvermögen in Macht-, Regelungs- und Herrschaftsbeziehungen zuspricht. Diese Machtform äußert sich z.B. in Form der Gesetzgebung, der Rechtsstaatlichkeit, usw..
Wird der Begriff Gewalt im Lateinischen mit vis, bzw. violentia übersetzt, ergibt sich ein anderer Sinnzusammenhang. Gemeint ist dann nicht mehr ethisch vertretbares Handlungsverhalten, sondern vielmehr versteht man darunter die Anwendung von physischen und/oder psychischen Handlungen gegenüber Mitmenschen, sich selbst, Tieren und Einrichtungsgegenständen, um diese zu verletzten und zu beschädigen. Die Ursachen für solches Gewaltverhalten werden allgemein auf Schwierigkeiten mit individueller Konflikt- und Problemverarbeitung zurückgeführt, auf die noch genauer eingegangen wird. Sowohl die Psychologie wie die Soziologie legen hierzu eine Reihe von Erklärungsversuchen vor.
1. Gewalt: Dieses Kapitel erläutert die etymologischen Wurzeln des Gewaltbegriffs und diskutiert psychologische sowie soziologische Aggressionstheorien zur wissenschaftlichen Einordnung.
2. Die Peer-Group: Hier wird die Definition der Peer-Group als informelles Bezugssystem erarbeitet und deren Funktion für den Sozialisationsprozess von Jugendlichen beleuchtet.
3. Gewalt und Peer-Groups: Dieses Hauptkapitel analysiert das Entstehen von Gewaltbereitschaft innerhalb von Gruppen, den Einfluss auf schulisches Verhalten und die Rolle der Gangs als extreme Ausprägung.
4. Die besondere Rolle der Gang und Bande: Die Abgrenzung der Bande zur allgemeinen Peer-Group wird hier vorgenommen, inklusive der Faktoren, die einen Wechsel von der lockeren Clique hin zur delinquent organisierten Bande begünstigen.
5. Das Schüler – Streit – Schlichter – Programm: Abschließend wird ein praxisnahes Präventionskonzept vorgestellt, das darauf abzielt, soziale Kompetenzen zu stärken und Konflikte konstruktiv durch Schüler selbst zu lösen.
Gewalt, Aggression, Peer-Group, Sozialisation, Clique, Schule, Jugendliche, Bandenkriminalität, Delinquenz, Streitschlichtung, Normen, Werte, Konfliktlösung, Identitätsfindung, Gewaltprävention.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu informellen Jugendgruppen (Peer-Groups) und der Entstehung von Gewalteinstellungen sowie konkreten Gewalthandlungen bei Schülern.
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie von Gewalt und Aggression, den Sozialisationsfunktionen von Peer-Groups und den spezifischen Dynamiken, die innerhalb von Cliquen zu delinquentem Verhalten führen können.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche innerhalb ihrer Peer-Group soziale Identität und Normen bilden, die teilweise zu einer Verharmlosung oder Legitimierung von Gewalt führen, und wie Schulen präventiv darauf reagieren können.
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse verschiedener soziologischer und psychologischer Studien sowie der Auswertung von Fallbeispielen, ergänzt durch ein Experteninterview mit Schülern zu Streitschlichtungsmodellen.
Im Hauptteil werden die theoretischen Ansätze der Aggressionsentstehung diskutiert, die Funktionen der Peer-Group als "Ersatzfamilie" analysiert und die Rolle der Schule als sozialer Raum kritisch hinterfragt.
Die zentralen Begriffe sind Gewaltbereitschaft, Peer-Group, Identitätsfindung, Gruppendynamik, Schulklima, Delinquenz und Gewaltprävention.
Während eine Clique ein informelles, meist lose strukturiertes Freundschaftssystem ist, weist eine Bande eine differenziertere Struktur mit Anführer-Rollen auf, die sich nach außen hin bewusst durch Normabweichungen und kriminelle Handlungen abgrenzt.
Das Programm wird vorgeschlagen, weil Jugendliche in Konflikten untereinander eher als glaubwürdig gelten und durch das kooperative Training soziale Kompetenzen erwerben können, die eine gewaltfreie Streitkultur im Sozialsystem Schule fördern.
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