Magisterarbeit, 2005
113 Seiten, Note: Noch nicht benotet
1. Einleitung
2. Historische Beziehungen zwischen Europa und der Türkei
2.1 Das Türkentum in Europa (14.-17. Jhr.)
2.2 Die Wurzeln der Westorientierung
2.2.1 Die Tanzimat-Periode (1839-1880)
2.2.2 Die Jungtürken (1908-1918)
2.3 Der Zerfall des Osmanischen Reiches und die Neue Republik “Türkei“
2.3.1 Die Ziele der Reformen von Atatürk
2.3.2 Der Kemalismus und die “Sechs Pfeiler“
3. Der institutionelle Anschluss an den Westen
3.1 Das Assoziierungsabkommen (1963)
3.2 Der Antrag auf EG-Vollmitgliedschaft (1987)
3.3 Die Zollunion (1996)
3.4 Die Beitrittsgesuche der Türkei (1997)
3.5 Der Beschluss von Helsinki (1999)
3.6 Das Dokument über die Beitrittspartnerschaft (2001)
4. Die politischen Reformen in der Türkei
4.1 Stabile Institutionen
4.1.1 Regierung
4.1.2 Parlament – Wahlen – Parteien
4.2 Das Militär
4.3 Die Rechtsstaatlichkeit
4.4 Die Menschenrechtslage
4.4.1 Die Todesstrafe
4.4.2 Die Folter
4.4.3 Der Strafvollzug
4.4.4 Die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit
4.4.5 Die Minderheitenrechte
4.4.5.1 Das Kurdenproblem
4.4.5.2 Die nichtmuslimischen Minderheiten
5. EU-Positionen
6. Türkische Perspektiven - Chancen und Risiken aus einer Vollmitgliedschaft für die Türkei
6.1 Politik
6.2 Gesellschaft
6.3 Wirtschaft
7. Europäische Perspektiven - Chancen und Risiken aus einer Vollmitgliedschaft für Europa (Hintergründe und Argumente)
7.1 Ist die Türkei ein europäisches Land?
7.2 Kulturelle Dimensionen
7.2.1 Die Türkei als “das Andere“
7.2.2 Die politische Kultur
7.2.3 Zur Identität
7.2.3.1 Die europäische Identität
7.2.3.2 Die türkische Identität
7.2.4 Zur Religion
7.2.5 Die kulturelle Vereinbarkeit
7.3 Geopolitische Dimensionen
7.3.1 Geopolitische und geostrategische Bedeutung der Türkei
7.3.1.1 Geopolitische Bedeutung
7.3.1.2 Geostrategische Bedeutung
7.3.2 Energie- und Sicherheitspolitik
7.3.2.1 Die Türkei als Energieversorger
7.3.2.2 Die Türkei als sicherheitspolitischer Stabilitätsakteur
7.4 Wirtschaftliche und institutionelle Dimensionen
7.4.1 Wirtschaftliche und soziale Aspekte
7.4.2 Politische und institutionelle Aspekte
8. EU-Beitritt der Türkei als Zeichen für den Dialog der Kulturen?
9. Zusammenfassung
10. Schluss
Die Arbeit untersucht die Chancen und Risiken einer Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob die Türkei trotz bestehender Nachteile mehrheitlich von einem Beitritt profitieren kann und wie sich das Land historisch sowie politisch auf Europa ausgerichtet hat.
2.1 Das Türkentum in Europa (14. bis 17. Jhr.)
Kollektive Selbst- und Fremdbilder spiegeln die gegenwärtigen und vergangenen Machtverhältnisse zwischen Staatsgesellschaften einerseits und die Ideologie ihrer herrschenden Gruppen andererseits wider. Auch wenn diese nationalen Stereotype ihre Wurzeln in der Geschichte haben, beeinflussen sie die gegenwärtigen politischen Entscheidungen und die internationale Machtbalance. Unbewusste, kollektive Projektionen wirken auf zwischenstaatliche Beziehungen. Die Debatte über die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union hat einmal wieder gezeigt, dass nicht nur die politischen Positionen von Staaten und ihrer Vertreter, sondern auch die öffentlichen Reaktionen weitgehend von kollektiven Ängsten und emotionalen Faktoren geprägt werden.
Zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert waren die Türken eine Inkarnation von Gewalt und Krieg auf Grund der militärischen Übermacht des Osmanischen Reiches. Nicht nur Nationen, sondern auch Zivilisationskreise entwickeln ihre Kollektividentität in Antagonismen zu den als Gegner wahrgenommenen Einheiten. Die Republika Christiana entstand als eine Identitätsbezeichnung für ein noch nicht existierendes, politisches Gebilde vis-a-vis der Türkengefahr unter der ideologischen Führung der römischen Kirche. Die Kritik an der Uneinigkeit der christlichen Mächte gegenüber dieser gemeinsamen Gefahr zeigte das politische Ziel, den politischen Anspruch, der inneren Kohäsion und den Machtanstieg der Kirche im Verhältnis zu den weltlichen Machtzentren an. Die Türkenpredigten prangerten Missstände, den sittlichen und moralischen Verfall in der christlichen Welt an, die den Türken zum Sieg verhalfen. Im 16. Jahrhundert erschienen 2460 “Türkendrucke“, davon 1000 allein in deutscher Sprache. Es kann auch behauptet werden, dass die Bedrohung des Christentums durch die türkische Expansion mit den damaligen, öffentlichen Medien auch in die Teile Europas getragen wurde, die von der osmanischen Bedrohung nicht unmittelbar betroffen waren.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Annäherung der Türkei an Europa und begründet die Aktualität der Beitrittsfrage als zentrales Thema politischer Debatten.
2. Historische Beziehungen zwischen Europa und der Türkei: Dieses Kapitel zeichnet die komplexen, oft von Konfrontationen und wechselseitigen Projektionen geprägten Beziehungen zwischen dem Osmanischen Reich und Europa nach.
3. Der institutionelle Anschluss an den Westen: Hier wird der völkerrechtliche Status der Beziehungen zwischen der EU und der Türkei sowie der Prozess der institutionellen Anbindung von 1963 bis zum Beschluss von Helsinki analysiert.
4. Die politischen Reformen in der Türkei: Dieses Kapitel überprüft anhand offizieller Fortschrittsberichte, inwieweit die Türkei die politischen Kriterien von Kopenhagen erfüllt hat.
5. EU-Positionen: Hier werden die divergenten Standpunkte der verschiedenen EU-Mitgliedstaaten hinsichtlich der türkischen Beitrittsbestrebungen dargestellt.
6. Türkische Perspektiven - Chancen und Risiken aus einer Vollmitgliedschaft für die Türkei: Dieses Kapitel beleuchtet die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erwartungen und Bedenken innerhalb der Türkei hinsichtlich eines EU-Beitritts.
7. Europäische Perspektiven - Chancen und Risiken aus einer Vollmitgliedschaft für Europa (Hintergründe und Argumente): Das umfangreiche Kapitel analysiert kulturelle, geopolitische sowie wirtschaftliche Argumente, die in Europa gegen oder für einen Beitritt der Türkei angeführt werden.
8. EU-Beitritt der Türkei als Zeichen für den Dialog der Kulturen?: Diese Sektion hinterfragt, ob der EU-Beitritt der Türkei als Modell für eine friedliche Koexistenz und Synthese von Islam und Demokratie dienen kann.
9. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Erkenntnisse der Arbeit und ordnet den erreichten Status des Beitrittsprozesses kritisch ein.
10. Schluss: Der Schluss reflektiert die Fortschritte der Regierung Erdogan und stellt fest, dass der Beitrittsprozess zwar eingeleitet ist, jedoch langfristig von der Nachhaltigkeit der Reformen und dem politischen Willen aller Beteiligten abhängt.
Türkei, Europäische Union, Beitrittsverhandlungen, Kopenhagener Kriterien, Kemalismus, Zollunion, Demokratisierung, Menschenrechte, Minderheitenrechte, Geopolitik, Integration, Islam, Rechtsstaatlichkeit, Reformprozess, Europäische Identität.
Die Arbeit analysiert die historischen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Beitrittsdebatte der Türkei zur Europäischen Union sowie die Chancen und Risiken, die mit einer Vollmitgliedschaft verbunden sind.
Die zentralen Themen umfassen die historische Annäherung an den Westen, die Erfüllung der Kopenhagener Kriterien durch politische Reformen, die geopolitische Bedeutung der Türkei für Europa sowie kulturelle und religiöse Aspekte der Debatte.
Ziel ist es zu verdeutlichen, dass die Türkei einen Sonderfall darstellt und die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft für beide Seiten überwiegen, wenn man die komplexe historische und politische Entwicklung berücksichtigt.
Der Autor führt eine politikwissenschaftliche Analyse durch, die auf der Auswertung von internationaler Presse, politischen Zeitschriften, Fortschrittsberichten der Europäischen Kommission sowie akademischer Fachliteratur basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung, die rechtliche Darlegung der EU-Türkei-Beziehungen, eine detaillierte Prüfung politischer Reformen in der Türkei sowie eine Gegenüberstellung der Argumente für und gegen eine Vollmitgliedschaft aus türkischer und europäischer Perspektive.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Europäische Union, Türkei-Debatte, Beitrittskriterien, Demokratisierung, Reformprozess, Geopolitik und interkultureller Dialog charakterisiert.
Das Militär wird als "Hüter der kemalistischen Republik" beschrieben, dessen Einfluss auf die Politik jedoch durch EU-konforme Reformen, insbesondere im Nationalen Sicherheitsrat, schrittweise reduziert werden soll.
Der Autor sieht in der Zollunion ein wichtiges Instrument der Westintegration, bemängelt jedoch die daraus resultierenden einseitigen wirtschaftlichen Belastungen für die Türkei und den Ausschluss von EU-Strukturfonds.
Die Minderheitenrechte gelten als kritischer Punkt, wobei der Autor insbesondere auf die Herausforderungen durch das Kurdenproblem und die rechtliche Situation nichtmuslimischer Glaubensgemeinschaften hinweist.
Der Autor argumentiert, dass die Zugehörigkeit der Türkei zu Europa nicht nur geographisch, sondern primär politisch und historisch durch den jahrzehntelangen Modernisierungsprozess sowie die institutionelle Einbindung in den Westen legitimiert ist.
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