Magisterarbeit, 2004
92 Seiten, Note: 1,7
1 EINLEITUNG
2 DIE KI/AL UND DAS DENKEN
2.1 DIE IN-FORMIERUNG DES DENKENS
2.2 SYMBOLISCHE KI
2.2.1 Algorithmische Maschinen
2.2.2 Physikalische Symbolsysteme
2.2.3 Symbol: Repräsentation
2.2.4 Denkprozeduren
2.2.5 Das Selbst als „seltsame Schleife“
2.3 SUBSYMBOLISCHE KI
2.3.1 Konnektionismus
2.3.2 Netztopologien
2.3.3 Lernen: Autoregulation und Anpassung
2.3.4 Zerstreute Symbole
2.3.5 Emergenz: Sprünge zum Selbst
3 ZWISCHENSPIEL IM DUNKLEN
4 ÜBERGANG: DIE IN-FORMATION DES DENKENS
5 LYOTARD: DAS ANDERE DENKEN
5.1 KÖRPERANALOGIEN
5.2 EXKURS: GEDÄCHTNISSE
5.3 IN MEMORIAM: DAS VERGESSEN
5.4 DAS BEGEHREN DER MASCHINEN
5.5 EREIGNIS - ZEIT – INFORMATION
5.5.1 Entzug: Es geschieht
5.5.2 Zeitenwende: Verweigerte Ankunft
6 EPILOG: DAS KÜNSTLICHE DENKEN
Die vorliegende Arbeit untersucht die kognitionswissenschaftliche Modellierung von menschlichem Denken durch Ansätze der Künstlichen Intelligenz (KI) und des Künstlichen Lebens (AL). Dabei steht die kritische Hinterfragung der computerwissenschaftlichen Operationalisierung geistiger Prozesse im Fokus, um die Grenzen technischer Erklärungsmodelle aufzuzeigen und die leibliche Fundierung des Denkens als irreduzible Bedingung hervorzuheben.
2.2.1 Algorithmische Maschinen
Algorithmen gelten gemeinhin als Bestandteile herkömmlicher Programmiertechniken. Unser Versuch einer näheren Begriffsbestimmung dient jedoch nicht allein der Skizzierung funktionaler Eigenschaften moderner Software: Denken unter dem Siegel der Berechenbarkeit aufzufassen bedeutet zugleich, seine Funktionen als Ablauf algorithmischer Prozesse zu begreifen. Insofern bietet es sich an, Turings Spezifizierung eines effektiven Verfahrens kenntlich zu machen. Dieser Zugang empfiehlt sich, um die theoretischen Grundannahmen der symbolischen KI an die Konzeption universeller Turingmaschinen rückbinden zu können.
Wie bereits angedeutet, gelten Algorithmen als effektive Verfahren zur Lösung mathematischer Problemstellungen. Zur Veranschaulichung ziehen wir ein klassisches Beispiel aus der griechischen Antike heran: Der euklidische Algorithmus zur Bestimmung des größten gemeinsamen Teilers zweier Zahlen zählt zu den arithmetischen Grundprozeduren, die an deutschen Schulen gelehrt werden. Dieses systematische Verfahren gilt allgemein für Zahlen jeder Größe und ist in endlich vielen Ausdrücken beschreibbar. Trotz einer übergroßen Menge an (Spezial-)Beispielen gelang erst im Laufe des Frühlings des letzten Jahrhunderts die begriffliche Fixierung eines allgemeinen Algorithmus.
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass die KI Denken rein technisch-formal modelliert, und stellt die Leitfrage nach der Berücksichtigung der subjektiv-phänomenalen Seite des Denkens.
2 DIE KI/AL UND DAS DENKEN: Dieses Kapitel untersucht die theoretischen Grundlagen des Informationsbegriffs in KI und Konnektionismus, wobei der Fokus auf der Formalisierung kognitiver Prozesse liegt.
2.1 DIE IN-FORMIERUNG DES DENKENS: Hier wird kritisiert, dass informationstheoretische Ansätze den reichhaltigen Begriff der Erkenntnis durch eine rein mathematische Diskretisierung ersetzen.
2.2 SYMBOLISCHE KI: Das Kapitel analysiert den klassischen Ansatz der KI, Denken als Manipulation diskreter, symbolischer Einheiten zu verstehen.
2.2.1 Algorithmische Maschinen: Hier wird erläutert, wie der Algorithmusbegriff und das Konzept der Turingmaschine das Verständnis von Denken als berechenbaren Prozess prägen.
2.2.2 Physikalische Symbolsysteme: Dieses Kapitel behandelt die „Physical Symbol System Hypothesis“ (PSSH) und deren Anspruch, Intelligenz allein durch physikalische Symbolmanipulation zu erklären.
2.2.3 Symbol: Repräsentation: Es wird die Auffassung von Repräsentation als interne symbolische Rekonstruktion hinterfragt.
2.2.4 Denkprozeduren: Hier stehen heuristische Suchstrategien und Problemlöseverfahren im Zentrum der Untersuchung.
2.2.5 Das Selbst als „seltsame Schleife“: Das Kapitel betrachtet Versuche, Selbstbewusstsein durch rekursive Feedback-Schleifen in IT-Systemen abzubilden.
2.3 SUBSYMBOLISCHE KI: Dieser Abschnitt widmet sich den Netzwerktheorien als alternativem, subsymbolischem Modell kognitiver Prozesse.
2.3.1 Konnektionismus: Hier werden die Grundlagen neuronaler Netzwerke und deren Abkehr von der klassischen seriellen Architektur erläutert.
2.3.2 Netztopologien: Es wird diskutiert, wie die strukturelle Organisation neuronaler Netze deren Funktionalität bestimmt.
2.3.3 Lernen: Autoregulation und Anpassung: Das Kapitel untersucht, wie Lernalgorithmen zur Gewichtungsanpassung als Mechanismus für „künstliche Intelligenz“ dienen.
2.3.4 Zerstreute Symbole: Hier wird die Idee der verteilten Repräsentation von Wissen in Aktivitätsmustern thematisiert.
2.3.5 Emergenz: Sprünge zum Selbst: Das Kapitel kritisiert die leichtfertige Verwendung des Emergenzbegriffs zur Erklärung der Entstehung von Bewusstsein in komplexen Netzwerken.
3 ZWISCHENSPIEL IM DUNKLEN: Dieses Zwischenfazit hinterfragt die behavioristischen Erblasten, die sowohl symbolische als auch konnektionistische Ansätze durchziehen.
4 ÜBERGANG: DIE IN-FORMATION DES DENKENS: Der Übergang fasst die bisherigen Analysen zusammen und bereitet den Boden für die phänomenologische Kritik an der KI-Theorie.
5 LYOTARD: DAS ANDERE DENKEN: Dieses Kapitel nutzt die Schriften von Jean-François Lyotard, um Denken jenseits von Systemtheorie und funktionaler Reduktion zu betrachten.
5.1 KÖRPERANALOGIEN: Hier wird die zentrale Rolle der leiblichen Wahrnehmung als Analogon und Fundament für das Denken analysiert.
5.2 EXKURS: GEDÄCHTNISSE: Es wird kritisch diskutiert, wie moderne Speichertechnologien unser Verständnis von Erinnerung und Gedächtnis transformieren.
5.3 IN MEMORIAM: DAS VERGESSEN: Dieses Kapitel thematisiert die Notwendigkeit des Vergessens als Bedingung des Handelns und dessen Vernachlässigung in KI-Modellen.
5.4 DAS BEGEHREN DER MASCHINEN: Hier wird der Mangel und das Begehren als konstitutive Momente des Denkens aus psychoanalytischer Sicht eingeführt.
5.5 EREIGNIS - ZEIT – INFORMATION: Der Abschnitt befasst sich mit der Differenz zwischen technischer Zeitbeherrschung und dem unvorhersehbaren Ereignis.
5.5.1 Entzug: Es geschieht: Das Ereignis als das dem Denken Zuvorkommende wird in seiner Unverfügbarkeit beschrieben.
5.5.2 Zeitenwende: Verweigerte Ankunft: Dieses Kapitel reflektiert über die Auswirkungen der Postmoderne und neuer Technologien auf das menschliche Zeitbewusstsein.
6 EPILOG: DAS KÜNSTLICHE DENKEN: Der Epilog resümiert die Unzulänglichkeit künstlicher Systeme gegenüber der leiblichen, zeitlichen und unbestimmten Struktur menschlichen Denkens.
Künstliche Intelligenz, KI, Konnektionismus, Symbolismus, Denken, Phänomenologie, Leiblichkeit, Information, Algorithmus, Selbstreferenz, Emergenz, Zeitlichkeit, Vergessen, Begehren, Postmoderne
Die Arbeit untersucht kritisch, wie die Informatik und Kognitionswissenschaften das menschliche Denken als rein informationsverarbeitenden, berechenbaren Prozess zu modellieren versuchen.
Zentrale Felder sind die Unterscheidung zwischen symbolischer und subsymbolischer KI, die Problematik der Repräsentation sowie der Vergleich dieser Modelle mit phänomenologischen Sichtweisen.
Ziel ist es, die Grenzen einer rein mathematischen oder technischen Erklärung des menschlichen Denkens aufzuzeigen und die Unhintergehbarkeit des Leibes und der Alltäglichkeit herauszuarbeiten.
Es werden methodisch Ansätze der Phänomenologie (Merleau-Ponty, Husserl) und der Postmoderne (Lyotard) genutzt, um eine philosophische Gegenposition zu den technischen Diskurse der KI zu etablieren.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Funktionsweisen von Turingmaschinen, neuronalen Netzen, Wissensrepräsentationen und Lernalgorithmen, gefolgt von einer tiefgehenden Kritik aus phänomenologischer und psychoanalytischer Sicht.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "In-Formation", "leibliche Verankerung", "Selbstorganisation", "Ereignis" und "Unverfügbarkeit" maßgeblich bestimmt.
Der Leib wird als das "Vor-Ich" verstanden, das eine leibliche Weltaneignung ermöglicht, die sich einer rein logischen oder symbolischen Formalisierung entzieht.
Der Autor warnt vor einer allzu leichtfertigen Verwendung von Emergenz als "Erklärungslücke" in komplexen Netzwerken, da dies die zugrunde liegenden Mechanismen nicht wirklich plausibel mache.
Das Vergessen wird nicht als Mangel, sondern als notwendiger Modus der Weltbewältigung beschrieben, der sich in Systemen, die auf die Speicherung aller Daten ausgerichtet sind, nicht adäquat abbilden lässt.
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