Diplomarbeit, 2002
183 Seiten, Note: 2,0
1.Einleitung
2. Sehschädigung, was ist das?
2.1. Sehen und Wahrnehmen = Abbild der Wirklichkeit?
2.1.1 “Ich sehe Dich“- Warum sehen wir?
2.1.2 Aspekte der Wahrnehmung
2.1.3 „Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen“
2.2. Zum Verständnis von Sehschädigung
2.2.1 Definition
2.2.2 Zwei Konzepte: Funktionales Sehen und Low Vision
2.3. Verschiedene Formen einer Sehschädigung
2.3.1 Ursachen und Altershäufigkeit von Sehschädigungen
2.3.2 Beispiele für Sehbeeinträchtigungen und ihre Auswirkungen
3. Born to be YOUNG
3.1. Lebensphase „Jugend“
3.1.1 Was ist ein „Jugendlicher“?
3.1.2 Psychologische und soziologische Kriterien der „Jugendphase“
3.1.3 Untersuchungen zum Selbstverständnis
3.2. Die Jugendlichen der 90er Jahre
3.2.1 Jugend zwischen Rock, Hippies und Punk
3.2.2 „Free your mind and rave around the clock“
3.3. Wer bin ich?
3.3.1 Identitätsbegriff
3.3.2 Identitätsbalance
3.3.3 Sehschädigung: Der Mittelpunkt der Identität?
3.3.4 Ergebnisse zur Identitätsforschung bei Jugendlichen
4. Anders sehen – behindert sein?
4.1 Definition von Behinderung
4.1.1 Erklärungsansätze und kritische Reflexion von „Behinderung“
4.1.2 Progressive Betrachtungsweisen: ICIDH-2 und Konstruktivismus
4.2 Menschenbild
4.2.1 „Jung, gesund, attraktiv“: Das Erfolgsrezept für ein glückliches Leben
4.2.2 „Alt, krank, behindert“: Das Erfolgskonzept für ein unglückliches Leben
4.2.3 Menschen mit einer Behinderung: Gleiches Recht auf Leben und Tod
4.3 Leben in unserer Gesellschaft
4.3.1 Allgemeine gesellschaftliche Wandlungsprozesse
4.3.2 Bewusstseinswandel bei Menschen mit einer Behinderung
4.4. Benachteiligungen im Alltag
4.4.1 Einstellungen
4.4.2 Vorurteile
4.4.3 Stigmatisierung
4.4.4 Labeling Approach
5. Forschungsmethodik
5.1 Qualitative Sozialforschung
5.1.1 Qualitative Forschung
5.1.2 Das qualitative Interview
5.1.3 Leitfaden – Interviews: Fokus auf problemzentrierte Befragung
5.1.4 Auswertung von Daten: Qualitative Inhaltsanalyse
5.2. Methodische Umsetzung
5.2.1 Vorstellung des Materials
5.2.2 Konkrete Fragestellungen der Analyse
5.2.3 Formale Analysetechniken und Gütekriterien
6. Jugendliche mit einer Sehschädigung in einer visuellen Welt
6.1 Junge Menschen: Ihre Werte und Ziele
6.1.1 Jung sein versus erwachsen sein
6.1.2 Persönliche Werte versus gesellschaftliche Maßstäbe
6.1.3 Selbstbild versus Fremdbild
6.2 Die Welt anders sehen
6.2.1 Verschiedene Sehschädigungen
6.2.2 Orientierung und Erschwernisse im Alltag
6.2.3 Bedeutung von Sehen für einen Menschen mit einer Sehschädigung
6.3 Gesellschaft von heute: Exklusion versus Integration
6.3.1 Ist ein Mensch mit einer Sehschädigung behindert?
6.3.2 Gesellschaftliche Erschwernisse
6.3.3 Appell an alle
7. Reflexion
7.1 Zusammenfassung
7.2 Resumee
Die Diplomarbeit untersucht die Lebenswirklichkeit und Identitätsfindung sehgeschädigter Jugendlicher in einer stark visuell geprägten Kultur. Das primäre Ziel ist es, die individuellen Einstellungen der Jugendlichen zu sich selbst, zu ihrer Sehschädigung sowie ihre Wahrnehmung gesellschaftlicher Erwartungen zu erforschen und diese in den Kontext soziologischer und pädagogischer Theorien zu setzen.
2.1 Sehen und Wahrnehmen = Abbild der Wirklichkeit?
Es scheint, dass unsere Sinne, vor allem die Augen, uns ein getreues Abbild der Welt liefern. Wir setzen es mit einem fotografischen Prozess gleich. Das Bild, was wir sehen, geht demnach über den Sehnerv direkt ins Gehirn. Als Folge davon entsteht die Annahme, dass jeder Mensch die Welt genauso sieht und wahrnimmt, wie wir selbst (Virtueller Hochschulverband Karlsruhe (ViKar): „Wahrnehmung als aktiver Prozess" <http://www.vikar.ira.uka.de/teilprojekte/tp31/konstruktivismus/ wu_wahrnehmung.htm>).
Wir „sehen", weil ins Auge fallende Lichtstrahlen lichtempfindliche Rezeptoren und dadurch Nerven anregen, Signale ans Gehirn zu senden (Journal of Opthamology, 2000, <http://www.onjoph.com/patinfo/funktion/anatomie.html>). Das visuelle System liefert die meisten Eindrücke (80 %) aus unserer Umwelt. Es dient zur Differenzierung von Figur-Grund-Wahrnehmung, visuellem Gedächtnis, Wahrnehmung räumlicher Beziehungen usw. (Drüssler, o. J., <http://www. bleibebergquellenkolleg.de/projekt/kol/sinne.htm).
Die vorhergehenden reinen physikalischen Erklärungen reichen aber nicht aus, denn die Wirklichkeit ist „nur" eine Konstruktion unseres Gehirns. Wir können objektiv keine reale Welt sehen. Die Kognitionswissenschaft erklärt das damit, dass die von den Sinnesrezeptoren der Augen an das Gehirn weitergeleiteten Informationen bedeutungsneutral sind. Das Gehirn weist diesen Signalen auf der Basis von Erfahrungen Bedeutung und Sinn zu (Roth, 1997,<http://www.radiobremen.de/ vb2_archiv/wissenschaft/1997/w71211..htm>). Somit sieht und nimmt jeder anders wahr.
1.Einleitung: Hinführung zum Thema und Darlegung des Forschungsanliegens hinsichtlich der Lebenssituation sehgeschädigter Jugendlicher.
2. Sehschädigung, was ist das?: Theoretische Fundierung zum Verständnis von Sehen, Wahrnehmung und der Definition von Sehschädigung aus medizinischer und pädagogischer Sicht.
3. Born to be YOUNG: Psychologische und soziologische Betrachtung der Lebensphase Jugend und der Identitätsbildung unter Berücksichtigung der 90er Jahre.
4. Anders sehen – behindert sein?: Analyse des Behinderungsbegriffs, gesellschaftlicher Menschenbilder und Mechanismen von Benachteiligung und Stigmatisierung.
5. Forschungsmethodik: Erläuterung der angewandten qualitativen Sozialforschung, insbesondere des problemzentrierten Interviews und der qualitativen Inhaltsanalyse.
6. Jugendliche mit einer Sehschädigung in einer visuellen Welt: Darstellung der Forschungsergebnisse bezüglich Werte, Ziele, Selbstbild und Alltagserfahrungen der befragten Jugendlichen.
7. Reflexion: Kritische Zusammenfassung der Arbeit und abschließende persönliche Einschätzung der Autorin zu den zentralen Themenkomplexen.
Sehschädigung, Jugend, Identitätsfindung, Inklusion, Exklusion, Stigmatisierung, Qualitative Sozialforschung, Wahrnehmung, Behinderung, Sozialisation, Selbstbild, Fremdbild, Peer-Group, Lebensgestaltung, Gesellschaftliche Erwartungen.
Die Diplomarbeit untersucht, wie sich sehgeschädigte Jugendliche in einer visuell geprägten Welt orientieren, welche Identitätsstrategien sie entwickeln und wie sie gesellschaftliche Barrieren bewältigen.
Zentrale Felder sind die psychologische und soziologische Definition der Jugendphase, das Verständnis von Sehschädigung im Alltag sowie die Prozesse der Stigmatisierung und Etikettierung.
Das Ziel ist es, die Einstellungen von sehgeschädigten Jugendlichen zu sich selbst und zur Gesellschaft zu erforschen und aufzuzeigen, wie sie ihren Platz zwischen individuellen Wünschen und gesellschaftlichen Anforderungen finden.
Die Autorin nutzt die qualitative Sozialforschung, konkret das problemzentrierte Interview, um tiefgehende Einblicke in die subjektiven Lebenswelten von zwölf befragten Jugendlichen zu gewinnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Jugend und Sehschädigung sowie in den empirischen Teil, in dem Interview-Ergebnisse zu Themen wie Freundschaft, Zukunftspläne und Diskriminierung ausgewertet werden.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sehschädigung, Identität, Stigmatisierung, Sozialisation und Inklusion.
Die Ergebnisse zeigen, dass sie ihre Sehschädigung als einen Teil ihrer Identität begreifen, aber den Wunsch haben, nicht primär über diese Eigenschaft definiert zu werden, sondern "ganz normal" behandelt zu werden.
Die Adoleszenz ist eine Phase der Identitätsfindung. Wenn die Umwelt den Jugendlichen aufgrund seiner Sehschädigung in eine Sonderrolle drängt oder als "behindert" etikettiert, kann dies das Selbstwertgefühl erschüttern und zu Identitätskonflikten führen.
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