Diplomarbeit, 2005
142 Seiten, Note: sehr gut
Prolog
1 Problemstellung und Zielsetzung
1.1 Der ganz normale Wahnsinn
1.2 Risikosportart Extremsnowboarden
1.3 Forschungsstand
1.4 Zielsetzung
2 Inhaltliche Grundbegriffe
2.1 Risiko
2.2 Sicherheit
2.3 Risiko im Sport
2.4 Risikosport
2.4.1 Der Begriff
2.4.2 Risikosport oder Extremsport?
2.4.3 Einordnung des Risikosports
2.4.4 Restrisiko
2.4.5 Merkmale des Risiko- und Extremsports
2.4.6 Merkmale von Extremsportlern
2.5 Motiv und Motivation
2.5.1 Bergriffsabgrenzung
2.5.2 Mangel- und Überflussmotiv
2.5.3 Intrinsische und extrinsische Motivation
3 Extremsnowboarden
3.1 Die Sportart
3.1.1 Faszination Freeriden
3.1.2 Extremsnowboarden
3.2 Wettkämpfe
3.3 Risiken und Gefahren
4 Risikosport als Folge gesellschaftlichen Wandels
4.1 Gesellschaftlicher Wandel
4.1.1 Von der Außenorientierung zur Innenorientierung
4.1.2 Vom Materialismus zum Postmaterialismus
4.1.3 Vom Geldbudget zum Zeitbudget
4.1.4 Wertewandel und Individualisierung
4.1.5 Defizite des Selbsterlebens
4.2 Die Erlebnisgesellschaft
4.2.1 Merkmale der Erlebnisgesellschaft
4.2.2 Der Sport in der Erlebnisgesellschaft
4.2.3 Gesellschaftspolitische Ursachen für den Trend zu Risikosportarten
5 Motive im Risikosport
5.1 Langeweile und Unterforderung
5.2 Angstlust und die Lust an der Angst
5.2.1 Der „Thrill“
5.2.2. Die Lust an der Angst
5.3 Reizsuche als Persönlichkeitsmerkmal
5.3.1 Die Reversionstheorie nach Apter
5.3.2 Das „Sensation Seeking“ – Konzept nach Zuckerman
5.3.3 Konträre Persönlichkeitstypen
5.4 Suche nach intensiven Sinneserlebnissen
5.5 Suche nach außergewöhnlichen Emotionszuständen
5.5.1 Das „Ups-and-Downs“ – Erleben
5.5.2 Das Flow – Erlebnis
5.5.3 Transzendenz
5.6 Grenzsuche
5.6.1 Suche nach Leistungsgrenzen
5.6.2 Suche nach Risikogrenzen
5.7 Sicherheitssuche
5.7.1 Das Sicherheits – Risiko - Gesetz nach Cube
5.7.2 Die Ordaltheorie nach LeBreton
5.8 Identitätssuche
5.8.1 Identität
5.8.2 Identitäts- und Sinndefizite
5.9 Anerkennungssuche
5.10 Kameradschaftssuche
5.11 Süchtig nach Risiko?
5.11.1 Psychische Abhängigkeit
5.11.2 Physische Abhängigkeit
5.12 Zusammenfassung der Motivgruppen
6 Empirische Untersuchung zu den Motiven von Extremsnowboardern
6.1 Zielsetzung der Untersuchung
6.2 Untersuchungsmethode
6.2.1 Erhebung
6.2.2 Stichprobe
6.2.3 Auswertung
6.2.3.1 Häufigkeitsanalysen der soziodemografischen Daten und der Motivbereiche
6.2.3.2 Faktoranalyse der Motivbereiche
6.3 Ergebnisse der Untersuchung
6.3.1 Soziodemografische Daten
6.3.2 Die Motive von Extremsnowboardern
7 Interpretation der Untersuchungsergebnisse
8 Zusammenfassung und Ausblick
9 LVZ
10 Anhang
I Fragebogen Deutsch
II Fragebogen Englisch
III Tabellen und Grafiken der Faktorentalyse
Ziel dieser Arbeit ist es, die spezifischen Motive zu ergründen, die Extremsnowboarder dazu antreiben, ihre risikoreiche Sportart auszuüben. Durch eine Kombination aus ausführlicher Literaturanalyse bestehender, sportartspezifischer Modelle und einer empirischen Befragung unter aktiven Extremsnowboardern wird geklärt, welche psychologischen und soziologischen Erklärungsansätze auf diese Disziplin in der Realität anwendbar sind.
1.1 Der ganz normale Wahnsinn
Menschen springen mit einem Fallschirm am Rücken von Hochhäusern, erklettern ohne jede Sicherung hunderte Meter hohe Felswände, fliegen mit dem Hängegleiter Loopings in 6.000 Meter Höhe, reiten mit dem Surfbrett Wellen ab, die so groß sind wie mehrstöckige Häuser, springen mit Schi oder Snowboard über 40 Meter hohe Felsen und befahren 60 Grad steile Eiswände, stürzen sich mit Kajaks über riesige Wasserfälle – eine Liste, die sich beinahe beliebig fortsetzen ließe und die eine große Anzahl an sportlichen Aktivitäten umfasst.
Zwei Dinge sind all diesen Aktivitäten jedoch gemeinsam: Zum einen handelt es sich fast ausschließlich um sehr junge Sportarten, die erst in den letzten Jahrzehnten oder sogar Jahren entstanden sind, beziehungsweise sich erst in der jüngsten Vergangenheit in eine extreme Richtung entwickelt haben. Zum anderen bewegen sich die Athleten, die diese Sportarten ausüben, in einem Grenzbereich, in dem bereits kleine Fehler fatale Folgen haben können, also zu schweren Verletzungen oder zum Tod führen können.
Diese beiden Tatsachen werfen die Frage nach dem Warum auf. Was ist es, das diese Menschen dazu bringt, sich freiwillig in Lebensgefahr zu begeben? Sind Risikosportarten der Ausbruch aus einem überzivilisiertem Leben, in dem es ansonsten nichts mehr zu er-leben gibt? Ist es der Kitzel der Gefahr, Besessenheit, Euphorie, Neugier oder gar Sucht, welche die Menschen an die Grenzbereiche der Existenz streben lässt, um die Todesnähe zu spüren? Dies sind die Fragen, denen ich in dieser Arbeit nachgehe und die ich zu beantworten versuchen werde. Dabei wäre es aber illusorisch, ein einzelnes, allgemeingültiges Motiv für das Ausüben von Risikosport finden zu wollen, denn es handelt sich immer um ein ganzes Motivbündel, das bei jedem Menschen unterschiedlich zusammengesetzt ist (Vgl. Mehr, 1996).
1 Problemstellung und Zielsetzung: Einleitung in das Thema des Extremsnowboardens, die Darlegung der Relevanz der Risikobereitschaft und die Definition der Forschungsziele.
2 Inhaltliche Grundbegriffe: Definition und Abgrenzung zentraler Begriffe wie Risiko, Sicherheit, Risikosport sowie die Erläuterung der Grundlagen von Motiv und Motivation.
3 Extremsnowboarden: Vorstellung der Sportart, ihrer Faszination, der Wettkampfformen sowie der spezifischen Risiken und Gefahren.
4 Risikosport als Folge gesellschaftlichen Wandels: Untersuchung der makrosoziologischen Faktoren und des Phänomens der Erlebnisgesellschaft als Ursache für den Trend zum Risikosport.
5 Motive im Risikosport: Detaillierte Darstellung verschiedener psychologischer Modelle und Erklärungsansätze für risikosuchendes Verhalten.
6 Empirische Untersuchung zu den Motiven von Extremsnowboardern: Beschreibung der angewandten Untersuchungsmethode, der Stichprobe und des Fragebogendesigns zur Motivforschung.
7 Interpretation der Untersuchungsergebnisse: Zusammenführung und Diskussion der empirischen Daten sowie Einordnung in den theoretischen Kontext.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der zentralen Ergebnisse und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Risikosports.
Risikosport, Extremsnowboarden, Freeriden, Motivation, Erlebnisgesellschaft, Grenzsuche, Flow-Erlebnis, Identitätssuche, Angstlust, Risikokontrolle, Restrisiko, Sensation Seeking, Soziologie, Psychologie, Sportwissenschaften.
Die Arbeit untersucht die psychologischen und soziologischen Motive, die Extremsnowboarder dazu bewegen, ihre Sportart unter bewusstem Eingehen von Lebensgefahr auszuüben.
Die Arbeit deckt ein breites Spektrum ab, von der Einordnung des Risikosports im gesellschaftlichen Wandel der Erlebnisgesellschaft bis hin zu spezifischen psychologischen Theorien wie der Motivforschung, der Angstbewältigung, dem Flow-Konzept und der Suche nach Identität.
Ziel ist es, eine Lücke in der Forschung zu schließen, indem ein detailliertes Motivbündel für Extremsnowboarder erstellt wird, das durch Literaturanalyse und eine empirische Befragung von Athleten validiert wird.
Der Autor führt eine umfassende Literaturanalyse durch und kombiniert diese mit einer empirischen quantitativen Untersuchung mittels standardisierter Fragebögen, die an Teilnehmer eines internationalen Freeride-Wettbewerbs ausgegeben wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die gesellschaftliche Herleitung des Risikosport-Trends, die Vorstellung relevanter Motivationsmodelle sowie die Auswertung und Interpretation der eigenen empirischen Erhebung bei den Extremsnowboardern.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Risikosport, Extremsnowboarden, Motivationsmodelle, Erlebnisgesellschaft, Grenzsuche, Flow-Erleben und Sensation Seeking.
Die empirische Untersuchung ergibt, dass das intensive Naturerlebnis – das Spüren der Mächtigkeit und Unbedeutendheit gegenüber den Elementen – eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Motiv der Extremsnowboarder ist.
Entgegen der These, Extremsportler seien Einzelgänger, zeigt die Arbeit, dass das gemeinsame Meistern von Extremsituationen ein fundamentales und hoch bewertetes Motiv darstellt, da es intensives Vertrauen erfordert und fördert.
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