Examensarbeit, 2003
77 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
1. Zur Einführung: Ein umstrittener Text
1.1 Der Kontext: Deuterojesaja und die Ebed-JHWH-Lieder
1.1.1 Die Botschaft des Propheten Deuterojesaja
1.1.2 Die vier Gottesknechtslieder und die Gestalt des Ebed JHWH
1.2 Der Text: Exegese von Jes 52,13 – 53,12
1.2.1 Der Aufbau des vierten Gottesknechtsliedes
1.2.2 Jes 52,13 – 53,12 von Vers zu Vers
1.2.3 "Mein Knecht, der Gerechte, macht die Vielen gerecht, und ihre Verschuldungen – er trägt sie." (Jes 53,11) Zur Interpretation des vierten Gottesknechtsliedes
1.3 Jes 53 als Teil der Botschaft Deuterojesajas
2. Die Wirkungsgeschichte von Jes 53 im Judentum zu hellenistisch-römischer Zeit
2.1 Der Befund: Jes 53 in den Schriftzeugnissen des Judentums zu hellenistisch-römischer Zeit
2.1.1 Im alttestamentlichen Kanon: Die Bücher Sach und Dan
2.1.2 Im außerbiblischen Schrifttum: Der äthHen und die SapSal
2.1.3 In der LXX
2.2 Beurteilung des Befunds
3. Zusammenfassung: Jes 53 im Alten Testament und zu vorneutestamentlicher Zeit
4. Die neutestamentliche Rezeption des Wortes vom leidenden Gottesknecht: Der Textbefund
4.1 Die Zitate aus dem vierten Ebed-JHWH-Lied
4.2 Anklänge an die alttestamentliche Prophetie
5. Jes 53 im Neuen Testament: Analyse ausgewählter Textstellen
5.1 Das Wort vom leidenden Gottesknecht im Munde Jesu
5.1.1 Gottesknecht und Menschensohn: Mk 10,45
5.1.2 Das Kelchwort: Mk 14,23
5.1.3 Zu den Übeltätern gezählt: Lk 22,37
5.2 Jes 53 im Zeugnis der urchristlichen Gemeinde
5.2.1 Der äthiopische Hofbeamte: Apg 8,26-40
5.2.2 Ein urchristlicher Hymnus: Phil 2,6-11
5.2.3 Die Gemeindeüberlieferung von der Auferstehung: 1Kor 15,3b-5
Exkurs: Jesus der Menschensohn
6. Die Deutung der Ergebnisse: Der Einfluss von Jes 52,13 – 53,12 auf Jesu Selbstverständnis und auf die Urgemeinde
6.1 Das Selbstverständnis des Jesus von Nazareth
6.2 Jes 53 und die Anfänge der Christologie
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des vierten Gottesknechtsliedes (Jes 52,13 – 53,12) für das Neue Testament. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Jes 53 zur Entstehung der ältesten Christologie beitrug und inwieweit dieses Verständnis des Leidens Jesu auf Jesus von Nazareth selbst zurückgeht.
1.2.1 Der Aufbau des vierten Gottesknechtsliedes
Das vierte Lied vom Gottesknecht weist eine sehr klare und kunstvolle Gliederung auf. In Jes 52,13-15 liegt eine Gottesrede vor; daran schließt sich in Jes 53,1-11a die Rede der Menschen an. Die Perikope endet wiederum mit einer Gottesrede: Jes 53,11b+12. Die Gottesrede über den Knecht umrahmt also die Rede der Menschen über den Knecht. Dabei handelt die Gottesrede jeweils von der Zukunft des Knechtes, während die Menschen im Mittelteil von der vollendeten Vergangenheit des Gottesknechts sprechen. Hier äußert sich eine Gruppe von Mitmenschen des Gottesknechts, wobei ab Vers 7 möglicherweise nur noch ein einzelner spricht.
Die Rede dieser "Wir-Gruppe" – es wird noch zu untersuchen sein, wer die Redenden sind – hat den Charakter eines Nachrufes. Neben den bloßen Fakten über das Leben des Gottesknechts beinhaltet sie auch das Urteil der Sprechenden über ihn. In diesem Urteil hat sich offenbar eine Wandlung vollzogen. Während in den Versen Jes 53,2-4 die aus der Krankheit des Gottesknechts resultierende Verachtung der Sprechergruppe betont wird, deutet sich in Jes 53,5a ein Perspektivwechsel an: "Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen." Dieser Perspektivwechsel mündet in die Erkenntnis, dass die Sache des Gottesknechts letztlich doch gelingen wird – sogar nach seinem Tod (Jes 53,10+11a).
1. Zur Einführung: Ein umstrittener Text: Umreißt die Komplexität der Auslegung von Jes 53 und die zentralen Fragestellungen der Forschung.
1.1 Der Kontext: Deuterojesaja und die Ebed-JHWH-Lieder: Untersucht die Einbettung des Gottesknechts in die Botschaft des Propheten Deuterojesaja.
1.2 Der Text: Exegese von Jes 52,13 – 53,12: Bietet eine detaillierte Vers-für-Vers-Exegese und formgeschichtliche Analyse des vierten Liedes.
1.3 Jes 53 als Teil der Botschaft Deuterojesajas: Reflektiert die Verbindung zwischen dem Gottesknecht und der restlichen Botschaft des Propheten.
2. Die Wirkungsgeschichte von Jes 53 im Judentum zu hellenistisch-römischer Zeit: Analysiert, wie der Text in jüdischen Schriften vor dem Christentum aufgenommen wurde.
3. Zusammenfassung: Jes 53 im Alten Testament und zu vorneutestamentlicher Zeit: Führt die Ergebnisse der alttestamentlichen Untersuchung zusammen.
4. Die neutestamentliche Rezeption des Wortes vom leidenden Gottesknecht: Der Textbefund: Dokumentiert das Vorkommen von Zitaten und Anspielungen im Neuen Testament.
5. Jes 53 im Neuen Testament: Analyse ausgewählter Textstellen: Untersucht exemplarisch die Verwendung des Gottesknechtsmotivs bei Jesus und in der Urgemeinde.
6. Die Deutung der Ergebnisse: Der Einfluss von Jes 52,13 – 53,12 auf Jesu Selbstverständnis und auf die Urgemeinde: Synthetisiert die Bedeutung für das Wirken Jesu und die Entstehung der Christologie.
Jesaja 53, Gottesknecht, Ebed JHWH, Deuterojesaja, Stellvertretung, Sühne, Neues Testament, Christologie, Menschensohn, Wirkungsgeschichte, Judentum, Leiden Christi, Jesaja-Buch, Altes Testament, Exegese.
Die Arbeit untersucht das vierte Gottesknechtslied (Jes 52,13 – 53,12) und dessen Bedeutung für das Neue Testament sowie für das Selbstverständnis Jesu von Nazareth.
Im Zentrum stehen die alttestamentliche Exegese, die Wirkungsgeschichte im Judentum zur hellenistisch-römischen Zeit und die neutestamentliche Rezeption inklusive der Christologie.
Das Ziel ist herauszuarbeiten, inwieweit das vierte Gottesknechtslied die frühe Christologie beeinflusste und ob Jesus selbst sein Wirken unter diesem Gesichtspunkt verstand.
Es wird eine historisch-kritische Exegese in Verbindung mit gattungsgeschichtlichen und traditionsgeschichtlichen Fragestellungen angewandt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine alttestamentliche Auslegung, eine Untersuchung der jüdischen Rezeptionsgeschichte sowie eine umfangreiche Analyse der neutestamentlichen Texte.
Wichtige Begriffe sind Gottesknecht, Stellvertretung, Sühne, Menschensohn, Deuterojesaja und die christologische Deutung des Leidens Jesu.
Der Autor stellt fest, dass das vierte Lied im Judentum der hellenistisch-römischen Zeit in seiner vollen Tiefe – insbesondere der stellvertretende Tod – kaum rezipiert wurde.
Der Autor sieht in der Verbindung von Menschensohntitel und Gottesknechtsgedanken die Grundlage, auf der Jesus sein eigenes Schicksal und Kreuzesgeschehen in Worte fasste.
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