Diplomarbeit, 2004
156 Seiten, Note: sehr gut - 1,3
1. EINLEITUNG
2. THEORIE
2.1. Grundlagen der nonverbalen Kommunikation
2.1.1. Definitionen und Theorien
2.1.2. Die Funktionen der nonverbalen Kommunikation
2.1.3. Formen nonverbaler Kommunikation
2.1.4. Probleme der nonverbalen Kommunikation
2.1.5. Vergleich des Informationsgehaltes der nonverbalen Kommunikationskanäle
2.1.6. Zusammenfassung
2.2. Grundlagen des menschlichen Erlebens von Musik
2.2.1. Biologische Grundlagen und evolutionspsychologische Erkenntnisse
2.2.2. Hören vor der Geburt – pränatale Kommunikation
2.2.3. Der präverbale Handlungsdialog –Erkenntnisse der Säuglingsforschung
2.2.4. Zusammenfassung
2.3. Musikpsychologische Methoden und Erkenntnisse
2.3.1. Musikpsychologische Methoden zur Beurteilung des emotionalen Gehalts von Musik
2.3.2. Die emotionale Wirkung von Musik - musikalische Ausdrucksmodelle
2.3.3. Kulturspezifische Aspekte des Musikwahrnehmens
2.3.4. Einschätzung der musikalischen Improvisation in der Musikwissenschaft
2.3.5. Zusammenfassung
2.4. Konzeption und Analyse der freien musikalischen Improvisation innerhalb der musiktherapeutischen Forschung
2.4.1. Das Musikverständnis in der musiktherapeutischen Improvisation
2.4.2. Grundlegende Konzeptionen und Begründungen der Improvisation innerhalb der Musiktherapie
2.4.3. Methoden zur Analyse musiktherapeutischer Improvisationen
2.4.4.1. Qualitativ ausgerichtete Konzepte
2.4.4.2. Skalen und Fragebögen
2.4.4. Beispiele Musiktherapeutischer Grundlagenforschung
2.5. Zusammenfassung, Fragestellung und Hypothesen
3. METHODEN
3.1. Design und Materialien
3.1.1. Design
3.1.2. Raterbogen zur Beurteilung musiktherapeutischer Interaktionen
3.2. Erstellung der Videoszene
3.2.1. Klinischer und therapeutischer Behandlungsrahmen
3.2.2. Instrumentarium
3.2.3. Positionierung im Raum
3.2.4. Aufnahmebedingungen
3.2.5. Der Therapieverlauf
3.2.6. Auswahl der zu beurteilenden Szenen
3.3. Untersuchungsdurchführung
3.3.1. Beurteilungsmodus und Auswahl der Rater
3.3.2. Datenerhebung
3.4.. Operationalisierungen und Statistische Hypothesen
3.5. Datenanalyseverfahren
4. ERGEBNISSE
4.1. Datenreduktion
4.1.1. Hauptkomponentenanalyse
4.1.2. Korrelationen innerhalb der Scores
4.2. Deskriptive Auswertung des Datensatzes
4.2.1 Demographie
4.2.2. Beschreibung der Daten
4.2.3. Auswertung des Fragebogens gesplittet nach den zu untersuchenden Merkmalen
4.2.3.1. Untersuchung des Einflusses der Variablen „Perzeption“
4.2.3.2. Untersuchung des Einflusses der Variablen „Berufserfahrung“
4.2.3.3. Untersuchung der Reihenfolge der einzelnen Wahrnehmungsarten
4.2.4. Untersuchung auf Normalverteilung – Residualanalyse
4.3. Inferenzstatistik
4.3.1 Vorgehensweise
4.3.2. Untersuchung des gesamten Datensatzes
4.3.3. Untersuchung der einzelnen Szenen
4.3.3.1. Untersuchung der ersten Szene
4.3.3.1. Untersuchung der zweiten Szene
4.3.3.1. Untersuchung der dritten Szene
4.4. Hypothesenprüfung
4.4.1. Einfluss der Wahrnehmungsart: Hypothese 1
4.4.2. Einfluss der musiktherapeutischen Berufserfahrung: Hypothese 2
5. DISKUSSION
5.1. Kritik des Versuchsdesigns
5.2. Diskussion des Videos und der ausgewählten Szenen
5.3. Einfluss der Art der Wahrnehmung auf die Einschätzung einer musiktherapeutischen Interaktion (H1)
5.4. Einfluss der musiktherapeutischen Qualifikation der Rater auf die Einschätzung einer musiktherapeutischen Interaktion (H2)
5.5. Zusammenfassung und kritische Würdigung
6. LITERATUR
7. ANHANG
Die Arbeit untersucht die Rolle visueller und auditiver Informationen bei der Beurteilung musiktherapeutischer Interaktionen durch unabhängige Rater. Dabei soll geklärt werden, ob musikalische Ausdrucksformen als Kommunikationsmittel genauso informativ wie optische Signale sind und ob musiktherapeutische Berufserfahrung die Einschätzung der Interaktionsqualität beeinflusst.
Die freie musikalische Improvisation als „Standardsetting“ der aktiven Musiktherapie
Musiktherapie versteht sich zusammen mit der Gestaltungs- bzw. Kunsttherapie und den verschiedenen körpertherapeutischen Therapieformen wie Tanztherapie oder Konzentrativer Bewegungstherapie als nonverbales Psychotherapieverfahren. Bezugnehmend auf die Erkenntnisse der Säuglingsforschung wird oftmals behauptet, dass über die in diesen Verfahren angesprochenen nonverbalen Kommunikationskanäle ein direkter Zugang zu frühen Beziehungserlebnissen möglich sei.
Die meisten Musiktherapeuten teilen weiterhin das Erleben während einer musikalischen Improvisation das „untrügliche Gefühl“ zu haben, den Patienten allein anhand seiner improvisierten musikalischen „Äußerungen“ verstanden zu haben. Gleichermaßen wird davon ausgegangen, dass es möglich ist, durch musikalische Mittel therapeutisch intervenieren zu können. Dieses Verstehen und Verstandenwerden wird nun subjektiv als so bedeutend und eindrucksvoll erlebt, dass ihm oft eine höhere emotionale Qualität zugesprochen wird als dem verbalen Informationsaustausch.
Der Stellenwert der Improvisation innerhalb der Musiktherapie hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Während in den 50er Jahren eher das Hören von Musik und die Auswahl geeigneter Musikstücke im Vordergrund stand (siehe Teirich 1958), ist zumindest in der psychotherapeutischen Ausrichtung der Musiktherapie die Arbeit mit Improvisationen inzwischen geradezu das "Standardsetting" (Makowitzki, 1995). Die psychologischen Begründungen, diese Methode in der Therapie zu verwenden, sind jedoch unterschiedlich. Sie fußen eher auf praktische Erfahrungen der einzelnen Musiktherapeuten als auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen.
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung stellt die Musiktherapie als Gesundheitsberuf in Deutschland vor, problematisiert ihre aktuelle Versorgungssituation und leitet zur wissenschaftlichen Untersuchung der freien musikalischen Improvisation als zentrales Medium über.
2. THEORIE: Das Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über nonverbale Kommunikation, die physiologischen und entwicklungspsychologischen Grundlagen des Musikerlebens sowie musikpsychologische Methoden und Analyseverfahren für Improvisationen.
3. METHODEN: Hier wird das Untersuchungsdesign der Diplomarbeit detailliert beschrieben, einschließlich der Auswahl der Videoszenen, des Aufbaus des Raterbogens und der statistischen Vorgehensweise zur Auswertung.
4. ERGEBNISSE: Dieser Abschnitt präsentiert die Ergebnisse der Datenreduktion, die deskriptive Auswertung sowie die inferenzstatistische Prüfung der Hypothesen hinsichtlich des Einflusses von Wahrnehmungsart und Berufserfahrung.
5. DISKUSSION: Das letzte Kapitel reflektiert kritisch das Versuchsdesign und die Ergebnisse der Untersuchung, ordnet diese in den klinischen Kontext ein und gibt Ausblicke für zukünftige musiktherapeutische Grundlagenforschung.
Musiktherapie, Improvisation, Nonverbale Kommunikation, Wahrnehmung, Interaktion, Therapeutische Beziehung, Multikanal-Paradigma, Musikpsychologie, Emotionsforschung, Klinische Psychologie, Raterstudie, Videoanalyse, Berufserfahrung, Interaktionsanalyse, Psychotherapeutisches Verfahren.
Die Diplomarbeit untersucht, wie verschiedene Sinnesinformationen (nur Audio, nur Video, Audio und Video zusammen) die Beurteilung musiktherapeutischer Interaktionen beeinflussen und ob die berufliche Qualifikation der Beurteiler dabei eine Rolle spielt.
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse der Kommunikationspsychologie, Säuglingsforschung und Musiktherapie, um das „Spezifische“ der Musik als nonverbales Kommunikationsmedium im therapeutischen Kontext zu erforschen.
Ziel ist es zu legitimieren, warum das Medium der freien musikalischen Improvisation in der Therapie eingesetzt wird, und nachzuweisen, ob die Einschätzung einer therapeutischen Interaktion signifikant davon abhängt, welche Wahrnehmungsart dem Beurteiler zur Verfügung steht.
Es kommt ein quantitatives Design zum Einsatz, bei dem 68 Rater drei Videoszenen anhand eines strukturierten Fragebogens (mit Skalen zur Interaktion, zum Therapeuten und zum Patienten) unter verschiedenen Informationsbedingungen (Multikanal-Paradigma) bewerten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche theoretische Fundierung (nonverbale Kommunikation, Musikwahrnehmung, Forschungsmethoden) und einen methodischen Teil, in dem das Design, die Erstellung der Videoszenen und die statistischen Analyseverfahren beschrieben werden.
Wichtige Begriffe sind Musiktherapie, freie Improvisation, nonverbale Kommunikation, Interaktionsanalyse, Multikanal-Paradigma, therapeutische Beziehung und musikpsychologische Grundlagenforschung.
Der Autor greift auf vorhandenes Videomaterial aus seiner Musiktherapieausbildung zurück. Der gewählte Patient eignet sich aufgrund seines in der Literatur gut dokumentierten, reduzierten affektiven Ausdrucksverhaltens für die Untersuchung der Wahrnehmungsunterschiede.
Die Ergebnisse stärken die Annahme, dass musiktherapeutische Berufserfahrung keinen signifikanten Einfluss auf die Einschätzung der Interaktionsqualität hat, was darauf hindeuten könnte, dass die wesentlichen Prozesse in der Musiktherapie für alle Menschen (auch Laien) intuitiv zugänglich sind.
Die Resonanzkörperfunktion beschreibt das Mitklingen und die assoziative Berührbarkeit des Therapeuten gegenüber dem Patienten. Die Arbeit nutzt diesen Ansatz, um über die subjektiven Einschätzungen der Rater Zugang zu den innerseelischen, präverbalen Prozessen der Improvisation zu finden.
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