Diplomarbeit, 2000
100 Seiten, Note: 1,1
Einleitung
1. Die Globalisierungsdebatte- Positionen
1.1 Die Debatte
1.2 Positionen
1.2.1 Globalisierung als neues, folgenreiches Phänomen
1.2.2 Globalisierung - kein neues und kein folgenreiches Problem
2. Globalisierung – eine Begriffsdefinition
2.1 Dimensionen
2.1.1 Ökonomische Globalisierung
2.1.1.1 Produktion und Direktinvestitionen
2.1.1.2 Handel
2.1.1.3 Finanzmärkte
2.1.2 Kulturelle Globalisierung
2.1.3 Ideologische Globalisierung
2.2 Definition des Begriffs
3. Politische Folgen ökonomischer Globalisierung
3.1 Neue Komplexität
3.2. Governance-Probleme im Nationalstaat
3.2.1 Einschränkungen makroökonomischer Steuerungsmacht
3.2.2 Einschränkungen sozialpolitischer Distributionsmacht
3.2.3 Regionalisierung
3.3 Governance-Probleme im Internationalen System
4. Wettbewerbsstaaten
4.1 Notwendigkeit des Wettbewerbsstaates
4.2 Gouvernementale Politik als Standortfaktor
4.3 Wettbewerbstaat und Wettbewerbsfähigkeit
4.3.1 Makroökonomische Wettbewerbsfähigkeit
4.3.1.1 Makroökonomische Wettbewerbsfähigkeit in der Triade
4.3.2 Systemische Wettbewerbsfähigkeit
4.3.2.1 Systemische Wettbewerbsfähigkeit in der Triade
4.4 Wettbewerbsstaat und die Logik kollektiven Handelns
4.4.1 Das Korporatismusmodell Japans
4.4.2 Deutscher Sozialstaat
4.4.3 Amerikas laissez faire
5. Politischer Wettbewerb zwischen Wettbewerbsstaaten
5.1 Politischer Wettbewerb
5.2 Wettbewerbspolitik in der Triade
5.2.1 Japanischer Neomerkantilismus
5.2.2 US-amerikanischer Nichtinterventionismus
5.2.3 Deutschlands Unentschlossenheit, Europas Unvermögen
5.3 Unilateralismus, Multilateralismus und die Uruguay-Runde des GATT
5.3.1 USA: Aggressiver Unilateralismus
5.3.2 Japans vermeintlicher Königsweg: Kontingente
5.3.3 EU: Protektionismus als Strukturproblem
5.3.4 WTO: Ende des Unilateralismus?
5.4 Zur Erklärungskraft neorealistischer und institutionalistischer Theorien der Internationalen Beziehungen
Globalisierung und politischer Wettbewerb - Schluß
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die ökonomische Globalisierung die Spielräume und Strategien nationaler politischer Systeme in der Triade (USA, Japan, Deutschland) einschränkt und verändert. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert auf die Anpassungsleistungen der Nationalstaaten an den zunehmenden internationalen Standortwettbewerb.
2.1.1.1 Produktion und Direktinvestitionen
Globale Märkte bei Produktionsprozessen und Direktinvestitionen sind nichts eigentlich Neues, trotzdem wirken sie „neu“ - vor allem deshalb, weil sie sich in Qualität und Quantität von weltwirtschaftlichen Zusammenhänge früherer Jahre nicht unwesentlich unterscheiden und in den letzten Jahren, wie wir zeigen werden, rasant wachsen konnten, relativ wie absolut. Dennoch sind international ablaufende Investitions- und Produktionsprozesse (noch) weit davon entfernt, gegenüber denen, die sich im nationalen Rahmen vollziehen, zu dominieren. Wirtschaft ist auch im Zeitalter der Globalisierung zuvorderst ein nationales Phänomen.
Die weltweit gestiegene Mobilität von Investitionen und die Erweiterung weltweiter Arbeitsteilung hat neben den oben benannten allgemeinen (wissenschaftlich-technischer Fortschritt, Rationalisierungsprozesse in der Wirtschaft sowie innergesellschaftlicher Wandel) drei spezifische Gründe: 1. Das Aufkommen von Multinationalen Unternehmen und die von ihnen getätigten Direktinvestitionen, 2. Marktbliberalisierende Wirtschaftspolitiken in den entwickelten Industrieländern und – parallel dazu – Industrialisierungserfolge in einigen Schwellenländern, sowie 3. die daraus erwachsene größere Konkurrenz der Unternehmen und Standorte.
(1) Multinationale Unternehmen erscheinen besonders gut geeignet, transnationale Arbeitsteilung, d.h. eine effiziente weltweite Allokation von Produktionsfaktoren, herzustellen. In den Ansiedlungsentscheidungen dieser Unternehmen schlagen sich aber zunehmend die Aspekte einer weltweiten Standortarbitrage nieder, die durch den gestiegenen Mobilitätsgrad von Gütern und Kapital ermöglicht wird. Grundsätzlich wird unter Standortarbitrage ein Entscheidungsmuster verstanden, in dem wirtschaftliche Subjekte den Standort mit der größten Renditeerwartung identifizieren. Da die meisten Produktionsfaktoren inzwischen mobiler als früher sind, kann der Arbitrageprozeß mittlerweile in einem globalen Rahmen stattfinden: Leistungen und Produkte werden an dem Ort gekauft, wo sie am billigsten sind, weiterverarbeitet, wo dies am kostengünstigsten erscheint, und am einträglichsten Ort verkauft. Die daraus resultierenden Möglichkeiten zur Kostenminimierung und Gewinnmaximierung zwingen die im globalen Wettbewerb stehenden Unternehmen zur Diversifikation, d.h. zu einer gründlichen Auswahl der Standorte, wobei neue bei Investitionsentscheidungen geeigneter erscheinen als bisherige. Allerdings tendieren produktionsbezogene Direktinvestitionen, wenn das Investitionsvolumen eine gewisse kritische Masse erreicht hat, zur Verstetigung. Unter anderem deshalb lenken MNU nach wie vor den größten Teil ihrer Investitionen in ihre „Heimatstandorte“. Die Umsätze Multinationaler Unternehmen wachsen schneller als das BIP beispielsweise der OECD-Länder, und sie nehmen einen zunehmend höheren Anteil am Bruttosozialprodukt der entwickelten Länder ein.
1. Die Globalisierungsdebatte- Positionen: Dieses Kapitel stellt die verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven und die zentralen Argumentationsmuster innerhalb der Globalisierungsdebatte vor.
2. Globalisierung – eine Begriffsdefinition: Hier werden die ökonomischen, kulturellen und ideologischen Dimensionen der Globalisierung differenziert, um eine präzise Grundlage für die weitere Analyse zu schaffen.
3. Politische Folgen ökonomischer Globalisierung: Dieses Kapitel untersucht, wie wirtschaftliche Globalisierung die Handlungsspielräume nationaler Regierungen hinsichtlich makroökonomischer und sozialpolitischer Steuerung einschränkt.
4. Wettbewerbsstaaten: Das Kapitel analysiert das Modell des Wettbewerbsstaats und wie unterschiedliche nationale Systeme (Japan, Deutschland, USA) auf den Druck globaler Märkte reagieren.
5. Politischer Wettbewerb zwischen Wettbewerbsstaaten: Hier wird analysiert, wie politische Administrationen durch strategische Handelspolitik versuchen, sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen und wie dies die internationale Kooperation beeinflusst.
Globalisierung und politischer Wettbewerb - Schluß: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Dialektik zwischen ökonomischen Prozessen und politischer Handlungsfähigkeit.
Globalisierung, Wettbewerbsstaat, Triade, Direktinvestitionen, Governance, Multinationale Unternehmen, Standortwettbewerb, Handelspolitik, Sozialstaat, Internationale Beziehungen, Neorealismus, Institutionalismus, ökonomische Interdependenz, Handlungsfähigkeit, Protektionismus
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen der ökonomischen Globalisierung auf die Politik und Handlungsfähigkeit von Nationalstaaten in der Triade (USA, Japan, Deutschland).
Zentrale Themen sind die Transformation des Nationalstaats zum Wettbewerbsstaat, der Einfluss globaler Finanzmärkte, die Rolle multinationaler Unternehmen und die Veränderung internationaler Handelsregimes.
Das Ziel ist es zu erörtern, inwieweit ökonomische Globalisierung die politischen Systeme der Triade unter Druck setzt und welche Strategien diese Staaten entwickeln, um ihre Position in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen zu behaupten.
Die Arbeit verfolgt einen qualitativen, politikwissenschaftlichen Ansatz, der idealtypische Modelle (wie den Wettbewerbsstaat) nutzt, um die Interaktion zwischen globalen ökonomischen Zwängen und nationaler Politik zu analysieren.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Debatten zur Globalisierung, definiert deren Dimensionen, untersucht die Auswirkungen auf die staatliche Steuerungs- und Distributionsmacht und vergleicht die nationalen Strategien der Triade im politischen Wettbewerb.
Wichtige Begriffe sind Globalisierung, Wettbewerbsstaat, Triade, Standortwettbewerb, Governance und internationale Handelsregimes.
Die Arbeit zeigt, dass die Triade-Staaten je nach historischem und institutionellem Hintergrund (z.B. Japans Korporatismus, Deutschlands Sozialstaat oder US-amerikanisches Laissez-faire) unterschiedliche Anpassungsstrategien und unterschiedliches Unvermögen bei der politischen Steuerung zeigen.
Der Autor argumentiert, dass Nationalstaaten ihre Handlungsfähigkeit nicht völlig verlieren, sondern ihre politische Logik zunehmend an den Erfordernissen eines Standortwettbewerbs ausrichten, was zu einem politischen Wettbewerb um Investitionen und Arbeitsplätze führt.
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