Diplomarbeit, 2004
139 Seiten, Note: sehr gut (1,0)
Einleitung
Zur Wahl des Themas
Aufbau und zentrale Absicht
Kapitel 1: Hinführung zum Thema
1.1 Eltern sind ratlos
1.2 Ein Blick ins Säuglings- und Vorschulalter
1.3 Was Eltern sich oft fragen
1.3.1 »Warum ausgerechnet mein Kind?« und: »Nur mein Kind?«
1.3.2 Ist die Intelligenz der Kinder beeinträchtigt?
1.3.3 Wovon spricht man eigentlich? Von aufmerksamkeitsgestört, hyperaktiv oder hyperkinetisch?
1.3.4 Dann sind nicht alle Kinder gleich?
1.4 Die elterliche Sorge um die Zukunft des Kindes – zum wesentlichen Verlauf der Störung
1.5 AD/HS und was sonst noch? – Häufige Begleitstörungen
1.6 Verdacht auf AD/HS – zur Relevanz einer Diagnosenstellung
Kapitel 2: Verstehen schafft Toleranz! – zum kindlichen Verhalten des AD/HSlers
2.1 Die drei Kernmerkmale
2.2 Aufmerksamkeitsstörungen
2.2.1 Was bedeutet eigentlich 'Aufmerksamkeit'?
2.2.2 Was ist eine Aufmerksamkeitsstörung und wie kommt sie zum Ausdruck?
2.3 Hyperaktivität
2.4 Impulsivität
2.4.1 Kaum gedacht – schon getan!
2.4.2 Impulsivität beim Problemlösen
2.5 Problematische Situationen
2.6 Weitere Merkmale
2.6.1 Schwierigkeiten im feinmotorischen Bereich
2.6.2 Probleme mit Regeln und Anweisungen
2.6.3 Neigung zu extremen emotionalen Reaktionen
2.6.4 Das »Hier und Jetzt zählt«
2.7 Positive Eigenschaften und Stärken der Kinder
2.7.1 ADS-Kinder als »Jäger«
Kapitel 3: Die Folgen von AD/HS im Umfeld des Kindes
3.1 Das Kind mit AD/HS im Kontext der Familie
3.1.1 Der Alltag – ein »endloser Hindernislauf«
3.1.2 Isolierungstendenzen und Familienaktivitäten
3.1.3 Geschwisterstreit
3.1.4 Interaktion und Beziehung zwischen Eltern und Kind
3.1.5 Elterliche Belastung
3.2 AD/HS und Schule
3.2.1 Leistung und Noten
3.2.2 Ausgrenzung und Reaktionen des Kindes
3.2.3 Lehrkräfte fühlen sich »genervt«
3.2.4 Das Kind in der »Abwärtsspirale«
3.2.5 Die Sicht des Kindes und psychische Folgen
Kapitel 4: Diagnosenstellung
4.1 Diagnostische Klassifikation
4.2 Ausschluss- und Differentialdiagnostik
4.3 Diagnostisches Vorgehen
4.3.1 Verhaltens- und Interaktionsdiagnostik
4.3.2 Intelligenz- und Leistungsdiagnostik
4.3.3 Familiendiagnostik
4.4 Indikation und Verlaufskontrolle
4.5 Diagnose AD/HS – was bedeutet das für Eltern?
Kapitel 5: Erklärungsansätze
5.1 Neurobiologische Ansätze
5.1.1 Schädigungen des Zentralnervensystems
5.1.2 Entwicklungsanomalien des Gehirns
5.1.3 Die Rolle der Gene
5.1.4 Gestörte Immunregulation
5.2 Psychosoziale Faktoren
5.3 Zusammenfassung und Fazit
Kapitel 6: Zur Medikation von AD/HS mit Stimulanzien
6.1 Stimulanzien für Kinder – ein schwieriges Thema für Eltern
6.2 Welche Medikamente werden verwendet?
6.3 Indikation und Kontraindikation
6.4 Wirksamkeit und Effekte
6.4.1 Kurz- und Langzeiteffekte
6.4.2 Stimulanzientherapie in Kombination mit Verhaltenstherapie
6.5 Wirkungsweise
6.6 Nebenwirkungen
6.7 Kritische Aspekte und mögliche Gefahren
Kapitel 7: Verhaltenstherapeutische Interventionen
7.1 Überblick über die Verfahren und ihre Indikation
7.2 Theoretische Grundlagen der Verhaltenstherapie mit Kindern
7.2.1 Klassische Lerntheorie
7.2.2 Kognitive Lerntheorie
7.3 Kindzentrierte Verfahren
7.3.1 Ziele
7.3.2 Beziehungsaufbau und Information
7.3.3 Spezielle Trainingseinheiten und Methoden
7.4 Eltern- und familienzentrierte Verfahren
7.4.1 Ziele
7.4.2 Vorbereitung der Therapie
7.4.3 Förderung einer positiven Eltern-Kind-Beziehung
7.4.4 Pädagogisch-therapeutische Maßnahmen für zuhause
7.4.5 Unterstützung spezieller Trainingseinheiten durch die Eltern
7.4.6 Bewältigung spezieller Problemsituationen im Alltag
7.4.7 Wenn in Zukunft Verhaltensprobleme auftreten
7.5 Interventionen im Kindergarten und in der Schule
7.5.1 Interventionen im Kindergarten
7.5.2 Interventionen in der Schule
7.6 Eine abschließende Bemerkung
Kapitel 8: Was Eltern sonst noch tun können
8.1 Einstellung ändern - 'Niemand ist perfekt'
8.2 Was Eltern für sich selbst tun können
Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das AD/HS-Syndrom bei Kindern und dessen tiefgreifende Auswirkungen auf das Familienleben. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die komplexe Symptomatik zu schaffen, die Auswirkungen auf die elterliche Belastung und die schulische Situation des Kindes darzustellen sowie pädagogisch sinnvolle Interventionsmöglichkeiten aufzuzeigen, um den Teufelskreis aus Fehlverhalten und Unverständnis zu durchbrechen.
2.4.1 Kaum gedacht – schon getan!
Der Satz 'Kaum gedacht, schon getan!' passt nur zu gut. Die Kinder haben kaum einen Gedanken und sind schon dabei, ihn in die Tat umzusetzen. Da die möglichen Folgen einer Handlung meist unberücksichtigt bleiben, können die Kinder in gefährliche Situationen geraten, weswegen sie oft für waghalsig gehalten werden. Folgendes Beispiel illustriert:
Ohne Schwimmen zu können, sprang Ludwig mit drei Jahren ins tiefe Wasser; als Vierjähriger vom 3-m-Brett. Fahrradunfälle waren häufig, weil er Rennfahrer werden wollte. Mit sieben lag er sechs Wochen mit einem Schädelbruch im Krankenhaus. Er hatte im Fernsehen einen Stuntman beobachtet, wie er durch eine Wand raste, und hatte versucht, es nachzumachen: Auf dem Fahrrad mit dem Kopf voraus durch die Wand. Zweimaliger Sturz vom Baum. Beim Luftanhalten schaffte er es, ohnmächtig zu werden. Zum Skifahren konnte die Mutter nicht mehr mit ihm gehen, weil er so wild und gefährlich den Hang hinunterraste.
(aus Imhof et al. 2003, S. 67)
Der Begriff der Impulsivität ist demnach im Kontext mit AD/HS weniger wie dem alltäglichen Sprachverständnis entsprechend mit positiven Merkmalen, wie z.B. temperamentvoll, energievoll, spontan und lebhaft behaftet (obgleich diese Merkmale auch ungemein zutreffend wären), sondern vielmehr im negativen Sinn zu betrachten. Wenn im Zusammenhang mit der Störung von Impulsivität gesprochen wird, sind vorwiegend Merkmale wie unbeherrscht, unkontrolliert, unbesonnen, von plötzlichen Ideen abhängig und Gedanken sogleich folgend ohne Bedenken der möglichen (negativen) Konsequenzen gemeint.
Kapitel 1: Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel thematisiert die Ratlosigkeit betroffener Eltern und beleuchtet die frühkindliche Entwicklung sowie die gängigen Fragen und Sorgen von Eltern bei Verdacht auf AD/HS.
Kapitel 2: Verstehen schafft Toleranz! – zum kindlichen Verhalten des AD/HSlers: Das Kapitel erläutert die drei Kernsymptome Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sowie deren Ausdrucksformen und Auswirkungen auf das kindliche Verhalten.
Kapitel 3: Die Folgen von AD/HS im Umfeld des Kindes: Hier werden die Belastungen für die Familie und der schulische Alltag von AD/HS-Kindern beleuchtet, wobei besonders auf Teufelskreise und psychosoziale Folgen eingegangen wird.
Kapitel 4: Diagnosenstellung: Dieses Kapitel widmet sich den diagnostischen Standards nach ICD-10 und DSM-IV sowie dem praktischen diagnostischen Vorgehen bei betroffenen Kindern.
Kapitel 5: Erklärungsansätze: Es werden die neuesten wissenschaftlichen Erklärungsmodelle vorgestellt, die neurobiologische und genetische Ursachen der Störung untersuchen.
Kapitel 6: Zur Medikation von AD/HS mit Stimulanzien: Der Fokus liegt auf der medikamentösen Therapie, deren Wirksamkeit, mögliche Nebenwirkungen sowie Chancen und Risiken dieser Behandlungsform.
Kapitel 7: Verhaltenstherapeutische Interventionen: Es werden verschiedene verhaltenstherapeutische Ansätze für das Kind, das Elternhaus und die Schule vorgestellt, um einen konstruktiven Umgang mit der Störung zu fördern.
Kapitel 8: Was Eltern sonst noch tun können: Abschließend werden Tipps zur inneren Haltung der Eltern und konkrete Strategien zur Selbstfürsorge und Stressbewältigung dargelegt.
AD/HS, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Impulsivität, Kindesentwicklung, Familienleben, Erziehung, Verhaltenstherapie, Stimulanzien, Diagnose, Eltern-Kind-Interaktion, Neurobiologie, Schulprobleme, Alltagsbewältigung, Selbstwertgefühl
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (AD/HS) bei Kindern und den damit verbundenen Herausforderungen für die Familie.
Zentrale Felder sind die kindliche Symptomatik, die Auswirkungen auf den Familien- und Schulalltag, diagnostische Kriterien sowie Therapiemöglichkeiten durch Verhaltenstherapie und Medikation.
Das Ziel ist es, Klarheit über die Symptomatik zu verschaffen, die komplexen Folgen der Störung aufzuzeigen und pädagogisch fundierte Möglichkeiten für einen konstruktiven Umgang in Familie und Schule zu vermitteln.
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien und diagnostischer Standards (DSM-IV, ICD-10), ergänzt durch pädagogische Fallbeispiele und Interaktionsmodelle.
Der Hauptteil behandelt das Verständnis der Kernsymptome, die Diagnoseprozesse, biologische Erklärungsmodelle und eine detaillierte Auseinandersetzung mit Therapiemethoden inklusive Stimulanzien und verhaltenstherapeutischen Interventionen.
AD/HS, Erziehung, Elternberatung, Verhaltenstherapie, Impulsivität, Familienbelastung und Diagnose.
Die Arbeit greift die Theorie von Thom Hartmann auf, der ADS als „Jäger“-Gabe interpretiert, während die „Farmer“ die etablierten Strukturen (wie die Schule) beherrschen, was zu Konflikten für die „Jäger“-Kinder führt.
Diese sollen ausgleichende, positive Erlebnisse zwischen Eltern und Kind schaffen, da sich der Alltag mit AD/HS-Kindern oft auf korrigierende Erziehungsmaßnahmen konzentriert und schöne Momente in den Hintergrund drängt.
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