Magisterarbeit, 2001
118 Seiten, Note: sehr gut
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
A. Einleitung
1. Fragestellung
2. Konzept und Methode
3. Quellenlage und Forschungsstand
B. Totengedenken als gesellschaftliche Aufgabe: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.
1. Entstehung
2. Struktur und Aufbau
3. Entwicklung und Aktivitäten bis 1933
C. Nationalfeiertag und Nationaltrauertag: Das politische Ringen um das nationale Gedenken
1. Gedenktage als Frage der Staatssymbolik
2. Die Feiertagsfrage in der Weimarer Republik
2.1 Die Nationalfeiertagsfrage
2.2 Der Gedenktag an die Toten des Ersten Weltkriegs: Erste Konzepte bis 1923
2.3 Die Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge: Der Volkstrauertag
2.4 Neue Bewegung in der Gedenktagsfrage ab 1930
3. Die Gedenktagskonzeptionen der politischen Teilkulturen
D. Die Volkstrauertage in der Weimarer Republik: Konzepte und Inszenierung
1. Staatliche Vorstellungen: Das Konzept des ReichskunstwartsEdwin Redslob
2. Die Volkstrauertage unter Organisation des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge
2.1 Die äußere Form des Vokstrauertages: Richtlinien und Inszenierung
2.2 Die Volkstrauertage auf lokaler Ebene in den Jahren 1926 und 1927
2.3 Gedenkreden zum Volkstrauertag
E. Volkstrauertag und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Übergang zum Nationalsozialismus
F. Schlussbetrachtung
G. Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Quellen
1.1 Unveröffentlichte Quellen (Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde)
1.2 Veröffentlichte Quellen
2. Literatur
H. Anhang
Die Arbeit untersucht das politische Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs in der Weimarer Republik am Beispiel des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK). Ziel ist es, herauszufinden, ob der Volkstrauertag zur Integration in eine fragmentierte politische Kultur beitragen konnte oder ob er als Instrument der Polarisierung und zur Stärkung eines konservativ-nationalen Weltbildes diente.
2. Konzept und Methode
Der Begriff „Politische Kultur“ ist vieldeutig, die Fülle an verschiedenartigen Definitionen groß. Dem Minimalverständnis folgend, auf das man sich innerhalb der deutschen Politikwissenschaft Ende der 1980er Jahre geeinigt hat, bezieht sich politische Kultur auf die subjektive Dimension von Politik. Diese untersucht die geschriebenen und ungeschriebenen Ideen und Wertcodes, die politisches Denken und Handeln der Gesellschaftsmitglieder regulieren. Grundinteresse der politischen Kulturforschung ist, wie sich das Individuum gegenüber dem Staat und der Gesellschaft, in der es lebt, definiert und von welchen Meinungen, Vorstellungen und Grundwerten es dabei in seinem Denken und Handeln beeinflusst wird. Politische Stimmungen und ebenso grundsätzliche politische Einstellungen und Werte – wenn auch in längerfristigeren Zeiträumen – sind aber keineswegs ein stabiles und dauerhaftes Faktum, vielmehr unterliegen sie Schwankungen und Variationen. Damit wird Politische Kultur zu einem Wirklichkeitsbereich, der aus dem Zusammenspiel verschiedener formierender und historisch formierter Kräfte resultiert und so auch von historischem Forschungsinteresse ist.
Dies wirft allerdings ein methodisches Problem auf: Die herkömmliche Methode der politischen Kulturforschung seit ihrem Beginn bei Almond und Verba ist die sozialwissenschaftliche Auswertung von Umfragedaten. Diese steht aber für eine historische Analyse politischer Kultur – im hier behandelten Fall der Weimarer Republik – mangels ausreichenden demoskopischen Materials aus dem entsprechenden Zeitraum nicht zur Verfügung.
A. Einleitung: Einführung in die Thematik, Darlegung der Fragestellung zur Rolle des Totengedenkens in der politischen Kultur Weimars sowie Erläuterung des methodischen Vorgehens.
B. Totengedenken als gesellschaftliche Aufgabe: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.: Analyse der Entstehung, Struktur und historischen Entwicklung der Organisation bis 1933.
C. Nationalfeiertag und Nationaltrauertag: Das politische Ringen um das nationale Gedenken: Untersuchung der symbolpolitischen Bedeutung von Gedenktagen und der schwierigen Suche nach einem nationalen Feiertag in der Weimarer Republik.
D. Die Volkstrauertage in der Weimarer Republik: Konzepte und Inszenierung: Gegenüberstellung staatlicher Gedenkkonzepte mit der tatsächlichen Praxis der vom VDK organisierten Volkstrauertage sowie deren politischer Instrumentalisierung.
E. Volkstrauertag und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Übergang zum Nationalsozialismus: Darstellung der Anpassungsprozesse der Organisation an das NS-Regime und der Etablierung des Heldengedenktages.
F. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse in den Kontext der Labilität und des Scheiterns der Weimarer Republik.
Weimarer Republik, Volkstrauertag, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Politische Kultur, Totengedenken, Nationalfeiertag, Politische Symbolik, Fragmentierung, Volksgemeinschaft, Erinnerungskultur, Symbolische Politik, Kriegerdenkmäler, Patriotismus, Nationalsozialismus, Siegfried Emmo Eulen.
Die Arbeit analysiert das politische Gedenken an die Kriegstoten während der Weimarer Republik anhand des Volkstrauertages und untersucht, wie dieses Gedenken die politische Kultur der Zeit widerspiegelte und beeinflusste.
Im Zentrum stehen das Selbstverständnis des Volksbundes, die staatliche Feiertagsdebatte, die Inszenierung öffentlicher Trauerfeiern und die Frage nach politischer Konsensstiftung versus Polarisierung.
Die zentrale Frage ist, ob das Gefallenengedenken zur Integration einer fragmentierten Gesellschaft beitrug oder ob es als politisches Kampfmittel die gesellschaftlichen Gräben weiter vertiefte.
Der Autor nutzt vorrangig die historische Quellenanalyse, insbesondere die Auswertung der Verbandszeitschrift des Volksbundes, sowie die Einbettung der Ergebnisse in theoretische Ansätze der politischen Kulturforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Volksbundes als Akteur, die Analyse der gesamtgesellschaftlichen Feiertagsdebatte, die Erforschung der konkreten Inszenierung der Gedenktage und schließlich den Übergang der Organisation in das NS-Regime.
Die zentralen Aspekte sind Fragmentierung, Volksgemeinschaft, politisches Gedenken, staatliche Symbolik und die Kontinuität konservativer Eliten in der Weimarer Republik.
Der Begriff fungierte als zentrales Identitätsangebot, das Einheit suggerieren sollte, jedoch in der Praxis meist die traditionalistischen und bürgerlichen Schichten ansprach und von republikanischen oder linken Kräften distanziert betrachtet wurde.
Der Langemarck-Mythos wurde ab den 1930er Jahren zunehmend instrumentalisiert, um ein idealisiertes Bild der jugendlichen Helden zu zeichnen, das als moralische Stütze für eine Großmachtpolitik und als Anknüpfungspunkt für die nationalsozialistische Bewegung diente.
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