Examensarbeit, 2004
117 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
1.1. Hintergrund und Fragestellung
1.2. Methodische Vorgehensweise
1.3. Gliederung der Arbeit
2 Grundlagen der sozialen Sicherung in Deutschland und der Schweiz
2.1. Sozialstaat und Sozialpolitik
2.1.1. Aufgaben und Ziele
2.1.2. Typologien
2.1.3. Grundprinzipien
2.1.3.1. Versicherungs- und Solidarprinzip
2.1.3.2. Versorgungsprinzip
2.1.3.3. Fürsorge- und Subsidaritätsprinzip
2.1.4. Finanzierungsmodelle
2.1.5. Beveridge- und Bismarck-Modell
2.2. Geschichte und Gegenwart der Sozialversicherung
2.2.1. Deutschland
2.2.2. Schweiz
2.3. Möglichkeiten und Grenzen des System-Umbaus
2.3.1. Voraussetzungen und Chancen politischer Veränderung
2.3.2. Reformierbarkeit traditioneller Strukturen in Deutschland
2.3.3 Vergleich der sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen
3 Das Drei-Säulen-Modell der Schweiz
3.1. Grundlagen und Ziele
3.2. Säule 1: Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
3.2.1. Organisation und Finanzierung
3.2.2. Leistungen und Anspruchsvoraussetzungen
3.2.2.1. Alters- und Hinterlassenenrenten
3.2.2.2. Hilflosenentschädigung und Hilfsmittel
3.2.2.3. Invalidenrenten
3.2.2.4. Ergänzungsleistungen
3.2.3. Einnahmen und Ausgaben in der AHV und IV
3.3. Säule 2: Berufliche kapitalgedeckte Vorsorge
3.3.1. Organisation, Finanzierung und Leistungen
3.3.2. Institutionen der beruflichen Vorsorge
3.3.2.1. Vorsorgeeinrichtungen
3.3.2.2. Sicherheitsfonds und Auffangeinrichtung
3.3.3. Wohneigentumsförderung
3.4. Säule 3: Gebundene Selbstvorsorge und freies Sparen
3.5. Rentenvorbezug und Rentenaufschub
3.6. Alterssicherung der Frauen
3.7. Die wirtschaftliche Lage der Rentnerlnnen
3.8. Probleme und Perspektiven in der Altersvorsorge
3.8.1. Finanzielle Konsolidierung in der AHV
3.8.2 Zugespitzte Lage in der Invalidenversiche
3.8.2 Folgen der angespannten Wirtschaftslage flur die BV
4 Die Altersvorsorge in Deutschland im Vergleich zum Schweizer Modell
4.1. Aufbau, Struktur und Ausgestaltung der System
4.2. Arbeitnehmerversicherung versus Volksversicherung
4.3. Finanzierung
4.3.1. Beitragshöhe und Verteilung der Beitragslast
4.3.2. Rentenberechnung und Rentenniveau
233Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben
4.4. Möglichkeiten und Nutzung der Frühverrentung
4.5. Armutsrisiko und Verhinderung von Altersarmut
4.6. Die „Riester-Rente“ - Neue Strategien für mehr Eigenvorsorge
4.6.1. Grundzüge der Rentenreform
4.6.2. Förderung der privaten Vorsorge
4.6.3. Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge
4.6.4. Anlage- und Sparverhalten
4.7. Unterschiedliche Schwerpunktsetzung in den Säulen
4.7.1. Umlagefinanzierung versus Kapitaldeckung
4.7.2. Lebensstandardsicherung versus Grundsicherung
4.8. Zusammenfassung der Problemlage in Deutschland
5 Die Altersvorsorge in der Schweiz – eine Alternative für Deutschland
5.1. Lösungsansätze im Schweizer System
5.1.1. Erweiterung des Versichertenkreises
5.1.2. Aufhebung der Bemessungsgrenze
5.1.3. Grundsicherung und Ausbau der Eigenvorsorge
5.2. Handlungsoptionen für die Zukunft
Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede zwischen den Altersvorsorgesystemen Deutschlands und der Schweiz, um zu analysieren, ob das Schweizer Drei-Säulen-Modell als tragfähige Alternative oder Lösungsansatz für die krisenbehaftete deutsche Rentenversicherung dienen kann.
1.1. Hintergrund und Fragestellung
Vor dem Hintergrund der demographischen und sozio-ökonomischen Entwicklungen zählt die Sicherung der sozialen Systeme zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Ein anhaltender Geburtenrückgang und eine parallel ansteigende Lebenserwartung führten und führen sukzessive zur Überalterung der Gesellschaft. Damit gerät das deutsche, umlagefinanzierte Rentensystem in eine tiefe Krise. Die Renten sind, anders als der frühere Bundesarbeits- und -sozialminister Norbert Blüm verkündete, in der jetzigen Form und Höhe keineswegs mehr so sicher.
Während heute zwei Erwerbstätige für eine Altersrente aufkommen, muss im Jahre 2030 jeder Erwerbstätige etwa eine Rente finanzieren (Maier/Zandonella, S. 33). Sollen die Renten weiter so gewährt werden wie bisher, wäre dies nur mit einer schmerzlichen Erhöhung der Beitragslast zu leisten. Bliebe es stattdessen bei den Beitragssätzen (Anhang, S. 4), könnte der demographischen Entwicklung nur mit erheblicher Kürzung der Rentenansprüche Rechnung getragen werden. Dies aber würde die Rentner zum einen um den Lohn ihrer erbrachten Lebensleistung bringen und sie zum anderen an den Rand der Armut drängen.
Seit Jahren debattieren die Politiker um die Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung. Reformen folgten auf Reformen. Eine der wichtigsten war nach dem Rentenanpassungsgsesetz 1972 (Anhang, S. 10) die Rentenreform 1992, die bereits 1989 verabschiedet worden war (Anhang, S. 11). Ihr folgten eine Anhebung der vorgezogenen Altersgrenzen (Anhang, S. 1) auf das 65. Lebensjahr, eine Modifizierung der Rentenanpassung und eine Rückführung beitragsfreier Zeiten (Anhang, S. 3). Die so genannten versicherungsfremden Leistungen (Anhang, S. 15) sollten durch Steuermittel finanziert und die Rentenkasse entlastet werden. Doch auch dies führte nicht zu einer dauerhaften Lösung. Die Belastungen der Rentenversicherung durch die Wiedervereinigung und die hohe Arbeitslosigkeit Mitte der 90er Jahre machten eine weitere Reform notwendig. So wurde nur fünf Jahre später das nächste Rentenreformgesetz verabschiedet.
1 Einleitung: Dieses Kapitel skizziert die demographische Krise des deutschen Rentensystems, die Notwendigkeit von Reformen und die Zielsetzung der Arbeit, das Schweizer System als Vergleichsmodell heranzuziehen.
2 Grundlagen der sozialen Sicherung in Deutschland und der Schweiz: Hier werden die theoretischen Grundlagen wie Sozialstaatstypen, Grundprinzipien und Finanzierungsmodelle beider Länder gegenübergestellt sowie historische Entwicklungen beleuchtet.
3 Das Drei-Säulen-Modell der Schweiz: Ein detaillierter Überblick über den Aufbau, die Organisation und die Finanzierung des Schweizer Modells mit Fokus auf die drei Säulen (AHV, berufliche Vorsorge, Selbstvorsorge).
4 Die Altersvorsorge in Deutschland im Vergleich zum Schweizer Modell: Eine systematische Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden bei Finanzierung, Rentenberechnung und politischen Reformansätzen wie der Riester-Rente.
5 Die Altersvorsorge in der Schweiz – eine Alternative für Deutschland: Dieses Kapitel diskutiert konkrete Handlungsoptionen für Deutschland, basierend auf den im Vergleich gewonnenen Erkenntnissen über das Schweizer System.
Altersvorsorge, Rentenversicherung, Sozialstaat, Drei-Säulen-Modell, demographischer Wandel, Umlageverfahren, Kapitaldeckung, Riester-Rente, Rentenreform, Generationenvertrag, Sozialpolitik, Invalidenversicherung, Rentenniveau, Beitragsbemessungsgrenze, Altersarmut.
Die Arbeit analysiert die gegenwärtigen Herausforderungen der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland und untersucht, inwieweit das Schweizer Drei-Säulen-Modell als Inspirationsquelle für Reformen dienen kann.
Zentral sind der Vergleich zwischen dem umlagefinanzierten deutschen System und dem schweizerischen Mischmodell aus Umlage und Kapitaldeckung sowie die Auswirkungen demographischer Veränderungen.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob das Schweizer Modell Elemente enthält, die zur Lösung der Probleme in Deutschland beitragen können und ob diese Elemente übertragbar sind.
Die Arbeit nutzt die Politikfeldanalyse, um sozialpolitische Strukturen, Ziele und Ergebnisse der Altersvorsorgesysteme beider Länder historisch und normativ zu vergleichen.
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Grundlagen, die spezifischen Säulen der Schweizer Altersvorsorge sowie einen direkten Leistungs- und Finanzierungsvergleich mit dem deutschen Rentensystem.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Alterssicherung, Umlageverfahren, Kapitaldeckung, Generationenvertrag, Rentenreform und Sozialpolitik.
Das Schweizer System wird aufgrund seines ausgeglichenen Mixes aus staatlicher Grundsicherung und kapitalgedeckter Eigenvorsorge als stabil und krisensicher eingestuft.
Sie markierte einen Wendepunkt durch die Einführung der Riester-Rente und den Versuch, die private kapitalgedeckte Vorsorge zur Ergänzung der gesetzlichen Rente zu stärken.
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