Examensarbeit, 2005
59 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Die Diskussion um den Offenen Unterricht
2.1 Was soll geöffnet werden?
2.2 Veränderte Gesellschaft als Begründung für Offenen Unterricht
2.3 Offener Unterricht in der aktuellen Bildungsdiskussion
2.4 Die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition
2.5 Zusammenfassung
3 Formen des Offenen Unterrichts und ihre Wurzeln in der Reformpädagogik
3.1 Freiarbeit
3.2 Wochenplanarbeit
3.3 Projektarbeit
3.4 Zusammenfassung
4 Offener Unterricht als Gegenstand der neueren Unterrichtsforschung
4.1 Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
4.2 Interessengeleitetes Lernen als Untersuchungsgegenstand
4.3 Klassenklima als Untersuchungsgegenstand
4.4 Zusammenfassung und erste Rückschlüsse
5 Offene Unterrichtsformen an deutschen Grundschulen - Befunde der IGLU-Studie
5.1 Zur Konzeption von IGLU und IGLU-E
5.2 Das Testdesign
5.3 Wichtige Ergebnisse der Studie
5.3.1 Internationaler Vergleich der Ergebnisse
5.3.2 Nationaler Vergleich der Ergebnisse
5.4 Personelle und materielle Ausstattung deutscher Grundschulen
5.4.1 Klassengröße und Lehrer-Schüler-Relation
5.4.2 Ausstattung mit Bibliotheken und Computern
5.5 Individualisierung im Leseunterricht der Grundschule
5.5.1 Organisation des Leseunterrichts
5.5.2 Differenzierung durch Material
5.5.3 Leseaktivitäten
5.5.4 Fördermaßnahmen
5.5.5 Rückschlüsse aus den Befunden für den Offenen Unterricht
5.6 Zum Rechtschreibunterricht in vierten Klassen
5.6.1 Orthographische Kompetenzen in der vierten Klasse
5.6.2 Einsatz von Medien
5.6.3 Einsatz bestimmter Methoden und Übungsformen
5.6.4 Differenzierung
5.6.5 Rückschlüsse aus den Befunden für den Offenen Unterricht
6 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und inwieweit Formen des offenen Unterrichts an deutschen Grundschulen die Unterrichtsqualität verbessern können. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob offene Unterrichtsformen – unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Veränderungen und wachsender Heterogenität – effektiv dazu beitragen können, die schulische Leistung zu steigern und gleichzeitig die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder zu fördern, wobei die empirischen Befunde der IGLU-Studie kritisch einbezogen werden.
2.1 Was soll geöffnet werden?
Die Grundschule hat eine Doppelaufgabe. Sie muss das Kind auf die Angebote und Anforderungen weiterführender Schulen vorbereiten und sie muss dem Kind bei der Erschließung der Lebenswirklichkeit und bei der Bewältigung seiner Lebensaufgaben helfen (vgl. Schorch, 1998, S. 140). Mit dieser Doppelaufgabe ist Grundschule Lernort und Lebenswelt zugleich. Deshalb fordern Befürworter der Bewegung des Offenen Unterrichts, dass sich Schule (mehr) öffnen soll für die Lebenswirklichkeit des Kindes und für eine motivierende und kindgerechte Lernumwelt. Wallrabenstein (2001) spricht hier von innerer Öffnung als einer Veränderung des Unterrichts und von äußerer Öffnung als einer Veränderung der Institution Schule zu ihrer Umwelt. Nach seiner Auffassung hat der Prozess der Öffnung drei verschiedene Dimensionen: Die inhaltliche Dimension verlangt die Öffnung für die Erfahrungswelt der Kinder, die methodische Dimension meint die Öffnung für eine Beteiligung an der Gestaltung und Planung des Unterrichts und die organisatorische Dimension verdeutlicht die Notwendigkeit einer Öffnung für einen deutlich strukturierten Tagesablauf mit vielfältigen Organisationsformen des Lernens innerhalb und außerhalb der Schule (vgl. Wallrabenstein, 2001, S. 35).
Öffnung muss also geplant werden und kann nicht willkürlich stattfinden. Es darf schließlich nicht vergessen werden, dass die Grundschule einen Bildungsauftrag zu erfüllen hat. Ihre Funktion ist es, grundlegende Bildung zu vermitteln. Diese umfasst die vier Grundlegungsaufgaben ‚gemeinsame Bildung für alle‘, ‚Gemeinsamer Grundstock‘, ‚Beginn der Allgemeinbildung‘ und ‚Stärkung der Persönlichkeit‘ (vgl. Einsiedler, 2001, S. 189ff.). Insbesondere die Persönlichkeitsstärkung und das Erlernen und Einüben von grundlegenden Haltungen, wie Verantwortung, Hilfsbereitschaft und Toleranz werden heute als Basisqualifikationen angesehen, „die – angesichts gesellschaftlicher Vielfalt und Normenunsicherheit – für Kulturaneignung und Teilnahme am öffentlichen Leben unentbehrlich sind, und von denen erwartet wird, daß sie Weiterlernen ermöglichen“ (Schorch, 1998, S. 143) Für das verstärkte Lernen dieser Basisqualifikationen scheinen offene Unterrichtsformen sehr geeignet zu sein, denn sie werden verstanden als eine angemessene Reaktion auf die veränderte Gesellschaft.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des deutschen Grundschulsystems im Kontext der IGLU-Studie ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Wirksamkeit von offenem Unterricht.
2 Die Diskussion um den Offenen Unterricht: Das Kapitel thematisiert die pädagogische Debatte um Offenheit, ordnet Begriffe ein und betont die Notwendigkeit einer klaren strukturellen Begründung für offene Unterrichtsformen.
3 Formen des Offenen Unterrichts und ihre Wurzeln in der Reformpädagogik: Hier werden die zentralen Formen des offenen Unterrichts – Freiarbeit, Wochenplanarbeit und Projektarbeit – historisch und inhaltlich vorgestellt.
4 Offener Unterricht als Gegenstand der neueren Unterrichtsforschung: Das Kapitel beleuchtet den aktuellen Forschungsstand zur Effektivität von offenem Unterricht und diskutiert Faktoren wie Interessengeleitetes Lernen und Klassenklima.
5 Offene Unterrichtsformen an deutschen Grundschulen - Befunde der IGLU-Studie: Dieser umfangreiche Abschnitt analysiert anhand der IGLU-Daten die Realität von Differenzierung, Individualisierung sowie Medien- und Materialeinsatz im Lese- und Rechtschreibunterricht an deutschen Grundschulen.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass offener Unterricht eine strukturierte Planung erfordert und betont, dass Professionalität der Lehrkraft sowie eine gezielte Förderung entscheidender für den Lernerfolg sind als die bloße Wahl der Arbeitsform.
Offener Unterricht, Grundschule, IGLU-Studie, Reformpädagogik, Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Projektarbeit, Unterrichtsqualität, Differenzierung, Individualisierung, Heterogenität, Bildungsstandards, Lesekompetenz, Rechtschreibunterricht, Schulleistung.
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit offener Unterrichtsformen in deutschen Grundschulen unter Berücksichtigung der empirischen Ergebnisse der IGLU-Studie.
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des offenen Unterrichts, verschiedene methodische Umsetzungen, der Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen sowie eine empirische Analyse der Unterrichtsrealität in Deutschland.
Die Hauptfrage ist, ob und wie offene Unterrichtsformen die Qualität des Unterrichts effektiv verbessern und den Anforderungen an die Heterogenität der Schülerschaft gerecht werden können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer sekundär-analytischen Auswertung der Daten und Befunde der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU).
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des offenen Unterrichts (Historie, Definition, Forschungslage) und eine detaillierte Analyse der IGLU-Befunde zu Organisationsformen, Differenzierung und Materialeinsatz im Lese- und Rechtschreibunterricht.
Wichtige Begriffe sind Offener Unterricht, IGLU, Heterogenität, Differenzierung, Individualisierung und Unterrichtsqualität.
Die Autorin stellt fest, dass Leistungsdisparitäten häufig mit dem sozialen Hintergrund und dem Migrationshintergrund korrelieren, weshalb diese Faktoren bei der Bewertung der Effektivität von Unterrichtsformen zwingend berücksichtigt werden müssen.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit nicht pauschal belegbar ist; offener Unterricht erfordert eine hohe Professionalität der Lehrkraft und klare Strukturen, um erfolgreich zu sein und nicht zur Vernachlässigung kognitiver Zielsetzungen zu führen.
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